Wenn Bulgarien Zukunft baut und Deutschland nostalgisch an der Dampfmaschine schnüffelt

Man muss es inzwischen wohl aussprechen, auch wenn es dem deutschen Selbstbild weh tut: Bulgarien zieht Deutschland technologisch ab, und zwar mit einer Eleganz, die fast schon unhöflich ist. Während Sofia gigantische Batteriespeicher aus dem Boden stampft, sitzt Deutschland wie ein beleidigter Technik‑Rentner in der Ecke und murmelt etwas von „Technologieoffenheit“, was hierzulande bedeutet: Wir hätten gern wieder die Energiepolitik von 1978 zurück, bitte mit Faxgerät und Kohlebrikett.

Bulgarien baut Energiespeicher im Gigawattstunden‑Maßstab, während Deutschland noch darüber streitet, ob ein Windrad vielleicht die Gefühle eines Spaziergängers verletzen könnte. Dort entstehen moderne Speicherparks, hier entstehen Bürgerinitiativen gegen alles, was mehr Strom erzeugt als ein Teelicht.

Es ist fast poetisch: Ein Land, das deutsche Stammtische jahrzehntelang als „Entwicklungsland“ verspottet haben, baut heute die Infrastruktur, die Deutschland nur in PowerPoint‑Folien kennt. Und während Bulgarien seine Speicherquote in Regionen katapultiert, die man in Deutschland nur aus Zukunftsstudien kennt, diskutiert man hier lieber darüber, ob Solaranlagen „die Landschaft verschandeln“. Ja, genau – die Landschaft, die seit 40 Jahren von Autobahnen, Gewerbegebieten und XXL‑Parkplätzen dominiert wird.

Deutschland hat sich in eine Art technologische Nostalgie hineingeschnarcht: Man träumt von Atomkraftwerken, die längst abgeschaltet sind, von Wasserstoffträumen, die seit 20 Jahren nicht funktionieren, und von „deutscher Ingenieurskunst“, die man inzwischen eher im Museum findet. Während Bulgarien einfach macht, perfektioniert Deutschland die Kunst des Bedenkentragens.

Die bulgarische Energiewende wirkt wie ein Reality‑Check: Innovation entsteht nicht durch Talkshows, sondern durch Infrastruktur. Und Bulgarien baut Infrastruktur. Deutschland baut Debatten. Dort entstehen Speicherparks, hier entstehen Arbeitskreise. Dort fließen Milliarden in neue Technologien, hier fließen Milliarden in die Verlängerung von Genehmigungsverfahren, die aussehen, als wären sie von einem preußischen Bürokraten mit Gänsefeder geschrieben worden.

Vielleicht ist das der eigentliche Witz: Deutschland hält sich für die Speerspitze der Innovation, während Bulgarien längst den Speer gebaut, geworfen und getroffen hat – und Deutschland noch prüft, ob der Speer vielleicht eine Umweltverträglichkeitsprüfung braucht.

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/erneuerbare-energiewende-speicher-ausbau-,bulgarien-batteriespeicher-rekord-100.html?fbclid=IwY2xjawT6tHdwZG9mBWV4dG4DYWVtAjEwAGJyaWQRMXZCeEdzeHhiVDJMb0ZDWkxzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeG7PCbnqSFS-CHi6kzXiA73-WGjJeXTXyUOGodwF7yfun-bbiXXDd8b4CsSM_aem_10nM6pYLHbMAMo9hmv5j5A&utm_source=firefox-newtab-de-de

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