Prebunking - orwellscher Tarnbegriff für politische Zensur

Impfung gegen falsche Meinungen. Der Vergleich mit Impfungen wurde von populistischen Regierenden bewusst als Metapher gewählt, und macht unter dem zeitgeistigen Kampfbegriff "Prebunking" (abgeleitet von Debunking = Entlarvung) derzeit die Runde.

(c) Pommes Leibowitz

Die Strategien dazu, obwohl in den 60er Jahren für amerikanische Soldaten entwickelt, um Beeinflussung durch den Feind zu minimieren, werden inzwischen flächendeckend angewendet, von Regierungen und Medien. Ein Beispiel sind z. B. die vielen Anleitungen (Argumentsammlungen), mit denen man dem rechten Onkel, dem Corona- und Klimaleugner, dem Verschwörungstheoretiker, dem Boomer und bösen alten weißen Mann begegnen kann. Es fällt dabei auf: alle zuvor kursiv geschriebenen Worte sind Kampfbegriffe, mit denen von vorneherein Feindbilder und Abgrenzung kreiert werden.

Die Meisterdemagogin Ursula von der Leyen

Bevor ich zu den einzelnen Strategien komme, wie sie seit Jahren angewendet werden, stelle ich hier zwei Reden der Ursula von der Leyen vor, die geflissentlich seit vielen Jahren an der Ausweitung der staatlichen Informationskontrolle arbeitet und bei jeder Gelegenheit dafür Werbung macht, - ihre Notwendigkeit heraufbeschwört. Man muss es sehen, um dieses Ausmaß an Falschheit glauben zu können, deshalb: Guckst du!

Eine deutsche Übersetzung der englischen Rede findet ihr direkt bei Youtube unterhalb des Videoclips im Beschreibungstext.

Die Methoden des Prebunking

1. Feindbilder schaffen und vor deren Versuchen, uns zu beeinflussen, warnen. Ganz aktuell wurde z. B. von Ministerpräsident Günther vor alternativen Medien gewarnt (PP kommentierte das u. a. hier). Die generelle Hetze gegen unabhängige Information, die sich hinter Kampfbegriffen wie Youtube- oder Telegram-Uni, neuerdings auch Putin-Bot, Spion, Vaterlandsverräter (typisches Kriegspropaganda-Vokabular)  verbirgt, läuft schon seit vielen Jahren erfolgreich.

2. Vorbeugende Widerlegung möglicher Argumente des angeblichen Gegners. Dazu werden umfangreiche Sammlungen geliefert, die in der Regel völlig auf monokausaler Ebene ablaufen, oft auch nur Gefühle ansprechen, dem "Geimpften" aber das Gefühl geben, sich endlich gegen das "Böse" verteidigen zu können, ohne eigene Denkprozesse aktivieren zu müssen. Ein beliebtes Pseudoargument der Klimaideologie ist z. B., dass der Klimaleugner Wetter mit Klima verwechseln würde. Das wird dann auch in den unpassendsten Momenten angebracht, wenn beispielsweise ein Klimaideologe selber jedes Wetter komplett in seinem Sinne interpretiert (Bestätigungsfehler), also Wetter mit Klima verwechselt, und solches dann von Meinungsgegnern kritisiert wird.

3. Stärkung der Abwehrkräfte gegen Manipulation durch Erläuterung gängiger Manipulationsmethoden. Dieser dritte Punkt kommt als einziger dem nahe, was man als eigenständige Medienkompetenz bezeichnen könnte und was auch der flexiblen Arbeitsweise des Immunsystems (im Gegensatz zu Impfungen) entspricht, gewissermaßen Heuristik. Erkenne, wer dich tatsächlich angreift, statt dir erklären zu lassen, wer angeblich dein Feind ist. Gängige Methoden sind:

a) Emotionalisierung (Panikmache, moralische Empörung)

b) Rosinenpickerei (ausgewählte Beispiele verallgemeinern)

c) Expertentum vortäuschen (woher kommt mir das bekannt vor?)

d) Die Sündenbockmethode (Schuld wird dem Gegner zugeschoben)

e) Polarisieren und Provozieren (Übertreibung, "Wir" gegen "Die Anderen";)

f) Diskreditieren (ad hominem, der lügt immer, der ist dumm)

g) Dekontextualisierung (Sachverhalt unter falschem Kontext)

h) Verschwörungstheorien

Ich würde diese Aufzählung, die ich einer populärwissenschaftlichen Publikation entnahm, noch um Gaslighting und Framing ergänzen, zwei Begriffe, die zu erläutern (und in ihrer Anwendung bzw. Missbrauch zu hinterfragen) jeweils einen eigenen Blogbeitrag erfordern würden.

Wenn die Impfung die eigentliche Krankheit ist

Vorgeblich will Prebunking Impfung gegen Desinformation sein, tatsächlich aber ist es häufig Impfung MIT Desinformationen.

Das Problem, bzw. der grundsätzliche (auch wissenschaftliche) Denkfehler dabei ist, dass alle diese Begriffe, diese Beschreibungen von Manipulationsmethoden, gleichzeitig auch  Kampfbegriffe geworden sind, und von ALLEN Seiten gezielt angewendet werden, sowohl als Manipulationsmethode als auch als Kampfbegriff, um Äußerungen des Gegners abzuwerten.

Außerdem erfordert es natürlich ein gutes Textverständnis und Urteilsvermögen sowie generell kritische Grundhaltung, um Manipulationen tatsächlich zu erkennen und nicht nur auf Verdacht zu vermuten (weil der andere ja ein gefühlter Feind ist). Und da trennt sich dann die Spreu vom Weizen, denn viele Menschen sind einfach zu schlicht, um intelligente Manipulationen zu durchschauen, zumal das im derzeitigen Bildungssystem auch nie trainiert wurde, ja sogar das Gegenteil von Prebunking ist. Und eigentlich hat ja auch niemand wirkliches Interesse daran, nicht oder schwer manipulierbaren Menschen heranzuziehen. Warum sich eine Laus in den Pelz setzen?

So wurden dann komplexe Begriffe wie "Whataboutism", "Framing", "Verschwörungstheorie" zu reinen Kampfbegriffen, die der Abwehr anderer Meinungen dienen, ohne dass die Anwender den Wortsinn in seiner Komplexität überhaupt zu verstehen. Ich kann das hier nur andeuten: Whataboutism z. B. meint nicht den Vergleich von Vergleichbarem (z. B. amerikanische völkerrechtswidrige Angriffskriege mit russischen Angriffskriegen), sondern nur den Vergleich von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben, also nur Ablenkungsmanöver von eigenen Vergehen sind. In der Praxis aber wird das Schlüsselwort Whataboutism oft zum alles abwehrenden Kampfbegriff ohne Sinn und Verstand. Man muss die Dinge dann nicht mehr widerlegen, weil sie ja Whataboutism sind.

Desgleichen Verschwörungstheorie. Grundsätzlich gibt es zu jeder Verschwörung, und die Welt ist ein unendliches Geflecht aus Verschwörungen, Intrigen, Seilschaften und geheimen Plänen, naturgemäß auch zahlreiche Theorien, eben Verschwörungstheorien. Dies mit völligem Unsinn wie z. B. den Chemtrails, oder dass es die Stadt Bielefeld gar nicht gäbe, gleichzusetzen, dient nur der Abwehr und Diffamierung eines durchaus berechtigten Verdachts. Die Vermutung, dass eine Verschwörung vorliegen könnte, ist in der Regel nicht völlig abwegig, im Gegenteil.

Medienkompetenz versus Prebunking

Solange Menschen erklärt bekommen, was richtig und was falsch sei, wer ihre Freunde und wer ihr Feinde seien, welche Informationsquellen gut und welche schlecht sind, solange sind sie ganz genauso manipuliert wie jene, die sich damit gar nicht erst befassen. Womöglich sogar noch mehr. Prebunking sowie auch die Impfmetapher sind nur  Tarnbegriffe für Gehirnwäsche gegen Gehirnwäsche, den Teufel mit Beelzebub austreiben oder kurz und knackig: den Marsch vom Regen in die Jauche.

Das Problem auf den Punkt gebracht: Wenn jemand zu schlicht oder ängstlich zum selbständigen Denken ist, den Unterschied zwischen betreutem Denken (durch die eigene ideologische Seite) und eigenständigen, eventuell auch in die Irre führenden Gedanken nicht mal wahrnimmt, wird er zum beliebigen Opfer gezielter Manipulation durch Klügere. Auch Prebunking dient der Manipulation.

Wer primär Informationen reproduziert (gilt auch für die Mehrzahl heutiger Studenten), der wird zum unreflektierten Nachplapperer, zum ungewollten Vervielfältiger von potentieller Manipulation. Obwohl er sich doch eigentlich als Krieger des Lichts empfinden mag oder allemal als "gebildet". Aber genau das gehört ebenfalls zu den Methoden der Manipulation: Schmeichelei. Wenn Du auf unserer Seite bist, bedingungslos mitmarschierst, bist du einer von den Guten und Intelligenten. Alle anderen sind dumm und böse.

Und Achtung: Es gibt immer jemanden, der klüger ist als man selber, und das dann zum eigenen Vorteil nutzt. Oft im ganz großen Stil, überall dort, wo es um Macht und Geld geht und die nötige Medienreichweite vorhanden ist oder gezielt aufgebaut wird. Und natürlich gibt es auch immer Millionen Mitläufer, die nicht mal merken, dass sie Mitläufer sind.

Der derzeitige Bildungsbegriff schützt nicht vor Beeinflussung

Die "Gebildeten und Belesenen"  fallen der allgegenwärtigen Informationsmanipulation durch Interessengruppen sogar noch eher zum Opfer als die "einfachen Leute", die weniger Informationen aufnehmen, sich dadurch ihren gesunden Menschenverstand bewahrt haben, und sich von Formeln wie "Das sagt die Wissenschaft" nicht beeindrucken lassen. Weil sie intuitiv ahnen, dass auch Wissenschaftler dumm und/oder manipuliert sein können, oder konkrete eigene Interessen (oder die ihrer Geld- und Auftraggeber) vertreten.

Wissenschaft ist nur eine Methodik, keine Prophetie, kein Wahrheitsgarant. Nur ein leistungsfähiges aber beliebig missbrauchbares Instrument. Wie ein Küchenmesser. Auch damit kann man nicht nur Kartoffeln schälen.

Lügen tun immer nur die Anderen?!

Es ist ganz interessant, dass auch nach ca. 8000 Jahren Zivilisation immer noch so naive Vorstellungen etablierbar sind, nur die Anderen seien Lügner, ja sogar jeder, der andere Informationen und Meinungen vertritt, sei automatisch ein Feind. Diese uralte Teile-und-herrsche-Strategie funktioniert heute so gut, wie schon vor über 2000 Jahren bei Griechen und Römern. Die Methoden der Manipulation, neudeutsch auch "Cognitive Warfare", haben sich zwar psychologisch weiterentwickelt, sind aber im Kern immer die gleichen geblieben.

Henryk Broder bringt es wunderbar auf den Punkt:

Es ist AUCH und vor allem die Regierung, ebenso wie jede politische oder wirtschaftliche Lobby (und fast jedes Thema hat eine Lobby, die sich daran abarbeitet) die ganz bewusst selektiv ausgewählte Fakten mit Halbwahrheiten, Narrativen und emotionalisierendem Firlefanz vermischen, um ihre EIGENEN Interessen durchzusetzen.

Und der beste Kanzler von allen machte es vor:

Die Parallele zur Coronastrategie

Immer wieder werden die politischen und medialen Inszenierungen zu Corona als Testfall beschrieben. Man testete, wie weit man gehen kann, mit imaginierten Gefahren und sich daraus ergebenden Forderungen und Einschränkungen für die Bürger. Und man war vermutlich selbst überrascht, wie grenzenlos hörig die Massen sind, wenn man ihnen nur genügend Angst macht, selbst wenn diese Angst völlig hanebüchen und widersprüchlich zu den Alltagserfahrungen ist.

Kein Zufall also, dass man jetzt die Impfmetapher, einst in den 60er Jahren von Soziologen im Kampf gegen Gehirnwäsche entwickelt, erneut aufgreift. Kann sie doch auf bereits bestehende Narrative und emotionale Verknüpfungen zurückgreifen. Man inszeniert eine gefühlte Gefahr (Rechtsextremisten, Desinformation, fieser Hass, garstige Hetze gegen ideologische Ikonen) und liefert dann den Schutz davor, die Impfung. Quasi wie eine göttliche Gnade, die allen, die da gehorsam und ehrfürchtig sind, zuteil wird.

Wobei große Teile dieser Impfung gar nicht - wie eigentlich vorgesehen und behauptet - im jeweiligen Gehirn der Probanden stattfinden, sondern bereits im Vorfeld, extern, wahrgenommen durch Behörden, Trusted Flagger, Denunziations-NGOs und per Gesetz geknebelte Social Media Plattformen.

Die Zensur wird also outgesourced, damit der Staat, die Regierung ihre Hände in Unschuld waschen können. Ob das allerdings dem Grundgesetz genügt, darf bezweifelt werden. Da heiligt auch nicht der (zusammenfantasierte) Zweck die Mittel. Grundgesetz ist Grundgesetz und Meinungsfreiheit ist Meinungsfreiheit. Sie kann und darf nicht beliebig durch neu geschaffene Gesetze eingeschränkt werden. Dann würde das Grundgesetz zur Farce, bzw. ist es schon längst. Immer mehr Grundrechte werden durch normale Gesetzgebung vorübergehend oder langfristig ausgehebelt.

Ebenso wichtig, wenn nicht sogar effizienter, ist aber tatsächlich die "Impfung" der Gehirne durch Gegengehirnwäsche. Man ist immer wieder erstaunt, wie bereitwillig selbst lächerlichste Feindbilder übernommen werden, und wie hilflos und unpassend vorgegebene Argumentkataloge und Kampfbegriffe nachgeplappert werden - ob es passt oder nicht.

Kürzlich wurde eine von mir bei Facebook veröffentlichte Umfrage zur Meinungsfreiheit (von der FAZ) von einem Kommentator als "Putintrollerei" verunglimpft - Wie jetzt?

Quellen u. a.

https://www.kas.de/de/web/politische-bildung/politsnack/detail/-/content/prebunking-kann-man-gegen-fake-news-impfen

https://inoculation.science/debunking-versus-prebunking/

https://prebunking.withgoogle.com/de

https://www.cicero.de/innenpolitik/hateaid-und-die-meinungsfreiheit-hassrede-huter-und-hybris

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