Kann der Bauer die Freunde des Königs unterdrücken?

Die Frage „ob der Bauer den König oder seine Freunde unterdrücken kann“ ist vermutlich so alt wie das Konzept der menschlichen Herrschaftsstrukturen. Die Frage ist auch genauso lange gelöst, denn die Antwort ist natürlich „Nein“. Warum beschäftigt uns diese Frage aber heute fast täglich?

Um einen Kontext zu bilden: die Herrschaftsstrukturen der alten Zeit waren viel simpler. Je mehr Mannen mit Waffen man unter seinem Kommando hatte, desto höher stand man in der politischen Hierarchie. Der Baron hatte weniger Mannen als der König, also konnte er nur die lokalen Bauern unterdrücken. Der König aber konnte den Baron unterdrücken. Wenn man jemanden unterdrückt bedeutet das zumeist, dass man ihn dazu nötigt Dinge zu tun die er nicht tun möchte. Der Baron konnte die Bauern etwa dazu nötigen Steuern an ihn zu zahlen oder ihm andere Zuwendungen zu leisten. Der König aber konnte auch den Baron unterdrücken und ihn etwa nötigen seine eigenen Mannen für den Krieg des Königs zur Verfügung zu stellen. Jede Nötigung verläuft aber immer nur von oben nach unten. Daraus lässt sich auch ableiten wer oben ist.

Die Hierarchie der Macht war damals für jeden offensichtlich.

Heute ist das nicht mehr so einfach. Menschen werden noch immer unterdrückt. Basierend auf der Steuerlast könnte man sogar sagen, dass die Arbeiter und Bauern noch nie mehr unterdrückt wurden. Sie werden nur viel cleverer unterdrückt. Aber auch hier müssen wir tiefer gehen um zu verstehen.

Es gilt zu verstehen, dass auch der König nicht immun gegen Nötigung war, denn der König brauchte Kredite und wer auch immer ihm Geld borgte hatte den König in der Hand, vor allem wenn der Kreditor auch anderen Königen Geld geborgt hat. Diese Teile der Machtstruktur war schon damals nicht so offensichtlich. Auch religiöse Führer hatten ihre Hände im Spiel, später die öffentliche Meinung, Zeitungen und so weiter. Somit wurde auch der König genötigt. Aber natürlich nie so schlimm wie die Leute unter ihm. Es liegt es auf der Hand, dass jene die weiter unten in der politischen Nahrungskette standen jene über ihnen kaum dazu nötigen konnten etwas zu tun was diese nicht tun wollten, die einzige Ausnahme war, wenn eine andere mächtige Person ihnen eine Plattform gab um aufzubegehren. Zeitungen etwa.

Diese resultierenden Aufstände des Volkes aber standen dann natürlich niemals im Widerspruch zu den Zielen des Zeitungsinhabers. Die Leute unten konnten also weiterhin nur dann Macht ausüben wenn ein Mächtiger es ermöglichte. Sie hatten keine Macht sondern wurden und werden benutzt um Macht zu wirken.

Wenn die Kleinen also etwas bewegten, dann immer, wenn irgendwer mit Macht darin einen Sinn sah. Die sowjetische Revolution wäre im Keim erstickt, ohne das Geld aus Deutschland. Die Deutschen kauften sich so Frieden mit Russland. Wer ihnen diesen Frieden verkaufte war ihnen aber herzlich egal und welche Konsequenzen das für Russland haben wird war ihnen noch egaler.

Auftritt der Gesetze gegen Diskriminierung, Hassrede und dergleichen.

Die ganze Idee jeglicher Diskriminierungsgesetze ist, dass die Arbeiter und Bauern andere Arbeiter und Bauern unterdrücken und der König dem einen Riegel vorschieben muss.

Die Idee ist weiters, dass das die Mehrheit des Volkes eine oder mehrere Minderheiten im Volk unterdrückt, also diese verleumde, bestiehlt oder gar tötet.

Und dass solche Dinge passierten und passieren steht außer Frage.

Der Punkt ist aber, dass all diese Dinge die Leute da tun ohnehin verboten sind. Jemand der eine Person schlägt nur weil diese eine andere Hautfarbe hat ist genauso ein Verbrecher wie jemand der die andere Person schlägt, weil diese einen anderen Fußballverein mag. In beiden Fällen handelt es sich um ein Verbrechen.

Und hier kommt die Krux an der Sache: Diese Gesetze enden ja nicht dort, sondern gehen viel weiter. Manche Gruppen dürfen nicht kritisiert werden. So entstehen geschützte Gruppen die mehr Rechte haben als die Allgemeinheit. Verkauft wird es aber eben immer mit der Idee dass man die Minderheit davor schützen muss verprügelt zu werden. Dieser Schutz besteht aber, wenn prügeln verboten ist. Es ist also eine Lüge.

Im ersten Moment klingt das aber nicht so übel. Dann schützen wir eben kleine Gruppen die jeder schief ansieht. Und dann kommt man dahinter, dass diese Logik sehr selektiv angewandt wird. Manche Minoritäten werden unterstützt, manche geduldet und manche werden auch von staatlicher Stelle unterdrückt.

Die Glaubensgemeinschaft der Azteken etwa wird nicht gefördert, obwohl sie nicht wirklich mehr Blut fordern als andere Religionen die massiv gefördert werden.

Ob eine Minderheit gefördert wird oder nicht hängt also nicht wirklich von ihrer Verletzlichkeit ab, denn die Anhänger von Huitzilopochtli sind verletzlich, wenige und werden schief angesehen, wenn sie sagen wie ihre religiöse Praxis aussieht.

Wenn es also keine objektiven Maßstäbe gibt, wann eine Gruppe vor Kritik geschützt und wann sie unterdrückt werden soll, muss es subjektive Beweggründe geben.

Wenn es subjektive Gründe gibt steht die Frage im Raum wer diese Entscheidungen trifft. Und hier sind wir dann bei dem Begriff der Mächtigen und denen die Macht über die Mächtigen haben. Wir sprechen also über den Baron, den König und jene Personen die die Macht haben Könige und Barone dazu zu bringen etwas zu tun das sie selber nicht unbedingt aus eigenem Antrieb getan hätten. Es nimmt aber ganz sicher die Arbeiter und Bauern aus dem Rennen, denn das Volk macht keine Regeln. Es befolgt die Regeln die die Mächtigen machen.

Das führt also zu einer recht düsteren Schlussfolgerung: Minderheitenrechte erhalten jene die für die Mächtigen einen Nutzen stiften.

Das ist die Quelle.

Nicht Moral.

Nicht Anstand und schon gar keine objektiven Gründe.

Dieser Nutzen muss nicht, kann aber gegen das Interesse der Arbeiter und Bauern stehen. Das bedeutet auch dass die Sonderbehandlung sofort verpufft, wenn der Nutzen nicht mehr besteht.

Kann das Volk also Menschen unterdrücken? Natürlich. Das tut es auch. Aber geschützt werden durch die Könige, Führer und Regierungen nur die Personen die für die Schützenden, oder deren Hintermänner, einen Nutzen darstellen. Minderheiten die für die Mächtigen ein Problem werden könnten werden hingegen unterdrückt.

Diese Unterdrückung interessiert eher niemanden. Interessant für das Volk ist nur warum manche Gruppen mehr dürfen als sie und warum sie diese Gruppen nicht kritisieren dürfen.

Und der Grund ist eben offensichtlich: die unantastbaren Gruppen sind für die Mächtigen nützlich. Für den Moment jedenfalls. Diese Leute sind Werkzeuge in den Augen der Machthabenden, Werkzeuge deren man sich im Handumdrehen entledigen kann und wird, wenn es mehr Sinn macht das zu tun. Nach jeder Kommunistischen Revolution wurden viele die genau jene ermöglicht haben rasch zu Klassenfeinden erklärt und entsprechend unterdrückt. Mao bildet hier ein phantastisches Lehrbeispiel..

Minderheitenrechte sind ein Betrug.

Die beste Lösung wäre, wenn Justitia blind wäre und jeder gleich behandelt werden würde und wir uns von einem Großteil unserer moralischen Gesetze verabschieden würden. „Ehe für keinen“ würde etwa einen gigantischen Haufen von Fragen auf einen Schlag lösen.

Aber das wird nicht passieren. Das Ziel ist nicht Probleme zu lösen, sondern sorgfältig Risse und Kluften im Volk zu fördern.

Denn am Ende des Tages ist der wichtigste Nutzen für die Mächtigen, dass das Volk zerstritten bleibt. Und Minderheitenrechte sind eine eindrucksvolle Möglichkeit genau das zu erreichen.

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