Jedes Jahr das gleiche Schauspiel! Kaum, dass der Einfallswinkel der Sonne sich spürbar verändert, kommen sie aus den Ritzen gekrochen, in denen sie den Winter verbracht haben. Manche von ihnen, die die Höhen zu den Tageslichtlampen erklommen haben, fallen erschöpft von der Zimmerdecke und landen gelegentlich – im Kaffee.

Neulich ist das passiert. Als ich die Tasse mit dem duftenden Rosabaya zu den Lippen führen wollte, strampelte so ein Frechdachs darin um sein Leben! Was erlaubte er sich? War er zu träge, die Flügel kurz vor meiner Tasse aufzuspannen? War er durstig? Gelüstete es ihn nach einer ordentlichen Tasse Nespresso? Oder war er benommen und schwach und plumpste er deshalb in den Kaffee?

Ich rettete ihn vor dem Ertrinken, trug ihn hinunter in die Küche, dorthin, wo die Tüten für den Kompost stehen. Die Freiheit wartete auf ihn und viele andere seiner Art, die vor ihm bereits das Winterversteck im Haus verlassen hatten.

Als ich den Geretteten trug, hörte ich ihn fragen: "Warum schreibst du nicht mehr über uns?" Es klang wie ein Vorwurf. Ich antwortete ihm: "Muss ich denn noch über euch schreiben, wo alle Welt doch schon weiß, dass ihr gekommen seid, gleich einer Invasion, die man nie wieder los wird und die unsere Einheimischen verdrängt?!"

Der Winzling antwortete genervt: "Natürlich musst du weiter über uns schreiben! Was fällt dir schon Besseres ein? Das ist deine Aufgabe!" Dann rollte er die Flügel aus, hob von meiner Fingerkuppe ab und flog durch das geöffnete Fenster hinaus und davon. Gott sei ihm gnädig! Es ist noch kalt draußen!

Die Welt ist voller Zeichen und Wunder!

Sie sind schon eine ganze Weile hier, sicher schon seit zehn oder fünfzehn Jahren, aber kaum jemand beachtet sie. Niemand kennt genau den Zeitpunkt ihrer Ankunft. Gärtner, Ökologen und Weinbauern ärgern sich über sie. Die Einwanderer treten in Schwärmen auf und fressen alles, was ihnen in die Quere kommt, den Rest vergiften sie, zum Beispiel den Rebensaft, den Wein, wenn sie mitgeerntet wurden, weil Hunderte oder Tausende von ihnen zum Zeitpunkt der Ernte in den Weinstöcken gehangen haben. Der Bauer wird diesen Wein nicht trinken, aber verkaufen muss er ihn.

Die Rede ist von den Asiatischen Marienkäfern, der tierischen Vorhut aus Ostasien, zahlreich im Auftreten, fleissig, zäh, überlebensstark. Er, der Neuankömmling aus Asien, wird wohl das Rennen machen? Unser heimischer Marienkäfer wird immer weniger gesichtet!

https://kurier.at/wissen/asiatischer-marienkaefer-verdraengt-die-heimischen-arten/262.690.501 (2017)

http://www.nachrichten.at/freizeit/haus_garten/Heimische-Marienkaefer-Asiatische-Invasion-ueberlebt;art123,1944412 (2015)

Unsere heimischen Arten, der Siebenpunkt-Käfer und der Zweipunkt-Käfer tun sich schwer, sich gegen den gefräßigen Kollegen aus Asien durchzusetzen. Der Zweipunkt-Käfer scheint bereits ausgestorben zu sein.

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Gibt es ihn noch oder ist er schon ausgestorben?

Das Leben ist hart. Es ist ein einziger Kampf. Zuerst fressen die Bösen die Guten. Dann fressen die Bösen die Bösen, sie fressen sich gegenseitig. Dann, wenn sich die Bösen gegenseitig gefressen haben, ist wieder Platz für die Guten.

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