Außenansichten eines Piefke - der Wiener Opernball 2026

71 Jahre wird er heuer und zum 68sten Mal wurde er gestern gefeiert oder begangen, man weiß es nicht so genau. Die Rede ist vom Wiener Opernball in der Neugründungsversion von 1956 nach dem Wiederaufbau der Oper.

Sinnbild österreichischen Selbstverständnisses als Hort sog. Hochkultur oder Zeichen des langsamen Niedergangs des alten Europa? Auch das weiß man nicht so genau.

Tagelang wurde in österreichischen Medien darüber berichtet. Wer kommt, was hat sie an, was kostet das, wer wird eingeladen, gibt es Demonstrationen, gar einen Sturm des Opernhauses?

Ich war ob dieser Aufgeregtheit doch etwas neugierig geworden und habe mir dann das ein oder andere anschauen mögen.

Ich gehöre einer deutschen Alterskohorte an, denen die sog. 68er jegliche anlassbezogene Festivität vorenthalten bzw. madig gemacht haben. Tanzen - und schon gerade Standardtänze wie Walzer - galt als spießig, als Beschäftigung sog. "höherer Töchter", deren Ehetauglichkeit sicher zu stellen ist.

Konsequenterweise wußte ich als Schüler z.B. nicht, was das kleine Sträußchen zu bedeuten hatte, das mir beim Einlass zu einem Sommergartenfest in doch großbürgerlichen Kreisen überreicht wurde. Mein Klassenkamerad, dem ich die Einladung zu verdanken hatte, klärte mich auf, ich hätte nun das junge Fräulein mit gleichem Sträußchen aufzusuchen und zum Eröffnungstanz zu führen. Gut, ich habe das Mädchen gefunden und es mit dem Ausdruck meines Bedauerns über meine nicht vorhandenen Tanzkenntnisse sitzen lassen.

Das war und ist bei solchen Großereignissen wie dem Opernball natürlich völlig ausgeschlossen, dass eine Debütantin ohne Partner dasteht. Das wurde monatelang vielleicht sogar Jahre im Voraus geplant, dass es passende Paare hat, die auch entsprechend geübt haben, um bella figura zu machen. Selbst die Generalprobe am Mittwoch wurde in oe24 gezeigt. Und es gab wohl auch genug Leute, die dafür gezahlt haben, die Generalprobe zu besuchen.

Der Witz ist, dass es um diese jungen Leute nur am Rand gegangen ist. Soweit erkennbar, hatten die ihren Moment beim fein choreographierten Einzug. Dann standen sie erstmal ungefähr eine Stunde am Rand der Tanzfläche rum, bis die Broadway-Show vorbei war und hatten dann ihre Donauwellen (komischerweise denke ich da immer an Kubricks 2001). Der Schmäh geht wohl: Schee is schoo! Aber sicher: Das war schön anzusehen. Ich wünsche mir, dass die Teilnehmer - und Innen natürlich - einen unvergeßlichen, schönen Abend hatten. Das kommt nicht mehr. Verpasst ist verpasst.

Allerdings scheint mir, wie schon angedeutet, dass die Einführung der nächsten Generation in die "Erwachsenenwelt", denn recht eigentlich ist das ein Initiationsritus, noch nicht einmal mehr Nebenzweck der Veranstaltung ist.

Auch, dass Menschen sehr viel Geld ausgeben, um sich teilweise einen Lebenstraum zu erfüllen, geht unter. Die Selbstdarsteller dominieren. Solche, für die das Dabeisein Nebenzweck, das Man-spricht-über-mich Hauptzweck ist. Die Adabeis werden zu den Dabeis.

Über 5.000 Leute haben den Ball besucht. Man (d.h. die mediale Öffentlichkeit) spricht über kaum 50. Nicht einmal die Aufmachung der Debütantinnen war der Rede gesondert wert. Swarovskys Krönchen im Haar allenfalls. Am Rand: Im Piefkeland hat nur der dümmliche Auftritt einer grünen Frau Schilling Erwähnung in der Presse gefunden (auf WeLT). Die Dame ist als EU-Parlamentarierin mit 25 Versorgungsmillionärin und ansonsten eher von geringem Verstand.

Das zum "Eklat". Das Ballpublikum als solches wird sich eher darüber aufregen, dass Frau Schilling den Fehltritt beging, weiße Anziehsachen zu tragen (als Kleidung oder gar Robe sollte man ihre textile Körperbedeckung eher nicht bezeichnen).

Ein oder mehrere "echte/r Eklat/s" soll/en sich gemäß Wolfgang Fellner von oe24 im Hinblick auf Sharon Stone zugetragen haben. Nun hält sich Fellner offenbar für so etwas wie das Zentrum des Universums jedenfalls aber Österreichs, wenn er darstellt, seine Berichterstattung sei exklusiv, viral aber jedenfalls die erste, die die Welt mit der völlig überflüssigen Meldung behelligt, Frau Stone habe den Opernball nach einer Panikattacke gleich wieder verlassen, um wenig später, auch wieder exklusiv mitzuteilen, die Dame habe den Ball nach Champagner-Kräftigung im Sacher wieder betreten. Na ja, was soll man dazu sagen? Eine frühere Hollywood-Größe besucht um angeblich 60 K€ den Opernball auf Einladung eines Süßigkeitenproduzenten (kann mich wer aufklären, ob es lohnt, die Produkte zu essen?). Ich gehe mal davon aus, dass sowohl der Flug der Frau Stone samt Entourage von LAX nach VIE und zurück, als auch das Logis bei Sacher eher mit harten Dollar, denn mit weichem Schaumgebäck entgolten wurden. Und vor die Wahl gestellt, die Konventionalstrafe zu zahlen oder "Zähne zsmmbeissn", wird die Dame, die ich als eher mittelmäßige Actrice bezeichnen mag, sich innerlich champagnergebadet für eine Stunde Fegefeuer am Ball entschieden haben, was einem erklecklichen Stundenlohn gleichkommt. Dass sie am Abend vorher die versammelte Dinnergesellschaft samt Johann Lafer, der eigens ein glutenfreies Wiener Schnitzel mit Sauerkraut (statt Kartoffelsalat) kreiert hat, mit Absage düpiert hat, kann man unter Rubrik "Selbst schuld" abbuchen.

Dann war da noch eine Hollywood-Celebrity - wie man das wohl nennt - namens Fran Drescher, die von Familie Lugner bezahlt wurde. Die ist - oder jetzt: war - mir völlig unbekannt. Frau Stone kenne ich ja - wenn schon nicht aus Basic Instinct (nie gesehen) - dann wenigstens aus Total Recall mit Arny Schworzneggr.

Damit wären die zwei abgehalfterten Celebs, die übrigens unmöglich angezogen waren, abgehakt.

Apropos Körperbedeckung/Kleidung/Robe: Man muss Herrn Fellner und auch dem ORF bescheinigen, dass deren berichterstattende Damen durchaus sehr ansehnlich und teilweise anmutig in Szene gesetzt wurden. Hinsichtlich der Männer gilt: Wenn jeder Frack tragen musss, sehen alle irgendwie auch gleich aus. So in der Art von Kaiserpinguinen.

Damit mache ich den Schwenk zum Sinn der Veranstaltung: Schau laufen für's Modelabel oder für eigene Ego. Fangen wir mit den Männern an. Da sind wir schnell fertig. Wie gesagt: Alle irgendwie gleich. Unterschiede in Körpergröße, Leibesumfang und Alter. Das war's.

Es gab da wohl hinsichtlich der Damen ein Voting. Hat mich nicht so interessiert. Ich muss aber festhalten, dass sogar mir manche - man will sie nicht wirklich so nennen - Damen oder gnädige Frauen aufgefallen sind, bei denen einerseits die am Ball reichlich vertretene Zunft der Schönheitschirurgen Skapell bzw. Spritze angelegt hat. Bei einigen Damen werden andererseits dereinst die Bestatter Mühe haben, die Körper ohne Verstoß gegen Umweltauflagen bestatten zu können. Immerhin kann man bei einigen schon jetzt sagen, dass durchaus Teile der Dame noch natürlich sind. Und das beruhigt doch.

Ich halte es ja mit dem Freiherr Carl Friedrich von Rumohr. In seinem Buch "Geist der Kochkunst" führte er aus: Überall, wo man der Schminke bedarf, mangelt es an Wesenheit. Der Mann meinte damit die in der französischen Küche damals überwiegende Ansicht, Speisen bis zur Unkenntlichkeit zu zerkochen und zu überwürzen. Auf den Opernball und die anwesenden Damen bezogen, kann man schon feststellen, dass manches Stukkateurgeschäft ob der Fassadenarbeiten, die an den Gesichtern durchgeführt wurden, ein sicheres Einkommen haben mag, allein die wenigen, sehr dezent - wenn überhaupt - betonten Gesichter zeigten, dass es dessen nicht bedarf, um zu zeigen, dass Frauen - Männer übrigens auch, aber die schminken sich meist noch nicht - ansehnlich sein können.

Einfall der Nordgermanen

Ich frage mich kurz, was die Österreicher, speziell die Wiener verbrochen haben müssen, dass sie derart mit nordgermanischem Müll eingedeckt werden. Als Deutscher könnte ich mich schämen, wenn ich dafür was könnte.

Die Rede ist vom Einfall der sog. Reality-Stars, der D-,E,-F- und XYZ-Promis, der sog. Influencer, des Dschungel-Camps, der enthemmten Selbstdarsteller, des TV-Mülls, der Narzissten - kurz, der Schmeißfliegen vom Müllhaufen des Privat-TVs beim Opernball.

Da traben sie auf und fühlen sich als Nabel der Welt und des "guten Geschmacks". RTL - Rubbish, Trash, Litter. Oder auch RTL - Rammeln, Töten, Lallen. Mittlerweile auch in Österreich erfolgreich. Die Jauchegrube des Privat-TV. Aus deren tiefsten Tiefen an die Oberfläche gepumpt, vergießt sich das auf den "red carpet". Am Rand: Die Österreicher sind was denglisch betrifft, deutlich bekloppter als die Piefkes, selbst bei der Berlinale heißt das Ding noch roter Teppich.

Da schlägt ein sog. Modedesigner auf, der aussieht, als hätte er gerade seine tägliche Kneipenschlägerei hinter sich, so rot und geschwollen sind die Lippen.

Eine Person (Dame mag man das nicht nennen angesichts der Silikonausstattung), die meint, uns wissen lassen zu müssen, sie trüge am liebsten keine Kleidung (o.k.?) und am Ball nur drei Stücke: nämlich ein Kleid und zwei Schuhe. Es dreht sich der Magen um!

Ein manierierter Schwuler, der den Moderator anbaggert und damit die idealtypische Antwort auf die Frage liefert, warum es in der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft noch Vorbehalte gegen Schwule gibt.

Ein Geschwisterpaar, das als Teil einer sog. Privat-TV-Reality-Familie eingeladen ist. Durchaus dezent geschminkt und gekleidet. Hübsch anzuschauen. Das Interview wäre überflüssig gewesen, man sollte einfach gestrickte Menschen nicht bloß stellen.

Die Dschungel-Queen, die zum Ball mit einem Schleppenkleid auftaucht, über das sie auch noch stolpert, und die auch sonst von eher mässigem Intellekt ist.

Da ist der passiv-aggressive Hannoveraner Rabauke und beziehungsunfähige Fremdgänger, der die Geschäftsführung des Opernballs erst mal wissen lässt, dass er den red carpet unmöglich findet und er besser Organisiertes sogar aus Deutschland, wo nix mehr organisiert ist, außer dem Chaos, kenne. Es ist dies der Mensch, Mann möchte man das nicht nennen, der gerne Zuschauer aggressiv und beleidigend angeht. Und leider hat ihm noch niemand eins frontal in die Fresse gesemmelt. Einer, der es wirklich verdient hätte.

Und das soll die Creme de la creme der Gesellschaft sein? Elite? Leute, an denen man sich orientieren soll und kann? Lachhaft das.

DER Staatsball

Noch ein paar Worte zum "Staatsball". Ich habe gelernt, dass der Opernball erstens der größte Ball weltweit sein soll und weiters DER österreichische Staatsball. Nun habt ihr in Österreich damit ja einschlägige Erfahrungen "Tu Austria felix, nube!" und dynastische Heiraten waren ja traditionell mit Bällen und weniger traditionell mit Guillotinen verbunden. Insofern mag es sich mit der Distanz von über 100 Jahren erweisen, dass die Abschaffung der Adelstitel und -prädikate kontraproduktiv war und die folgende Fixierung auf akademische Titel kein adäquater Ersatz: Ich mein - so als deutscher Magister und Doktor: Was ist das gegen eine kaiserliche Hoheit?

Also nachdem Habsburg und andere Degenierte ausgeschieden sind, bleiben zum Repräsentieren noch billige Bürgerliche, die nicht wirklich Ersatz bieten. Alexander Van der Bellen (Von den Glocken, niederländischen Ursprungs) ist dann doch eher ein Ritter von der traurigen Gestalt. Da hatte der Mann die kostenfreie Präsidentenloge und keinen Staatsgast. Ich meine, wenn keiner nach Berlin käme, das verstünde ich. Dahin kommt ja nur, wer auch paar Milliarden abschleppt. Fritz hat ja auch immer das Steuer-Schnitzel um den Hals: Da spielt jeder Hund mit ihm.

Aber bei den neutralen Österreichern? Da hätte ich schon gedacht, dass wenigstens einer der vielen unmittelbaren Nachbarn reinschaut. Na gut: Ungarn hat Nato-Beate verprellt, aber da sind doch noch mehr. Wenigstens Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marco d’Aviano Pius Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein hätte es doch nicht weit gehabt oder wenigstens sein Sohn Erbprinz Alois Philipp Maria von und zu Liechtenstein, Graf zu Rietberg. Ich meine, Liechtenstein hat schon einen Namen in der Finanzwelt und auch Hilti oder Kaiser sind in ihren Segmenten Weltmarktführer. Viele Vorarlberger arbeiten in LI.

Auch Nato-Beate hatte in ihrer Loge mit der philippinischen Außenministerin eine körperlich schwer- aber sonst eher leichtgewichtige Person und mit der albanischen Amtskollegin eine nette Person an ihrer Seite, die beide aber nicht dafür bekannt sind, international besonderes Aufsehen zu erregen.

"Unsere" Dorothee Gisela Renate Maria „Doro“ Bär war Gast des Staatssekretärs Pröll und hat natürlich prompt den Uhren-Fettnapf erwischt. Deutsche besonders aus Bavaria sind halt schon etwas trampelig. Aber vielleicht ist es ja nötig, dass die Dame via Smart-watch ihre Lebensfunktionen überwachen läßt. Undenkbar, wenn sie schon tot wäre und keiner und sie selbst schon gar nicht hätte es gemerkt.

Insofern von Staatsball keine Spur. Es muss die Organisatoren schon enttäuschen, dass kaum Regierungsmitglieder da sind. Wenige Wirtschaftsbeteiligte. Und wenn, dann solche, die wegen aktueller Entlassungen in der Kritik stehen. Ein österreichischer Bundespräsident, der auf den Wiener Opernball angesprochen darüber bramabarsiert, dass in der EU 450 Mio. Menschen leben und es mit GB 500 Mio sind. Und was hat das mit einer 5.000 Leute Veranstaltung in der Hauptstadt eines kleineren EU-Landes zu tun, das mal für seine hervorragende Diplomatie unter Persönlichkeiten wie einem Bruno Kreisky bekannt war? Zeiten, in denen Wien nicht nur für Prater, Sacher-Torte und Stefansdom geschätzt wurde.

Ist der Opernball am Ende? Das weiß ich nicht. Ich werde sein Ende wohl nicht erleben. Ob ich mal hinkomme, weiß ich nicht. Vielleicht, wenn's eine FuF-Doppel -oder Dreifachloge gäbe.

2CT und zum Schluß

Aus Diversity-Sicht wäre noch anzumerken, dass die Besucherschaft keineswegs auch nur näherungsweise repräsentativ für die Neu-Wiener-Bevölkerungszusammensetzung gewesen ist.

Auf der Tanzfläche habe ich ein einsames Männerpaar gesehen. Schaun wir mal, was draus wird.

Gegen den Ball zu demonstrieren wurde wohl auch unter Linken als nicht mehr lohnenswert erachtet, blickt man auf das Häufchen "Aufrechte". Vielleicht war es auch nur zu nass, zu kalt und zu windig. Ist halt Winter und irgendwer muss den Kids mal beigebracht haben, dass es durchaus Winter gibt, in denen es kalt ist und sogar schneit. Und der Schnee kann auch liegen bleiben.

Nobel geht die Welt zugrunde, teilte Frau Schilling mit.

"Lena, hoffentlich hast du recht." sag ich.

Der Kongreß tanzt! Und nach mir die Sintflut.

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