Friedrich Merz wirkt inzwischen, als hätte er sich im politischen Rhetorik‑Escape‑Room eingeschlossen und würde verzweifelt versuchen, mit derselben Art sprachlicher Verrenkungen herauszukommen, die man sonst aus der AfD‑Ecke kennt. Dieses typische „Es ist nicht das, wonach es aussieht“, obwohl es exakt so aussieht. Und genau hier passt die berühmte Weidel‑Volte hinein: öffentlich betonen, man sei „nicht queer“, während man gleichzeitig in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt. Ein Widerspruch, der so laut knirscht, dass man ihn noch in Kirchgellersen hört.
Merz kopiert diese Kommunikationsakrobatik inzwischen fast schon schulbuchartig. Der jüngste Fall: der „Nicht‑Urlaub“ des Kanzlers. Der Regierungssprecher erklärt ernsthaft, der Kanzler sei nicht im Urlaub, obwohl er keine öffentlichen Termine wahrnimmt. Der Spiegel zitiert: „Ein Bundeskanzler ist nie im Urlaub.“ Und weiter: „Aus der Tatsache, dass der Bundeskanzler keine öffentlichen Termine wahrnimmt, zu schließen, der Bundeskanzler sei im Urlaub, ist nicht zutreffend.“
Das ist die gleiche rhetorische Logik wie bei Weidels „Ich bin nicht queer“, und der AfD-Langspielplatte: "Wir sind keine Faschisten" Die Realität steht im Raum, winkt freundlich – und die Kommunikation tut so, als sei sie unsichtbar. Es ist die Trump‑Schule des politischen Houdini‑Tricks: Wenn etwas offensichtlich ist, bestreite es einfach so lange, bis die Leute nicht mehr wissen, ob sie ihren eigenen Augen trauen dürfen.
Glauben die wirklich, mit solchen Sprüchen lässt sich die Stimmung heben?
Menschen fühlen sich verarscht, weil ihnen ein klar sichtbarer Sachverhalt als optische Täuschung verkauft wird. Nicht, weil Politik kompliziert wäre, sondern weil man ihnen ein „Das ist nicht das, was es ist“ vorsetzt – obwohl jeder erkennt, dass es genau das ist.
Diese Strategie zerstört Vertrauen. Sie vermittelt: „Wir glauben, ihr merkt das nicht.“ Doch die Öffentlichkeit merkt es sehr wohl. Und wenn Merz diesen Kurs weiterfährt, wirkt es, als wolle er die Weidel‑Schule der politischen Selbstvernebelung perfektionieren.