Das Internet macht es möglich, dass sich Kriminelle aller Art in unseren Wohnzimmern tummeln, ohne dass wir es merken. Manchmal merken wir es aber auch und ich ahne, das sollen wir auch. Manche Menschen machen unfreiwillig Bekanntschaft mit virtuellen Eindringlingen, die sich nicht so leicht vertreiben lassen. Zu diesen gehöre ich.

Abgesehen davon, dass ich im Laufe der Zeit Unsummen (für meine Verhältnisse) ausgegeben habe: für Antivirenprodukte, die absolut sinnlos waren, für geschrottete Festplatten, Drucker die nicht mehr taten was sie tun sollte, und vieles mehr, plage ich mich derzeit mit meiner Webseite, für die ich auch Geld bezahle. Oder besser: ich plage mich nicht mit ihr, weil ich mich nicht einloggen kann. Auf drei verschiedenen Computern habe ich es bisher versucht. Absolut keine Chance. Auf Computer 1 verschwindet das Formular wie von Geisterhand, in das man seine Daten eintragen sollte, wenn man sich einloggen wöchte. Auf Computer 2 wird der Eintrag nicht angenommen und man wird immer wieder aufgefordert, die Daten einzugeben. Auf Computer 3 wird man hin und her geschickt, bis man wieder am Ausgangspunkt zurück ist. Eigentlich schon ein gewisser Unterhaltungswert.

Sicher ist jedem Leser, jeder Leserin hier, schon einmal ähnliches passiert. Wäre interesant zu erfahren, was andere unschuldige Opfer bei ihrer virtuellen Weltreise so erlebt haben.

Was mir derzeit passiert, ist ja eher lustig und vor allem sinnlos bis unsinnig. Denn was hat jemand davon, mich am Gestalten meiner Webseite zu hindern? Nichts. Im Grunde genommen ist es mir egal.

Aber es gibt auch Menschen, die durch solche Kriminelle sehr betroffen sind, psychisch leiden, oder finanziell sogar ruiniert wurden und werden.

Manche Menschen haben z. B. ein "smartes Home", auf das sie stolz sind - bis ein böswilliger Mensch ihnen im Winter die Heizung abdreht, oder im Sommer die Klimaanlage. Es kann ihnen auch passieren, dass sie nicht mehr ins Haus können. Oder aber es war schon jemand im Haus, bevor sie selbst zu Hause ankamen. Spitäler müssen Lösegeld zahlen, damit sie die Patienten vor dem sicheren Tod retten können, Kraftwerke, damit das AKW nicht in die Luft fliegt. Genau genommen braucht es heute gar keinen Krieg mit Waffen mehr, es genügen gute Hacker. Offenbar sind sie doch noch nicht gut genug, sonst wäre die Welt ein noch chaotischerer Ort, als sie es so schon ist. Glück gehabt: bisher.

Manche Menschen holen sich solche Kriminelle sogar ganz freiwillig ins Haus. Angreifen die technische Nackerpatzeln sind und die im Prinzip auf die alte Tour "arebeiten". Sie betrügen verbal, täuschen Liebe vor, oder machen Druck wegen irgendwelcher Nacktbilder. Wieso letzterer Schmäh in der heutigen Zeit noch funktioniert, ist mir allerdings rätselhaft. Man kann überall unzählige Nackte ansehen - in Zeitungen, auf Plakaten, im Internt sowieso, da fällt man mit dem eigenen Bild kaum noch auf. Außerdem weiß fast jeder Mensch, wie nackte Leute aussehen. Was ist da so Besonderes daran?

Alle diese Kriminellen haben eines gemeinsam. Sie werden in den seltensten Fällen erwischt und aus dem Verkehr gezogen. Verbrechen zahlt sich aus, lernen wir. Das Internet ist für manche ein rechtsfreier Raum. Die Täter sitzen in ihren Kämmerlein, kichern kindisch vor sich hin und/oder stopfen sich die Taschen mit fremdem Geld voll. Sofern die Polizei überhaupt aktiv wird - ich nehme an, nur wenn es um viel Geld, oder um schwerwiegende Verbrechen geht - passiert wenig. Das gestohlene Geld ist meistens für immer verschwunden. Die Täter austauschbar. Verbote gibt es genug, nur leider ist kaum jemand imstande, sie auch durchzusetzen.

Wahrscheinlich könnte man schon mehr tun, aber dazu braucht es Politiker, die den Willen dazu haben. Man hat nicht das Gefühl, dieser Wille sei vorhanden. Außer: Sie liebe Leserin, lieber Leser, fahren beispielsweise nach Paris und fotografieren dort den Eiffelturm. Dann kommen Sie nach Hause, bewundern das Foto und stellen es auf ihre Webseite. Theoretisch dürfen Sie das, sofern der Turm nicht beleuchtet ist. Aber sobald man ihn beleuchtet, ist es streng verboten, ein Foto davon zu veröffentlichen. Stellen Sie es in diesem Fall also besser nicht ins Internet. Falls Sie es dennoch tun, fahren Sie in der nächsten Zeit lieber nicht mehr nach Frankreich. Man würde Ihrer - ob dieses schrecklichen Verbrechens - sicher habhaft werden und Sie Ihrer gerechten Strafe zuführen. Zumindest wenn Sie zu den kleinen, unbedeutenden Menschen gehören, wie beispielsweise ich einer bin. Das sind die wichtigen Probleme. Nicht die heiß laufenden AKWs, der Dammbruch eines Staudamms, oder eine umgeleitete Drohne mit schweren Waffen.

Zum Glück passiert all das ja nur im Internet, da kann es nicht so schlimm sein.

P. S.: Schreiben Sie mir bitte keine Mails, ich weiß nicht, ob ich sie lesen kann. :)

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