#Zuhoeren #Kommunikation #Gespraechskultur

Ha: Der neue Noice Canceling Kopfhörer ist angekommen! Ein kleines Geschenk an mich selbst, für den absolut ungestörten Musikgenuss – im Zug, im Flieger, wo immer ich mich auf ein paar Takte reinen Klanges fokussieren will. Geschmeidig legen sich die schwarzen Klangmuscheln ans Ohr – und dann nur reine klare Töne; ganz egal ob grade Konstantin Wecker, Miles Davis oder Ludwig van Beethoven auf der Playlist stehen. Keine störende Ablenkung von außen – nichts als Zuhören, in seiner reinsten Form. Um wieviel anders da die Musik klingt, um wieviel mehr Töne ich wahrnehme, um wieviel besser ich verstehe, was den Künstler bewegt.

Jeder hört nur, was er versteht…

Wäre so ein Noise Canceling Tool nicht manchmal auch ein Top-Hit im (Business-) Alltag? Denn wie oft ertappen wir uns dabei, im Gespräch mit anderen viel stärker uns selbst zuzuhören? Wie oft passiert es, dass wir uns viel mehr mit unseren zeitgleich ablaufenden inneren Kommentaren oder Bewertungen zum Gesagten beschäftigen, als mit voller Konzentration dem zuzuhören, was unser Gegenüber tatsächlich spricht? Wie oft lassen wir uns – stolz auf unsere scheinbare Multitaskingfähigkeit – durch meist nur vordergründig wichtige Mails am Smartphone, den Blick auf orf.at oder das Schielen auf die Krakeleien des Sitznachbarn ablenken? Und wie oft sind wir in einem Meeting darauf konzentriert, schon während des Zuhörens an einer cleveren, bissigen oder visionären Antwort zu feilen, um mit einem möglichst raschen und locker-flockig formulierten Gegenstoß die Initiative im Gespräch an uns zu reißen – anstatt das Gesagte in Ruhe wirken zu lassen und eine reflektierte Antwort darauf zu geben.

„Es hört doch jeder nur, was er versteht“, sagte schon der gute alte Goethe. Schlussfolgerung daraus: je weniger wir zuhören, desto weniger verstehen wir…

Die gegenwärtig vorherrschende Gesprächskultur stellt in der Regel Anderes in den Vordergrund. Das oberste Paradigma heißt: Reden. Als dynamisch gilt, wer sich in der Diskussion oder im Meeting einen hohen Redeanteil erkämpft; wer nicht wortgewaltig auf seiner Position beharrt, dem mangelt es scheinbar an Durchsetzungskraft bzw. der verzichtet auf die Möglichkeit selbst Themen zu besetzen. Oder er hat den NLP-Kurs geschwänzt. Diejenigen, die vorrangig zuhören, gelten allzu rasch als graue Mäuschen, als passiv oder gar als ideenlos.

Wenn du zuhörst, lernst du vielleicht etwas Neues

Verkannt wird hingegen, dass erst das bewusste und achtsame Zuhören einen Mehrwert an Wissen und Austausch bringt: „Wenn du redest, wiederholst du nur, was du schon weißt. Aber wenn du zuhörst, lernst du vielleicht etwas Neues“ lehrt der Dalai Lama. Den Wert des Zuhörens hat auch der Liedermacher Wolf Biermann auf seine Weise erkannt: „In der DDR durfte man nichts sagen. Und die Wände hörten alles. Hier im Westen darf ich alles sagen. Aber keiner hört zu.“

Dabei ist Zuhören weit mehr als Passivität. Aktives Zuhören ist eine Haltung – und signalisiert dem Gesprächspartner Wertschätzung bzw. sichert und vertieft Wissen. Gutes Zuhören ist der beste Weg, um Vertrauen und Sympathie zu gewinnen; Untersuchungen zeigen, dass aktive Zuhörer meist schneller und effizienter zu einem guten Gesprächs- oder Verhandlungserfolg kommen als diejenigen, die sich vor allem auf ihre eigenen Argumente fokussieren. Eigentlich logisch – erst wer versteht und sich ernsthaft damit auseinandersetzt, was sein Gesprächspartner denkt und warum, hat die Möglichkeit, den anderen umzustimmen oder gemeinsam eine Lösung zu entwickeln.

Das Noice Canceling Tool für konstruktive Gespräche und aktives Zuhören muss erst noch erfunden werden. Oder aber wir nehmen einfach Goethe ernst: „Gott gab uns zwei Ohren, aber nur einen Mund – damit wir doppelt so viel zuhören wie reden.“

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G. Szekatsch

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Isra Keskin

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