In jeder Branche gibt es einen Punkt, an dem die Realität härter zuschlägt als jede Pressemitteilung. Für die deutsche Autoindustrie ist dieser Punkt jetzt erreicht. Wer seinen Ruf verspielt und seine Stammgäste verliert, muss am Ende Arbeitsplätze abbauen. Das ist kein Schicksal, sondern die logische Konsequenz jahrelanger Selbstüberschätzung. Und genau deshalb stehen heute nicht nur VW, sondern auch Porsche und Mercedes vor dem gleichen Problem: Sie haben geglaubt, der Verbrenner sei unsterblich – und jetzt merken sie, dass ihre Kundschaft längst weitergezogen ist.

Besonders bitter trifft es Mercedes. Jahrzehntelang war der Taximarkt eine Art Haus- und Hofterritorium. Die E‑Klasse galt als gesetzt, als unerschütterlich, als „das Taxi“. Man glaubte, dieser Markt gehöre einem quasi naturgegeben. Doch Märkte gehören niemandem. Sie gehören denen, die liefern. Und während Mercedes noch darüber nachdachte, wie man den Verbrenner „veredeln“ könne, kamen andere Hersteller mit modernen, elektrischen, wartungsarmen Fahrzeugen, die genau das bieten, was Taxiunternehmen brauchen: niedrige Betriebskosten, hohe Effizienz, robuste Technik.

Wenn man seine Stammgäste verliert, verliert man zuerst die leisen Umsätze, dann die treuen Kunden – und am Ende die Arbeitsplätze. Taxiunternehmen sind keine Nostalgievereine. Sie rechnen. Und wenn ein Hersteller ihnen jahrelang signalisiert, dass die Zukunft eigentlich gar nicht so dringend sei, dann wechseln sie eben zu dem Anbieter, der die Zukunft baut, statt sie zu diskutieren. Genau das passiert jetzt. Der einst sichere Markt bröckelt, weil Mercedes glaubte, er sei unantastbar.

VW und Porsche stehen nicht besser da. Beide haben den Wandel zur Elektromobilität verschleppt, als wäre er eine Modeerscheinung. Doch die Welt hat sich weitergedreht. Käufer wollen Technologie, nicht Tradition. Sie wollen Fortschritt, nicht Ausreden. Und wenn ein Unternehmen diesen Wandel ignoriert, verliert es zuerst die Kundschaft – und dann die Belegschaft.

Arbeitsplätze verschwinden nicht, weil die Welt unfair ist. Sie verschwinden, weil Unternehmen glauben, sie könnten die Zeit anhalten. Doch die Zeit hält niemand an. Sie läuft weiter. Und wer nicht mitläuft, bleibt zurück.

https://www.focus.de/auto/autostandort-deutschland/mercedes-waren-taxen-nicht-fein-genug-jetzt-uebernimmt-byd_a429300d-b7ba-4ed7-86f5-f5016ec679ad.html

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