Es ist immer wieder witzig bei Radikalen mitzulesen. Ein Freund aus dem linken Eck postete, zu meiner Verblüffung, den ausgezeichneten Artikel von Herbert Erregger „Greta Thunberg`s Eltern-„Knallharte Geschäftemacherei mit dem Klimaschutz".

Natürlich hagelte es sofort Kritik aus seinem links linken Freundeskreis.

Sachliche Kritik?

Natürlich nicht. Es wurde darauf verwiesen dass der Autor rechts sei, seine Quellen rechts sind und Fisch und Fleisch eine rechte Plattform sei. Was nicht verwundern darf. "Guten Morgen" zu sagen ist bekanntlich schon zu rechts für diese Leute.

Jede nachfolgende Debatte wurde natürlich abgewürgt.

Es wurde eingeworfen dass ein „ad hominem“ (Kritik am Verfasser, nicht an der Sache) kein Argument sei. Es ist immer unerheblich wer etwas sagt, relevant ist stets was gesagt wird.

Wenn es um Wahrheitsfindung geht.

Wenn es darum geht laut und deutlich zu sagen auf welcher Seite man steht und man an Sachthemen ohnehin kein Interesse hat, funktioniert das natürlich.

Diese Lebenseinstellung führt nur dazu dass man eine Sache lauthals kritisiert (etwa Kriege) und dann die gleiche Sache bejubeln muss weil ein Champion der eigenen Seite plötzlich Kriege vom Zaun bricht und trotzdem irgendwie einen Friedensnobelpreis bekommt.

Im Wesentlichen ist es der gleiche Mechanismus wie beim Fußball: der Arbeiter steht ohne wenn und aber hinter seinem Team, der Studierte hinter seiner Partei. Mit löblichen Ausnahmen in beiden Fällen, versteht sich.

Der fanatische Teamanhänger wird niemals eingestehen dass das andere Team besser ist, egal wie viele Fakten es belegen. Für diese Menschen steht Loyalität sehr weit oben in der Liste der Tugenden. Beim Parteigänger ist das genauso, vermutlich blitzen da die gleichen Synapsen wie beim Hooligan auf.

Die Politik ist für einen erheblichen Teil der Bevölkerung zu einem intellektuellen Fußballspiel verkommen. Man versammelt sich zum Derby, jubelt, brüllt, hofft, weint und kreischt, je nachdem wer gewinnt. Was dann passiert ist egal.

Was wir vergessen haben ist "was Demokratie ist":

Demokratie ist ein institutionalisierter Bürgerkrieg.

Alle paar Jahre kämpfen wir mit Worten und die Siegerseite herrscht für limitierte Zeit. Die Besiegten rüsten sich in dieser Zeit mit guten Argumenten für die nächste Schlacht.

Diese Methode erspart uns Bürgerkriege in denen Blut fließt. Der Bürger muss stets aufmerksam sein welche Ziele jede Seite verfolgt und seine eigenen Ziele mit den Zielen der Fraktionen gewissenhaft abgleichen und darf sich niemals davor scheuen die Seiten zu wechseln wenn die Seiten plötzlich ihre Ansichten verändern.

Loyalität blendet.

Politik wie Fußball zu behandeln, Parteien so treu wie Fußballvereinen zu sein, ist nicht nur dumm sondern gefährlich.

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