US-OPEN - Ein Dinosaurier überlebte siegreich das TENNIS-FESTIVAL!

Es ist wahrscheinlich eher gewöhnungsbedürftig, auf dieser Plattform einen Beitrag in der Kategorie SPORT zu veröffentlichen, doch hin und wieder und, weil ich momentan im Dauerreisezustand bin, ist es vielleicht auch mal auflockernd, zumal es sich doch um die Weltsportart TENNIS handelt, von der sicherlich einige User schon mal was gehört haben.

Das Eigentümliche am Welttennis der vergangenen Jahre ist wohl, dass ein außergewöhnliches Triumvirat im Herrentennis die Macht vor vielen Jahren übernommen hat und es offenbar keine ganz jungen Athleten mehr schaffen, den Herren DJOKOVIC, NADAL und FEDERER die Vorherrschaft wirklich streitig zu machen.

Diese drei Ausnahmekönner liefern sich einen Wettlauf, um sämtliche Rekorde in der Tennishistorie zu pulverisieren. Obwohl auch sehr gute junge Spieler, wie DOMINIC THIEM oder ALEXANDER ZWEREV sich auf den Weg gemacht haben, die Spitze der Weltrangliste zu erklimmen, bleiben die ganz großen Turniere, die sogenannten GRAND SLAMS, weiterhin fest in der Hand der über 30jährigen wie eben Djokovic (32), Nadal (33) und dem Methusalem Federer, der bereits vollendete 38 Jahre alt ist und nichtsdestotrotz wunderbar konkurrenzfähiges Tennis zu spielen imstande ist. Nach wie vor liegt er an Position 3 der Weltrangliste hinter seinen beiden Dauerrivalen Djokovic und Nadal und nach wie vor hält er mit 20 GrandSlam-Titeln die Spitze bei den grössten Turnieren.

Übrigens - auch im Damentennis gibt es eine, im September 38 Jahre alt werdende Allzeitgröße, die bereits 23 Grand Slam-Titel gewonnen hat, es ist die Jüngere der beiden WILLIAMS - Schwestern, SERENA WILLIAMS.

Die vier SLAMS in diesem Jahr teilten sich DJOKOVIC (Sieger in Australien und Wimbledon) und NADAL (Sieger in Paris und gerade eben bei den US-Open). NADAL war zudem 3x im Finale und einmal im Halbfinale.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären, nämlich dem, warum gestern Nacht nur ein Tennis-Dinosaurier ganz, ganz hauchdünn noch einmal siegreich blieb bei diesem fantastischen Turnier in NEW YORK, welches laut, schrill und auf amerikanische Art "entertainy" ist. Nicht unbedingt das Lieblingsturnier traditioneller Tennispuristen, auf jeden Fall der absolute Gegensatz zu Wimbledon.

In NEW YORK meldete sich die U30 Generation an, bei den Herren waren im Viertelfinale vier Jungs, die jeweils einem Ü30er gegenüberstanden, drei davon blieben siegreich, DIMITROV(28) schlug FEDERER in fünf Sätzen, MATTEO BERRETTINI(23) schlug GAEL MONFILS(33) ebenfalls in fünf und DANIIL MEDVEDEV(23) schnippelte trotz angeschlagener Fitness den STAN WAWRINKA(34) in drei Sätzen raus. Nur der unermüdlichste aller Kämpfer, der Mallorquiner RAFAEL NADAL(33) konnte mit Mühe dem Argentinier DIEGO SCHWARTZMAN(26) standhalten, der wohl mit 168 cm Körpergröße der allerkleinste im Tenniszirkus unter all den riesigen Typen ist, doch der ein Kämpferherz hat wie kaum ein anderer.

Somit ergaben sich 2 Halbfinalpaarungen, in denen jeweils ein 23Jähriger einem Älteren gegenüberstand und man durfte sich fast berechtigte Hoffnungen machen, dass die beiden Jungen durchkommen könnten ins Finale.

Mittlerweile war das Feld der Damen schon so von den älteren Favoritinnen befreit, alleine SERENA WILLIAMS zeigte eine beharrliche Konstanz und auch Brillanz und man konnte annehmen, dass die Jungmama diesmal im dritten Anlauf den 24. SLAM wohl holen würde, der Rekord wäre, und den ihr noch im Vorjahr die junge Japanerin NAOMI OSAKA verwehrt hatte mit leichtfüßigem Tennis und am Ende einer SERENA, die vollkommen ihre Beherrschung gegenüber dem Schiedsrichter CARLOS RAMOS verlor. Damit zeigte sie auch, dass sie oftmals eine sehr respektlose, unfaire Sportlerin ist, die das Verlieren nicht erträgt, auch wenn sie schlechter als die Gegnerin ist.

Am Samstag traf sie auf eine 19jährige Kanadierin im Finale und sie ahnte wohl auch schon von Beginn an, was ihr da drohen könnte, als sie gleich ihr erstes Aufschlagspiel mit 2 Doppelfehlern an ihre Gegnerin BIANCA ANDREESCU abgab. Diese spielte so angstlos, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, in einem der grössten Turniere im Finale zu stehen, gegen eine der erfolgreichsten Spielerinnen aller Zeiten vor Heimpublikum kämpfen zu müssen und sie raste mit Weltklassetennis in 6:3 zum Gewinn des ersten Satzes. Im zweiten Satz ging es nahtlos so weiter bis zum 5:1, ehe Serena Williams all ihre Entschlossenheit zusammennahm, um noch auf 5:5 zu stellen, alleine, es half nichts, total cool gewann die Kanadierin die nächsten beiden Games und damit das Match.

Ihr gelang das Kunststück, bei ihrer ersten Teilnahme im Hauptfeld der US-Open sofort auf Anhieb den Titel zu holen! Welch ein Husarenritt war das denn!? Es war jedenfalls toll anzusehen, wie man spielen kann, wenn der Geist frei und die Gedanken klar und ohne jede Angst sind.

Zurück zu den Herren:

Hier begann eine große Sensation langsam Gestalt anzunehmen, denn der inzwischen wieder fitte und auch ausgeruhte DANIIL MEDVEDEV, der sich in den Runden zuvor auch kräftig mit dem frechen New Yorker Publikum verbal und provokant angelegt hatte, siegt in seinem Halbfinale klar in 3 Sätzen gegen den favorisierten Federer-Bezwinger GRIGOR DIMITROV, der Ältere der beiden hatte letztlich keine Chance, der 23jährige aus MOSKAU stand in seinem vierten (!!!) Finale in 6 Wochen, der schlaksige 1,95m große Weltranglistenfünfte war in der Lage, all seine Schmerzen in seinem überspielten Körper zu besiegen und er befand sich in einem von ihm selbst nicht zu begreifenden Siegesrausch, der ihn von Runde zu Runde weitertrug, bis er sich schlussendlich im Finale der US-Open wiederfand.

MATTEO BERRETTINI, der 23jährige Italiener aus Rom, gesegnet mit einer mächtigen Vorhand aus allen Lagen, war jedoch noch nicht in der Lage, das große Versprechen seiner Jugend einzulösen, RAFAEL NADAL erwies sich in 3 Sätzen als zu stark und konstant für ihn.

Gestern Nacht kam es dann zum Generationenduell, es sollte mit beinahe 5 Stunden eines der längsten Finalspiele der US-Open werden und glücklicherweise blieb ich bis zum Schluß weit nach 3 Uhr dran, obwohl NADAL schon mit 2 Sätzen in Führung lag und auch im dritten Satz alle Chancen hatte, es in drei zu schaffen. Doch mit MEDVEDEV war ein Typ im Tennis aufgetaucht, der es absolut wissen wollte und dieses Endspiel war von einer unendlichen Dramatik und grösstenteils absolutem Weltklassetennis geprägt und das war vor allem ein Verdienst des jungen Russen.

Er spielte mit stoischer Ruhe, mit Witz, Kreativität, technischer Brillanz und unermüdlicher Kampfkraft, bog den dritten Satz um, spielte den vierten mit einem einzigen genialen Breakball zu seinen Gunsten heim und scheiterte schlussendlich an einer kaum vorstellbaren Müdigkeit und Erschöpfung in seinem ganzen Körper, die Strapazen der letzten 6 Wochen waren einfach zu groß!

Am Ende hiess es 7:5, 6:3, 5:7, 4:6, 6:4 für RAFAEL NADAL und der Spanier wusste sehr wohl, was in diesem Augenblick seines Sieges zur Gewissheit wurde:

Ein weiterer GrandSlamSieg wird in Zukunft sehr, sehr schwer zu erringen sein, der Abstand der jungen, respektlosen Wilden im Tennis ist beinahe aufgeholt und seine jetzt 19 Titel in dieser Kategorie würden ihn für die Ewigkeit einen Titel hinter seinem großen Rivalen ROGER FEDERER bleiben lassen.

Der Mann der Stunde und der Mann der Zukunft für die Nr. 1 im Tennis ist mit Sicherheit dieser sympathische junge Russe, der alles hat, um ein charismatischer Weltstar im Tennis zu werden und sein cooles Spiel mit den New Yorker Zuschauern, die er provozierte und auf die Palme trieb, die aber im Verlauf des Finales von seiner Faszination angesteckt, ganz und gar auf seine Seite wechselten, weil sie einfach honorierten, welch unglaubliche Vorstellung er im Verlaufe dieser zwei Wochen geboten hatte, dieses coole Spiel war das Sahnehäubchen auf allem. Ein New Yorker Sportreporter bezeichnete ihn als, "er ist mehr New Yorker als die meisten der Zuschauer, die ihn in den Tagen zuvor ausgebuht hatten", nämlich frech, selbstbewusst und schlagfertig und ohne jede Angst. Das zeigte sich auch daran, dass er mehrmals während des Finales den Schiedsrichter auf die ewigen Zeitüberschreitungen des NADAL hinwies, eine Attitüde, die einem wirklich bei diesem spanischen Superstar mehr und mehr auf die Nerven gehen kann. Doch MEDVEDEV liess sich dadurch emotional nicht beirren, wie es vielen anderen ergehen würde, er blieb mit klarem Blick auf Augenhöhe und verlangte dem Sieger buchstäblich alles ab.

Das nächste Jahr wird zeigen, inwieweit ein THIEM in der Lage sein wird, sein Level zu heben, ansonsten werden die weitaus jüngeren 23Jährigen den Ton angeben.

PS zu Medvedev: Er spielte insgesamt 4 Turniere in den USA und Kanada hintereinander, nämlich die MASTERS Turniere MONTREAL und CINCINNATI, sowie WASHINGTON, gleich danach die US OPEN, deshalb war er so geschlaucht. Bei allen 4 Turnieren kam er bis ins Finale, CINCINNATI gewann er sogar!

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