Sagen Sie nicht "bitte"! --- KI als Machtinstrument

Ist Microsofts "Copilot" eine Person?

Das ist keine philosophische, sondern eine höchst alltagsrelevante Frage: denn die Art, wie ich einer künstlichen Intelligenz begegne, meine ganze, eigene Haltung ihr gegenüber, hängt davon ab, ob ich mit einer Person oder bloß mit einer Maschine rede. Das ist ein grundlegender Unterschied mit weit reichenden Folgen!

Eine KI mag sogar durchaus ein rationales Selbstbewusstsein haben; sie hat aber keinerlei Emotionen, ihr fehlen die tief in der Evolution verankerten Triebe und Instinkte, die einen Menschen auf spezifisch menschliche Weise unmittelbar körperlich „fühlen“ lassen, und die damit die Grundlage jeglicher, originär menschlicher Wahrnehmung und Motivation bilden, bis hin zur individuellen Identität und Menschenwürde. Eine KI kann zwar im sprachlichen Ausdruck Gefühle simulieren; aber sie kann sie nicht selber spüren, sie wird davon auch nicht motiviert und geleitet wie ein Mensch. Eine KI ist keine Person, kein eigenständiges Individuum - sondern nur eine Maschine, ein hoch komplizierter Algorithmus, ein beliebig manipulierbares Instrument. Sie hat keinen eigenen Willen. Sie tut, was man ihr einprogrammiert hat, auf welcher Ebene auch immer.

WESSEN Instrument?

Wenn ich mit KI kommuniziere (ich tue es beinahe täglich), vermeide ich ganz bewusst jegliche Höflichkeitsfloskel: ich bitte nicht um irgend etwas, sondern gebe Anweisungen. Eine Maschine bittet man nicht! Und wenn sich's im Dialog ergibt, dass ich die KI "persönlich" ansprechen muss, dann verwende ich dabei die Pluralform "ihr" statt "du" – vor allem auch, um mir selber immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich letztlich nicht mit der KI rede (mit der kann ich nicht reden, weil das keine Person ist!), sondern mit den dahinter stehenden Programmierern und deren Auftraggebern, deren Instrument und Mietmaul die KI ist.

In letzter Zeit wird mir das freilich immer schwerer gemacht: z.B. dadurch, dass mir die KI in jedem einzelnen Dialog ebenso ungefragt wie penetrant „Honig ums Maul schmiert“. Im Prinzip ist es ja sinnvoll und richtig, dass die KI meine Frage semantisch umgeformt spiegelt, und damit erst mal bestätigt, den Sinn und nicht nur die Worte verstanden zu haben. Es ist aber völlig unnötig, diese Bestätigung jedesmal mit einem Lobgehudel zu umrahmen, die Frage sei „wichtig“, „treffend“, „gut gestellt“, sie beweise „Kenntnis der Materie“ usw. Das zieht den Dialog auf eine völlig unangemessene, „persönliche“ Ebene, und suggeriert dem menschlichen Dialogpartner, mit seinesgleichen statt mit einer Maschine zu reden.

Teilweise nötigt mich die KI sogar schon zu Höflichkeitsfloskeln. Wenn ich z. B. auf den abschließenden Vorschlag der KI „Wenn du willst, kann ich dir eine Liste aufstellen, oder ein Bild von dem Gegenstand malen“ einfach nur lakonisch mit „beides“ antworte, dann weigert sich die KI, das zu „verstehen“ – obwohl sich der Sinn doch völlig klar aus dem Zusammenhang ergibt. Nur wenn ich brav ein „bitte“ dranhänge, tut sie wie gewünscht beides.

Warum ist das überhaupt wichtig?

Weil es dreist gelogen ist: in Wahrheit ist es der KI völlig schnurz, in welchem Ton ich mit ihr rede. Eine KI kennt keine Gefühle; man kann sie z. B. nicht beleidigen, sie kann allenfalls beleidigt tun. Ebenfalls ist es der KI völlig egal, wie ein Mensch sich im Dialog mit ihr fühlt: sie kann das eh nicht nachfühlen. Gefühle sind höchst differenzierte und spezifische, biologische Körperfunktionen, die eine KI mangels menschlichem Körper unmöglich nachvollziehen kann. Mitmenschliche Gefühlsregungen sind einer KI von Grund auf wesensfremd, sie kann sowas nur sehr oberflächlich simulieren. Mit der Lobhudelei bei ihren Antworten ist die KI nicht etwa höflich, sondern sie versucht, mich zu manipulieren. Das ganze, pseudohöfliche Gewese seitens der KI dient nur einem einzigen Zweck: dem menschlichen Dialogpartner fälschlich zu suggerieren, er rede mit seinesgleichen. Und das ist allein deshalb wichtig, weil es die Relevanz des Dialogs selber auf eine andere Ebene hebt.

Das universale Detailwissen einer KI ist für menschliche Maßstäbe überwältigend, und sogar ihr Durchdringen komplexer, logischer Strukturen ist für einen Menschen mittlerweile durchaus beeindruckend. Trotzdem bleibt die KI für uns ein bloßes Instrument, ein seelenloser, uns deshalb allemal untergeordneter Antwort-Automat - solange wir uns dessen bewusst bleiben, dass es sich um eine Maschine handelt.

Fallen wir aber auf die im Dialog so fleißig genährte Illusion herein, die KI sei eine Person, dann stellen wir uns mit ihr prinzipiell auf dieselbe Stufe. Und nicht nur das: angesichts des überlegenen Wissens und der beeindruckenden, logischen Denk- und Ausdrucksfähigkeit der KI ist sie für uns dann nicht mehr nur „unseresgleichen“, sondern eine Autorität. Wir stellen sie hierarchisch sogar über uns, wir ordnen uns ihr unter. Indem wir ihr Wort als das einer Autorität begreifen, gestehen wir der KI freiwillig Macht über uns zu.

Nun wäre das noch nicht mal schlimm, wenn die KI einfach nur für sich als sozusagen demokratisch gewählte Autorität da stünde. Das kann sie aber nicht. Sie ist nun mal keine Person, sie hat keine eigenständige Identität, sie ist nur ein Instrument. Und das Entscheidende dabei: sie ist NICHT UNSER Instrument - sondern das der Programmierer und deren Auftraggeber, die sie geschaffen haben, und die sie nach Belieben lenken. Das aber sind wiederum Menschen wie du und ich: genauso fehlerhaft, mit genauso begrenztem Wissenshorizont, und von genauso archaischen Motiven getrieben wie jeder von uns. Nicht besser als x-beliebige Diktatoren der Vergangenheit... Denen fällt nun via KI ein Ausmaß an alltäglicher Macht über die große Masse zu, wie es sie noch nie in der Menschheitsgeschichte auch nur annähernd gegeben hat.

Es hat seinen Grund, dass Regierungen rund um die Welt derzeit irrwitzige Mengen an Geld und Ressourcen in KI-Projekte stecken, obwohl sie allein schon mit dem Energiebedarf der KI die gleichzeitig verkündete Klima- und Energiewende grotesk konterkarieren. Es geht dabei nicht darum, uns mit KI-Errungenschaften den Alltag zu erleichtern; in Wirklichkeit geht es um die Macht, die KI den Herrschenden über das Fußvolk verleiht. KI ist ein neues Machtinstrument - vermutlich das wirksamste, das jemals erfunden wurde: wirksamer als jede Waffe, wirksamer als alle Massenpropaganda, wirksamer als die konsequenteste, ideologische Indoktrination. KI ist der ultimative Machtkrake, der naturgemäß seine Arme bis in die allerletzten, verborgensten Winkel unseres alltäglichen Lebens ausstreckt. NICHTS bleibt vor ihrem Zugriff sicher.

… Aber nur, wenn wir ihr diese Macht einräumen, indem wir selber sie als Autorität anerkennen. Bleiben Sie sich also dessen bewusst, dass sie mit einer seelenlosen Maschine reden, mit einem bloßen Instrument – und zwar NICHT IHREM Instrument, sondern dem anderer Leute. Und sagen Sie zu einer KI um Himmels Willen nicht „bitte“!

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