Hast du im Sommer etwas Besseres zu tun als die Welt zu verbessern? Ich nicht.Und so hab ich mir das vorgestellt: die Galerie übernimmt der Kunstverein arteMIX für einen Monat und in der Zeit fahr ich ans Meer. Und genau so hab ich es auch in die Wege geleitet.

Das war natürlich noch nicht die Verbesserung, die ich meinte, obwohl ich dir versichern kann: die Arbeitsqualität auf einem Balkon bei Sonnenlicht und Meerblick ist etwas Anderes als 60 bis 80 Stunden pro Wochen bei Kunstlicht in der Galerie. Kunst bei Kunstlicht und „von der Sonne empfangen wir das natürliche Licht der Weisheit“, hat Paracelsus gesagt, hat Henri Edelbauer geschrieben, und zwar in seinem Buch „In welchen Himmel kommen tote Sonnen?“

Was ich vergessen hab zu erwähnen: ich schreib auch ein Buch – MORAL 4.0 – denn ich fahr natürlich nicht ans Meer um hier einen Monat lang abzuhängen. Ich fahr ans Meer um zu ARBEITEN und dabei das römische Ideal zu leben: mens sana etcetera. Das muss ich hier betonen, weil ich diesen Aufenthalt steuerlich absetzen werde, und da ist es sicher kein Nachteil, wenn ich das bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erwähne und entsprechend dokumentiere. Deshalb - ob es dich interessiert oder nicht - hier die Exklusivstory zum Buch, das bald die Welt verbessern wird.The Making of MORAL 4.0 – wie das heute zu jedem guten Film gehört.

Sonntag, 2. Juli 2017

Angekommen. Das ist das erste Wunder dieses Tages, denn die paar Kilometer durch Slowenien bin ich eigentlich nur gestanden. Der Voyager vielmehr ist gestanden, ich bin gesessen – und habe nicht geschwitzt, denn die Klimaanlage sorgte für die nötige Kühlung. Beim Stehen hatte ich Zeit den Bischof zu lesen (Norbert Bischof, Moral. Ihre Natur, ihre Dynamik und ihr Schatten). Eigentlich wollte ich ihn schon ad acta legen, nach dem ersten Teil, in dem er die Philosophie abserviert hat. Er schafft es aber immer wieder den Leser neugierig zu machen – und hat die Zunft der Philosophen noch lange nicht ad acta gelegt. So macht er den Verfasser eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung zur Schnecke macht, der „gegenwärtig das gelbe Trikot des deutschen Wissenschaftsjournalismus beansprucht“ - Richard David Precht, dem Bischof „Ignoranz“ und „angelesenes Flachwissen“ attestiert.

Zwei Stunden Stillstand in Slowenien waren so gesehen nicht umsonst. Die Fahrt nach Kroatien hab ich mit dem Ziel Zadar begonnen. Abfahrt aus meiner geliebten Waldheimat (es sei an der Stelle einmal vermerkt, dass die Waldheimat, 99 Jahre nach Peter Rossegger, auch noch andere Geistesgrößen vorzuweisen hat) um neun Uhr, Ankunft kurz nach 17.00 Uhr – nicht in Zadar sondern in Rovanjska, wo ich auf Anhieb, ohne Vorbestellung, das ideale kvartir finde. Eine glückliche Fügung! Vielleicht sogar eine göttliche Fügung? Zufall oder Bestimmung? Man sagt „vom Schicksal vorher bestimmt“ – doch Schicksal kann für beides stehen: für (geplante) Vorsehung ebenso wie für Zufall. Wenn etwas gut ausgeht, bin ich geneigt zu glauben, das Schicksal habe das für mich Bestimmte bewirkt, wenn etwas Schlechtes eintritt, ein Schlag ins Gesicht, dann empfinde ich den entsprechend unerwarteten Schicksalsschlag nicht für mich bestimmt, also als Zufall. Ich entscheide mich dafür, diese Frage nicht mehr heute zu entscheiden.

Montag, 3. Juli 2017

Ich hab rund 50 Bücher mitgebracht und ordne sie auf dem Regal. In der obersten Reihe naturgemäß die Philosophen, darunter die politischen Bücher wie „Ibidum“ von Jandl, Karen Kuttner Jandl genau genommen. Was sie wohl denken wird, wenn sie das liest?

Wenn das Wörtchen Wenn nicht wäre

Verlür das Leben seine Schwere,

Doch wär das Leben ohne Wenn und Aber

Balaver, Balaver, Balaver!

Bei genauer Betrachtung ist es genau umgekehrt: das Wenn nimmt die Schwere (es ist ja der Hinweis auf eine von vielen Möglichkeiten), und mit Wenn und Aber werden vernünftige Argumente erst möglich. Wenn das je ein Lektor zu Gesicht bekommt, wird er hoffentlich so klug sein (Stichwort "Klugheit" vormerken!), den Schwachsinn zu streichen. Anderseits: wenn ein Schwachsinn mal zu einer Erkenntnis verhilft, warum nicht?

Montag, 3. Juli 2017

So wie der Bischof den populären Wissenschaftsjournalisten abgekanzelt hat, wird er wohl in der wachsenden Zahl von Bloggern nur Halbexperten mit „angelesenem Flachwissen“ sehen. Ich redigiere heute den Blog, mit dem ich Ende März versucht habe, die fuf-Community, also auch dich, als Vorbereitung auf mein Buch aus der Reserve zu locken. Dies wird das ERSTE KAPITEL IN MORAL 4.0. (Den Titel wirst du hier noch öfter lesen, ich muss schließlich auch schon an die Vermarktung des Buches denken!)

Dienstag, 4. Juli 2017

Wecker wie immer um 8.15, ich wälze mich noch bis 10.00 im Bett und steh auf mit dem Vorsatz wieder überheblich zu werden. Das Konzept, die Moralbegriffe zu alphabetisieren, die Angst etwas zu übersehen, der Zwang zur Vollständigkeit, haben Zweifel in mir geweckt, ob ich der Aufgabe gewachsen bin. Bin ich nicht, nicht in der Form! Es ist daher notwendig, mich über diese Erbsenzählerei zu erheben. Da ich immer noch nicht sicher bin, wie ich die Moral 4.0 anlegen soll, beginne ich mit der Ethik 1.0. Eine gute Entscheidung, wie ich mir selbst 12 Stunden später bestätigen möchte.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Ich hab mir vorgenommen, im Ethik-Teil heute Nietzsche zu thematisieren. Eine Überlegung war, Nietzsche durch die Brille von Konrad Paul Liessmann („Philosophie des verbotenen Wissens) zu betrachten. Doch ich hab keine Ahnung, wie viel Dioptrien Liessmann hat. Jedenfalls fehlen in seinem Buch die elementaren Stellen über Herren- und Sklavenmoral bzw die Differenzierung zwischen gut/böse und gut/schlecht. Das war dem Herrn Professor wohl zu banal.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Vorsatz für heute: Schreibpause und Nachlese: Nikomachische Ethik. Das Richtige zum richtigen Zeitpunkt: Kairos! Damit ist auch der Spannungsbogen von Ethik 1.0 klar: Genesis bis Aristotels, dazwischen der Zeitgeist. Mit Aristoteles der Übergang zu den „ewigen Werten“.

Freitag, 7.7.2017

Ich steh brav mit dem Wecker um 8.15 auf, geh einkaufen, fühle mich weiterhin matt und beschließe spontan ans Meer zu gehen um richtig wach zu werden. Das Wasser ist komplett ruhig, ich schwimme 15 Minuten raus aufs Meer, zurück bin ich in 10 Minuten. Ich fühle mich wieder stark.

Eintrag auf facbook: Deutschland liegt im Streit zwischen Populismus und Leitkultur. Die kroatische Antwort darauf lautet Rajcica und Krastavci. Beides findest du auf diesem Teller! Wer findet es raus?

Leitkultur und Populismus www.thurnhofer.cc

Heute geht es um den Artikel von Thomas de Maizière „Leitkultur für Deutschland - Was ist das eigentlich?“

Samstag, 8. Juli 2017

In der MORAL 4.0 geht’s nicht um die Frage, „Was ist das Gute?“, soviel kann ich hier schon verraten, sondern darum, etwa Gutes zu tun! Ich veröffentliche daher einen Aufruf zur moralischen Alphabetisierung Europas! Natürlich hier, auf fischundfleisch.

Sonntag, 9. Juli 2017

Ein Tag in Zadar, der natürlich auch der praktischen Philosophie gewidmet ist (erwähn ich hier für eine allfällige Steuerprüfung). Mittagessen in einem bodenständigen Lokal: orangina, pvrce na zaru (gegrilltes Gemüse) und grdobina (Seeteufel). Ich glaube, der Seeteufel ist ein Verwandter von Luzifer – damit steht mein Mittagessen von heute im direkten Zusammenhang mit Moral 4.0. Mehr verrate ich dazu nicht. Die kleine Kirche im Hintergrund dient nun einer Galerie zum Verkauf von Kunsthandwerk und Gemälden. Kunst statt Katholizismus – mögen keine größeren Sünden passieren!

Zadar Kirche und Kunst www.thurnhofer.cc

Nebenbei Geschäftsidee Urban Picnic entdeckt.

Montag, 10. Juli 2017

Arbeite mich an Niall Ferguson ab: Der Westen und der Rest der Welt.

Dienstag, 11. Juli 2017

Abschluss Ferguson, Überleitung zur Demokratie-Problematik: Legalitätsprinzip versus Moralitätsprinzip. Und: der Populismus-Vorwurf als Killerapplikation. Phänomen der Entrüstung, die in der Rhetorik nicht mit Abrüstung zu tun hat, sondern im Gegenteil.

Mittwoch, 12. Juli 2017

Unruhige Nacht. Die Gelsen nerven, ich suche Zuflucht im Voyager – das ist ein Auto, für alle, die in dem Bereich nicht so firm sind – vorsorglich hab ich eine Matraze auf der großen Ladefläche mitgenommen, für den Fall, dass ich nicht sofort eine Unterkunft finden sollte, sondern mal ein paar Tage campieren müsste. Übrigens ein Geheimtipp: Autokamp Kristina, wird von Österreichern betrieben. Das ist jetzt aber das letzte Geheimnis, das ich über Kroatien verrate. Muss ich mich schon als Verräter fühlen? By the way: sind Verräter gute oder schlechte Menschen? Siehe Assange. Nach dem kurzen Regen ist es angenehm kühl im Auto. Ich fühle mich wohl – und sicher vor Gelsen. Da kommt mir die Frage, wie lange der Luftvorrat im geschlossenen Wagen reicht und ob ich mich gerade in einem Kohlenmonoxydsarg befinde; -dioxyd wohl eher – Chemie war ja nie meine Stärke. Ich öffne ein Klappfenster und irgendwann, ich merke, es wird schon hell, schlaf ich ein.

17.00 bis 19.00 Uhr am Meer, dann Abendessen. Wollte anschließend dem Aristoteles weiter meine Referenz erweisen, doch es ist leider nötig, zuerst Peter Strasser die Levithen zu lesen, und zwar für seine untragbaren Positionen und Letztbegründungsversuche in „Gut in allen möglichen Welten“.

Donnerstag, 13. Juli

Um sechs Uhr aufgestanden. Der Kampf mit den Gelsen raubt mir den Schlaf. Bin Mittags mal weg gedöst, dann ein Stündchen ans Meer und wieder zurück zum Buch. Komme mit Aristotels gut zurecht und hab auch dem Trockennasenaffen ein paar nette Zeilen gewidmet. Wenn der wüsste, dass ich mich im Wasser wie ein Fisch in seinem Element fühle!

(Falls du zu den ganz, ganz wenigen Bloggern zählst, die in den vergangenen zwei Jahren nicht alle Neuerscheiungen über Moral gelesen haben - ich meinte Michael Schmidt-Salomon, der sich in seinem Buch „Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind“ folgenderweise biogenetisch typisiert hat: „Ich bin bloß ein mäßig begabter Trockennasenaffe mit Haarausfall, Schweißfüßen und Tendenz zum Doppelkinn, habe weder ewige Wahrheiten zu verkünden noch wurde ich von einer Jungfrau geboren.“)

Freitag, 14. Juli 2017

Wollte heute die Themen Leitmedien und Lügenpresse bearbeiten, kam dann aber über das Thema Religion und Islam ins Grübeln. Das Ergebnis ist das Kapitel „Die Bedrohungsszenarien unserer Zeit“

Samstag, 15. Juli 2017

Eintrag auf facebook: Wer war Zvonko Bušić? War er ein guter oder ein schlechter Mensch? Welche Schatten wirft er auf unsere Zeit? Infos findest du auf wikipedia.

Zvonko Bušić www.thurnhofer.cc

Übrigens wird MORAL 4.0 konsequent crossmedial sein und ergänzende Infos auf www.ethos.at anbieten. Das Buch wird somit etwa 200 Seiten im Print und 1.000 Seiten (oder sagen wir besser rund 200.000 Zeichen) im Internet umfassen.

Sonntag, 16. Juli 2107

Halbzeit. Rund zwei Drittel des Buches sind fertig. Ich bin zuversichtlich, dass ich meinen Fünfjahresplan (für unsere lieben Ossis: mein ganz persönliches Planjahrfünft) in vier Wochen schaffe. Wenn du mehr wissen willst, schreib mir! Das Buch wird im Herbst erscheinen! Wenn´s von mir abhängt im Herbst, wenn mir andere die Entscheidung abnehmen, wohl erst im Frühjahr 2018.

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Margaretha G

Margaretha G bewertete diesen Eintrag 18.07.2017 03:21:52

Leopold Scharf

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