Rund 100.000 Neuerscheinungen verzeichnet allein der deutschsprachige Buchmarkt. Jährlich. Ich schätze, die Autoren von 99.000 Büchern verdienen mit ihren Werken zwischen einhundert und eintausend Euro, also vielleicht im guten Schnitt 500 Euro, oder sagen wir mal: 600 Dollar. Das wäre dann gerade mal ein Hunderttausendstel dessen, was die Obamas - Michelle und Barack - für ihre zwei noch zu schreibenden Bücher bekommen haben. Als Vorschuss von Penguin Random House, an dem Bertelsmann mehrheitlich beteiligt ist.

Es gibt sicher hundert oder vielleicht sogar tausend gute Gründe, warum die Obamas für ihre Memoiren ein deutlich höheres Honorar bekommen als Hinz und Kunz für ihre Prosa oder Lyrik. Aber gibt es einhunderttausend Gründe?

Ich gestehe, dass ich blass wurde, als ich diese Zahl erst dieser Tage gelesen habe. Nicht vor Neid, sondern aus Übelkeit. Und die Übelkeit verursachte nicht einmal die Höhe des Honorars, sondern die Art und Weise, wie Autoren und Verleger in die Welt hinaus posaunen, dass demnächst die "wertvollsten Memoiren aller Zeiten" zur Erleuchtung der Welt beitragen werden. Im logischen Umkehrschluss heißt das nämlich für all jene, die im besten Fall 600 Euro für ein Buch lukrieren, dass alle diese Bücher wertlos sind, dass alle diese Autoren, neben der herausragenden Größe der Obamas nicht einmal die (intellektuelle) Größe einer Ameise, sondern gerade mal die Bedeutung einer Hausstaubmilbe erreichen.

Bei einem derart unermesslichen „Wert“ darf natürlich auch das soziale Herz höher schlagen. So berichtet Die Bunte: „Penguin Random House spendet übrigens eine Million Bücher im Namen der Obamas an gemeinnützige Buchshops und Barack und Michelle Obama werden ebenfalls einen Teil ihrer Buch-Gage an Wohltätigkeitsorganisationen spenden, inklusive der Obama Foundation.“

In Anbetracht des neuen US-Präsidenten halte ich Obama immer noch für einen Leuchtturm in der wilden See der US-Politik. Dass er aber mit dieser absoluten Maßlosigkeit seines Buchvertrages sein totales politisches und moralisches Scheitern mit grellen Farben unterstreicht, das hätte man in der Antike als „tragisch“ bezeichnet. Heute nennt man das „postfaktisch“ und geht über zur Tagesordnung, die Rettung der US-Plutokratie unter dem Deckmantel der Demokratie inklusive.

WeThePeople http://diebunten.org/

Wäre es nicht schön, wenn eine Million der Ärmsten nicht auf eine Buchspende von Randoms Gnaden angewiesen wären, sondern wenn sie einfach in einen Buchladen (falls es so etwas in den USA noch gibt) gehen könnten, um sich die Memoiren der Obamas, oder - im Land der unbegrenzten Möglichkeiten - irgendein anderes Buch ihrer Wahl aus eigener Kraft leisten könnten??

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kerosina apfelkern

kerosina apfelkern bewertete diesen Eintrag 21.03.2017 18:34:47

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