Max Neumeyer

Von einem der die Schnauze voll hat

Teil 2

Arbeit macht frei. Dieser Spruch zählt zu den Blöd- und Grausamkeiten einer politischen Terrorbewegung auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte – sie hätte das auch gar nicht verdient. Diese Aussage ist nicht nur historisch äußerst negativ konnotiert, sondern schlichtweg falsch. Arbeit macht NICHT frei und das aus zwei Gründen: Wenn ich arbeite habe ich nicht frei und wenn ich frei habe arbeite ich nicht. Punkt.

Als Jugendlicher mit bunten Haaren, den selbst gefärbten Shirts und unzähliger Edding-Schriftzüge auf meiner Kult-Jeansjacke, von denen ich dachte sie könnten die Welt verändern, war ich der fixen Meinung: Arbeit schändet. Heute weiß ich: Es stimmt. Ich spreche dabei aber nur von jenen Erwerbstätigkeiten die Otto-Normalverbraucher - den sogenannten kleinen Mann/kleine Frau - Tag für Tag viel zu früh aus dem Bett zwingen, an einen Arbeitsplatz fahren lassen der ungemütlich ist und sich mit Menschen abgeben müssen, die einem außer egal nur eines sind: unsympathisch. Die wahren „Ungustln“ sitzen dabei meist in der Chefetage – man kennt ja die Studie über die Anzahl von Psychopathen in Führungsebenen.

Ich selbst gehöre, was die Arbeit betrifft, zur Gattung Homo ungeduldicus. Ich mag Herausforderungen. Ich langweile mich aber auch sehr schnell wieder. Ich werde also gern ins kalte Wasser gestoßen, tauche aber nicht bis zum Grund. Arbeit die keinerlei Freude macht ist reiner Selbstzweck. Ja ich weiß, Geld ist wichtig, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass mans hat wenn mans braucht-blabla. Aber wer schon mal an einem Geldschein gerochen hat weiß: Geld stinkt doch ein bissi! Ja tut es.

Bei unserem Ausstieg muss sich also in erster Hinsicht eines ändern: die Arbeit. Ziel soll es sein auch mit weniger auszukommen. Mit weniger Geld, mit weniger Arbeit (für andere), mit weniger unnötigem Luxus, mit weniger Stress, weniger Schadstoffen, weniger Werbung, weniger Medien und so weiter und so fort. Ich denke Sie verstehen mich. Weniger kann mehr sein, wenn man es richtig angeht.

Ich schlafe während der Arbeit zwar selten ein, finde aber das Schlafen und Arbeit einiges gemeinsam haben: beides ist wichtig. Beides nimmt im Schnitt etwas acht Stunden pro Tag in Anspruch und beides hat große Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Unser Arbeitsplatz ist deshalb vergleichbar mit unserem Bett. Haben wir eine unbequeme Schlafkoje „Marke Gulag-Holzbrett“, stehen wir verspannt und schlecht gelaunt auf. Der Tag ist gegessen. Haben wir einen üblen Arbeitsplatz – von denen es heutzutage sicher einige gibt – kommen wir verspannt und schlecht gelaunt nach Hause. Feierabend, vergiss es! Besonders bemitleidenswert sind all jene die nachtein nachtaus in einem furchtbaren „Kost fast nix“-Bett schlafen und am Tag einer „Krieg fast nix“-Arbeit nachgehen. Ich mag zwar verwöhnt klingen, aber DAS mag ich nicht. Der erste Teil unseres Plans vom „Ausstieg“ war also die Frage, wie es möglich ist möglichst wenig fixe Ausgaben zu haben, um möglichst wenig zu arbeiten müssen (für andere).

Bevor jetzt jemand in die ekelhafte Schimpfwortkiste greift möchte ich eines klarstellen: Ich bin wie Marty McFly. Ich habe zwar keinen DeLorean mit dem ich zurück in die Zukunft reisen muss und bin auch optisch kein junger Michael J. Fox, aber ich reagiere allergisch auf eine bestimmte Wortkombi. Bei McFly war es „feige Sau“, bei mir ist es „faule Sau“. Auch wenn es so klingt, faul bin ich nämlich nicht. Meine bisherigen LAJ (Lebensabschnittsjobs) finden sich inzwischen auf einer bemerkenswerten Liste wieder. Ich war (oder bin) Musiker, Kellner, Bühnenbauer und Stagehand, Student, Serverbetreuer und IT-Operator, (Web-)Journalist, Spendensammler, Redaktionsleiter, Hortbetreuer, Kabarettist, Buchautor, Ehemann und Vater, Skripten-Ersteller, Öffentlichkeitsarbeiter, Trainer in der Erwachsenenbildung und wandle seit ein paar Jahren auf dem schmalem Grat zwischen Überarbeitung und Burn Out. Was ich mache, möchte ich ordentlich machen, so auch den Ausstieg. Und nach einem Jahr weiß ich: So ein Ausstieg ist eine Heidenarbeit!

Es muss geplant werden und gerechnet. Aus unserer anfänglichen Skepsis á la „des geht si nie aus“ wurde bald „des moch ma scho“, et voilà, sieben Monate später, genauer gesagt am 18. März 2016, haben wir die Schlüssel unseres bisherigen Wohnsitzes in Niederösterreich den neuen Besitzern übergeben und sind mit Sack und Pack in unser neues Zuhause gedüst (obwohl „düsen“ mit vollgepacktem Auto und Anhänger, … naja). Von diesen letzten sieben Monaten möchte ich Euch mehr erzählen. Baba, wir lesen uns!

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stefan251

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