Dankbarkeit statt Diät! Wie du isst, ist wichtiger als was

Stell dir folgendes vor:

Um 4:00 am Morgen weckt dich ein Gong. Ab 4:30 sitzt du in der Meditationshalle. Um 6:30 ruft dich erneut ein Gong zum Frühstück. Nach dem Frühstück ab 8:00 Meditation bis zum Mittagessen um 11:00. Einfache vegetarische Kost. Den Magen nicht ganz füllen. Ein Viertel soll frei bleiben. Du weißt: Das nächste Essen dann erst am nächsten Morgen um 6:30. Mittagsruhe bis 13 Uhr danach wieder Meditation. Teepause zwischen 17 und 18 Uhr. Danach noch ein Stunde Meditation, ein gut einstündiger Vortrag und zum Tagesabschluss: Meditation. Bis 21 Uhr. Schlafen bis ca 4:15. Meditation bis 6:30 dann Frühstück usw., usw. Das Ganze die ganze Zeit über schweigend. In „edler Stille“. 10 Tage lang. Vipassana nennt sich das. Ich hab es gemacht über den Jahreswechsel.

Iss bewusst, iss mit Lust!

Na, Lust bekommen? Nein, das ist keine Hardcore-Diät. Gewichtsverlust ist gar nicht intendiert, überhaupt nicht Thema. Zumindest keiner, den eine Waage anzeigen könnte. Ich will mich hier nicht darüber auslassen, was sich (mir) während diesen 10 Stunden täglicher Meditation so alles zugetragen hat, oder besser: was sich alles so abgetragen hat an angesammeltem Lebensballast. Vielleicht demnächst in einem eigenen Blog. Ich will nur ein bisschen davon erzählen, wie sich die Erfahrung rund ums Essen schlagartig verändert in dieser meditativen Einrahmung. Wo ihm endlich wieder die fundamentale Bedeutung zukommt, die es in unser aller Leben doch zumeist verloren hat. Wo es mit dieser schönen Dankbarkeit „angereichert“ ist, die unendlich weit über seinen „Nährwert“ und die Frage nach seinen gesundheitlichen Aspekten hinaus reicht. Wo es mit einer stillen, tiefen Lust genossen wird, die nichts mit kulinarischen Kunstgriffen zu tun hat und auch nichts mit der Lust am Überfluss, der Völlerei, die unweigerlich den Nach-Tisch-Ekel zur Folge hat. Wo es nicht hastig oder gierig oder beides zugleich hinunter geschlungen wird, weil man keine Zeit dafür hat. Wie so anders hier!

Am 24. die Weihnachtsgans, ab dem 26. „nur noch Gemüse“

Ich will die Weihnachtsgans, die ich mir heuer erstmals zugetraut habe und die mir zur vollen und allgemeinen Zufriedenheit geraten ist, nicht schlecht reden. Ein Genuss gewiss, dieses Festessen im kleinen Familienkreis. Die Tiroler Bio-Weidegans war ein voller kulinarischer Erfolg und ich als Gastgeber und Koch natürlich entsprechend erleichtert und froh darüber und dankbar dafür. Aber tiefer und reiner und weitreichender und anhaltender war die Dankbarkeit in diesen 10 Tagen bei jeder Mahlzeit. Es geht mir gar nicht darum hier vegetarischer Kost das Wort zu reden. Ich bin in diesen 10 Tagen nicht von meiner Fleischeslust „bekehrt“ worden oder so. Nein, was mir gezeigt wurde, was ich erfahren habe, ist, dass der wesentliche Unterschied im „wie“ liegt. Wie gehe ich zum Essen und generell: stehe ich dazu? Wie setze ich mich hin zum Essen und generell: in Bezug dazu? Wie beginne ich es: schling ich’s rein oder beherrsch ich mich und verweile kurz in Dankbarkeit, bevor ich den ersten Bissen mir einverleibe?

Wer seit über 18 Stunde nichts gegessen und in diesen Stunden „hart gearbeitet“ hat, denn Meditation ist harte Arbeit, der hat dann schon einmal Appetit. Und wenn der Gong zum Frühstück schlägt und man sich in der langen Schlange der Meditierenden endlich zum Selbstbedienungstisch vorgearbeitet, den herrlichen Porridge, die wohlriechenden eingeweichten Trockenfrüchte, das köstliche Joghurt und die wundervollen frischen Apfelstücke oben drauf in die Schale gegeben und sich zu Tisch gesetzt hat, dann ist die Gefahr nicht gerade klein, sich für die harte Arbeit und die Stunden der Entbehrung damit zu belohnen, das Zeug in gewohnter Manier hinunter zu stürzen. Zumal genügend da ist. Man kann sich Nachschlag holen so viel man will. Und vor allem unerfahrene Meditierende tun das auch. Um wie viel besser aber schmeckt alles, wenn man jetzt kurz vor dem Genuss noch innehält, noch einen Moment der Meditation, der stillen Dankbarkeit „investiert“, und dann erst den ersten Bissen langsam in den Mund schiebt. Es ist geradezu unglaublich, wie köstlich dieser Moment ist. Ganz abgesehen davon, dass man danach wieder ordentlich meditieren kann, was bei vollem Bauch unmöglich ist.

Sag zum Essen leise "Danke"!

Das was (du isst) kommt von der Bedeutungsebene her gedacht danach. Das wie wird sich über kurz oder lang auch auf das was auswirken. Das was wird dich ganz von alleine mehr zu interessieren beginnen. Du wirst dich langfristig für das bessere Grundprodukt entscheiden, ein Wissen und ein Gespür für das Bessere entwickeln. Ganz ohne den x-ten und einmal mehr langfristig enttäuschenden Vorsatz, deine Ernährungsgewohnheiten angestrengt zu hinterfragen; Ungesundes, Dickmachendes vom Speisezettel zu streichen; ohne zermürbende Versuche in stets neuen Diäten das Heil zu suchen; ohne kostspielige Ernährungsberatung; ohne das neueste vegane Kochbuch; ohne den hippen Kochkurs, wird sich dein Essen, wird sich was und wie du isst von alleine zum Besseren verändern, wenn du ganz einfach beginnst, dich dafür zu bedanken.

Wie du dich bedankst und bei wem ist nicht entscheidend. Du kannst Gott danken, wenn du ein religiöser Mensch bist. Du kannst dein Danke ans Universum richten, du kannst dem Bauern danken, ich fände es gerade bei Fleisch sehr schön, dem Tier kurz zu danken, das für dich sein Leben ließ, von mir aus bedanke dich bei der Lebensmittelindustrie, dem Handel – bei wem oder was auch immer. Schon ein Innehalten für eine halbe Minute ohne jeden ausdrücklichen Dank mit einem Gefühl der Dankbarkeit, das sich von selbst und mit der Zeit unweigerlich einstellen wird, ist vollkommen ausreichend. Probier es einfach mal!

Dieser Blog erschien zuerst auf der Webseite von Landschafftleben. Wir freuen uns über jeden Besuch und über ein Like auf Facebook!

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