Der Tag, an dem mein Leben zerbrach.

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Kurz nach Weihnachten wurde Omi krank, ich wusste nicht, was sie hat, aber sie konnte nicht mehr aus dem Bett. Weil meine Mutter ja zur Arbeit musste, erledigten meine Tante und ich den Stall, meine kleine Schwester legten wir zu Omi ins Bett. Ihr ging es von Tag zu Tag schlechter und schließlich musste sie ins Krankenhaus! Ich weinte, als ich das Rettungsauto wegfahren sah.

Meine Tante packte für meine kleine Schwester und mich eine Tasche und wir wurden von meinem Onkel zu meinen richtigen Großeltern gebracht, ihre Freude hielt sich in Grenzen! Bei Fredi im Kabinett war eine Bank, da durfte ich schlafen, meine Schwester im Bett meiner Grosseltern. Es waren auch noch meine beiden Onkel im Haus, die in der Wohnküche schliefen, auf einer Bettbank, die abends ausgezogen wurde.

Opa arbeitete am Erzberg, er war den ganzen Tag nicht da, Oma war mit uns restlos überfordert und oft waren wir am Abend noch gleich bekleidet wie am Morgen! Die beiden Jungs gingen zur Schule, Fredi war wegen seiner Krankheit zuhause, meine Oma kochte aber das war auch so ziehmlich die einzige Aufgabe, die sie erledigte. Ich musste Teppiche klopfen, kehren und wischen! Waschen und bügeln musste am Wochenende mein Opa, er machte es, ohne Murren, meine Oma war nämlich eine sehr dominante Frau und Opa spurrte aufs Wort, ihr Blick alleine genügte oft, um uns alle einzuschüchtern!

Meine Schwester begann immer mehr zu weinen; ich begann sie mit mir mitzuschleppen so gut es ging, sie tat mir leid, ich konnte es nicht ertragen, sie weinen zu hören. Abends waren alle zuhause, aufgeteilt in 3 Räume, Chaos pur und ich vermisste mein ruhiges zuhause! Meine Schwester weinte die ganze Nacht, ich hörte sie durch die Wände, irgendwann verlor meine Oma die Nerven und schlug sie, vor lauter Schreien wurde ihr Stimmchen immer leiser, ihr Köpfchen war am Morgen hochrot und als sie gar nichts mehr von sich gegeben hat, wurde endlich ein Artzt gerufen, der eine schwere Mittelohrentzündung diagnostizierte! Es wurden Ohrentropfen dagelassen und eine fiebersenkende Medizin. Ich war ihm unendlich dankbar! Opa versorgte sie abends und ich sie am Tag, allmählich wurde es besser und ich dankte Gott. Ich bettete jeden Abend ganz heimlich, dass Omi bald wieder gesund wurde, um endlich wieder nach hause zu können!

Eines Nachts hörte ich, wie die Tür von unserem Zimmer geöffnet wurde, mein Opa schlich ins Zimmer ohne Licht zu machen. Er kniete sich vor mein Bett und seine Hand glitt unter meine Decke und er schob mir seine ekelhafte Zunge in den Mund! Ich versuchte mich mit all meinen Kräften zu wehren, er hielt mir den Mund zu und drückte mich so fest aufs Bett, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Kraftlos ergab ich mich und hoffte, dass Fredi endlich wach wurde! Kaum gab ich einen Laut von mir, lag seine riesengrosse Pranke auf meinem Gesicht! Endlich bewegte sich Fredi und Opa verließ das Zimmer, ich bekam einen Weinkramf, ich wünschte mir das erste Mal, tot zu sein! So ging es nun fast Nacht für Nacht und ich litt höllische Ängste, sobald es Zeit wurde ins Bett zu gehen. Er schaffte es wahrscheinlich deshalb unbemerkt von meiner Oma zu bleiben, da das Wc in einem anderen Hausabschnitt war und der Weg dorthin sehr lange, es war eine Art Baracke die Miete wurde von Opas Arbeitsstelle bezahlt! Also eine Art Dienstwohnung. Von nun an ging ich jeden Mann, den ich sah aus dem Weg so gut es möglich war! Ich konnte nicht mehr essen, mir war ständig übel und die Angst bestimmte meinen Tagesablauf! Sobald Opa von der Arbeit zur Tür hereinkam, verspürte ich Brechreiz, Bauchschmerzen, die fast unerträglich wurden und Panikattaken waren schon ganz normal!

Fredi bekam es zwar ab und zu mit aber durch seinen Mongolismus konnte er nicht sprechen. Fredi spürte zwar, dass es mir schlecht geht, wollte mich trösten, aber ich konnte keine Nähe zulassen! Ich war nur mehr Haut und Knochen, als meine Oma irgendwann bemerkte, dass von mir fast nichts mehr da war, zwang sie mich zu essen, ich musste alles aufessen, sonst durfte ich nicht vom Tisch weg! Ich versuchte, es ihr recht zu machen, bemühte mich alles eine Zeit lang bei mir zu behalten, aber es ging nicht, ich kotzte auf den Boden, sie rieb mich mit den Kopf ein und danach musste ich alles putzen! Eine Nachbarin brachte Lebertran, den ich jetzt immer schlucken musste!

Nach unendlich langer Zeit, kam uns mein Onkel und meine Tante abholen, ich brach in Tränen aus und klammerte mich an meine Tante, ich wollte sie nie wieder loslassen! Oma berichtete ihr wie ungezogen ich war und sie nur Probleme mit mir hatte! Wir fuhren nach hause,ENDLICH!!!

Omi war viel dünner geworden und sichtlich älter,ich schuftete wie ein Tier um sie so gut wie möglich zu entlasten. Meine Tante und ihr Mann haben mit dem Hausbau begonnen, vieles hatte sich verändert in den paar Monaten. Das Zimmer meiner Mutter war leergeräumt, ich jubelte innerlich! Omi,meine kleine Schwester und ich, alleine! Nur ein ganz kurzer Wunschgedanke. Meine Mutter kam am nächsten Tag, packte unsere Sachen (sie hat in der Zeit,wo wir weg waren, den Führerschein gemacht) und verfrachtete uns ins Auto. Wir fuhren in unser neues Zuhause..

Counselling / Pixabay

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