In letzter Zeit wird vermehrt eine neue "Umweltsau" durchs Dorf getrieben - die Bodenversieglung. Gemeint und behauptet wird dabei, wir würden ganz Österreich zubetonieren und sehr bald wäre kein Platz mehr für Tiere, Landwirtschaft oder Regen übrig. Und selbst wenn einem das Leid der Tiere egal wäre, würden wir also sehr bald verhungern und absaufen, in beliebiger Reihenfolge.

Beispielsweise titelte Tassilo Valentin kürzlich in der "Krone" (und der muss es ja wissen): "Jeden Tag wird in Österreich eine Fläche von 20 Fussballfeldern verbaut. Wir sind Europameister im Zerstören und Zubetonieren fruchtbarer Böden. Es ist an der Zeit, den Bauwahnsinn zu stoppen!"

Laut Umweltbundesamt wurden in Österreich "bis zum Jahr 2019 insgesamt 5.729 km² Boden verbraucht" . Man beachte die Terminologie! Der Boden wurde verbraucht, ist weg, kommt nie wieder. Und wie wir wissen macht die Natur einen weiten Bogen um einmal verbrauchten Boden und siedelt sich dort nie mehr wieder an. Außer halt in etwa Tschenobyl, dem Grünen Band (ehemaliges Deutsch-deuschtes Grenzgebiet) oder dem ehemaligen Rohsdorf, dem einstigen Sitz meiner Ahnen, woran heute nur mehr ein paar Steine inmitten wucherndem Grün erinnern.

Doch abgesehen von der dummen Marktschreierei kann noch etwas anderes nicht stimmen. Wer ein wenig über elemantare Intelligenzfunktionen verfügt, fragt sich fast zwangsläufig wo denn so viel Beton zu finden sein soll. 7% der Landesfläche und gar 18% des nicht-alpinen, nutzbaren Raums seien laut Umweltbundesamt verbetoniert. Das passt nicht zu meiner optischen Wahrnehmung.

Nehmen wir mal das Beispiel Wien, wo mit 1.9 Mio Einwohnern über 20% der österreichischen Bevölkerung leben. Wien hat eine Fläche von 415km2, was logischer Weise das äußerste Maximum dessen wäre, was hier verbaut werden könnte. Ein einfacher Blick auf die Karte genügt um zu erkennen, dass es innerhalb der Landesgrenzen erhebliche Grünflächen gibt, sei es der Wienerwald, die Lobau, Ackerflächen im Norden und Süden, oder natürlich die Donau (gut, nur bedingt grün). Unter den explizit verbauten Gebieten gibt es die Innenbezirke mit hohem Verbauungsgrad (~80%) und Außenbezirke, wo Häuser und Wohnblöcke regelmäßig von Grünflächen umgeben sind, die Bodenversiegelung daher eher nur 30% beträgt. Alles in allem sind von den 415km2 maximal 200km2 verbaut und zubetoniert.

screenshot google earth

Wenn nun über 20% der Bevölkerung maximal 200km2 "verbraucht" hat, wie soll man dann auf insgesamt 5729km2 kommen? Naheliegend wäre, dass abseits des dicht besiedelten Wiens weit großzügiger mit dem verfügbaren Raum umgegangen wird. Also habe ich mir weitere Städte angesehen, Großstädte wie Graz und Linz, aber auch kleinere Gemeinden um einen Überblick zu erhalten. Tatsächlich zeigt sich eine Verbauung von 150 bis 200m2 pro Einwohner, und somit deutlich mehr als in Wien (~100m2 pro Kopf). Freilich, auch damit kommt man nicht annähernd auf die vom Umweltbundesamt behaupteten Zahlen.

Vielleicht aber "verbrauchen" wir das Land ja abseits der Siedlungsräume, etwa durch Autobahnen und Landesstraßen? Nun, die Gesamtlänge der Autobahnen beträgt 1750km, bemessen wir die durchschnittliche Breite mit großzügigen 35m dann wären das 60km2. Inklusive Schnellstraßen könnte man gar auf 70km2 kommen. Das Netz an Landesstraßen beträgt 33.660km, wobei diese Straßen jedoch nur 7-8m breit sind, was einer Fläche von immerhin 270km2 entspricht. Gemeindestraßen, sofern überhaupt asphaltiert, sind hauptsächlich in Siedlungsgebieten zu finden und daher bereits großteils oben weiter erfasst.

Egal wie man es dreht und wendet, auf mehr als 2.000km2 "verbautes" Österreich kommt man nicht, also etwa nur ein Drittel dessen was das Bundesumweltamt behauptet. Analoges dürfte für den jährlichen Mehrverbrauch gelten, bzw. für die täglichen 20 Fussballfelder. Denn dieser Zuwachs stünde in einem recht außergewöhnlichem Verhältnis zur Bestandsgröße.

Stellt sich also die Frage, wie das Umweltbundesamt auf seine Phantasiezahlen kommt. Nebst dem Willen zur maßlosen Übertreibung, bietet sich hier schlichte Dummheit als Erfüllungsgehilfe an. Nichts ist leichter als die Flächenwidmung statistisch zu erfassen, doch nur weil eine Fläche entsprechend gewidmet ist, wird sie deshalb noch lange nicht gänzlich verbaut. Selbstverständlich müsste im Straßenbau zwischen neuen und bloß sanierten, neu asphaltierten Strecken unterschieden werden. Auch das scheint unterlassen worden zu sein.

Wer noch zweifelt möge einfach mal Google Earth anwerfen und auf die flacheren, nicht alpinen Siedlungsräume schauen ob er dort 18% Beton erkennt. Quasi als Sehtest.

Die Dinge vom Ende her denken, so das Motto von Angela Merkel. Es dürfte auch bei solchen Umweltthemen Pate stehen. Erst wird die zu erzählende Story festgelegt, dann werden "Fakten" erfunden um diese zu argumentieren. Wobei sich Umweltthemen offenbar bestens eignen um Widerstände gegen sozialistisches Gedankengut zu überwinden, wie der einfältige Herr Valentin beweist.

Dabei hätte die Sache an sich ja durchaus einen wahren Kern. In der Tat, wenn auch nicht in besorgniserregendem Umfang, wird im Umland viel verbaut während die Innenstädte dahinsiechen. Das aber liegt an einer dummen (grünen) Verkehrspolitik, die die Autos aus den Innenstädten verbannt.

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