Krokodilstränen für Bergkarabach

Nachdem alles vorbei ist, vergießt der Spiegel ein paar Krokodilstränen für die Armenier von Bergkarabach.

Vor der Übergabe an Aserbaidschan verlassen Tausende Armenier die Region Kelbadschar in Bergkarabach. Viele zünden ihre Häuser an, um dem Feind nichts zu lassen.

Petrosian ist wütend, wütend auf die Russen, die seiner Meinung nach den Armenier im Konflikt mit Aserbaidschan nicht genügend beigestanden hätten, und auf die Aserbaidschaner sowieso, »das sind ja gar keine Menschen«.

Der Hass, der aus den Worten des Pädagogen spricht, gärt seit dem Zerfall des Zarenreichs vor hundert Jahren und ist mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den Neunzigerjahren eskaliert. Beide Seiten, Armenier und Aserbaidschaner, stehen sich in tiefer Abneigung gegenüber. Und überschütten sich mit Vorwürfen. Der nun von Aserbaidschan gewonnene Krieg ist bloß die jüngste, aber wohl kaum die letzte Episode dieser Feindschaft.

Vor 20 Jahren war Artik nach Kelbadschar gekommen, um nach dem ersten Krieg örtliche Schule aufzubauen. Zuvor waren rund 60.000 Aserbaidschaner von den siegreichen Armeniern binnen weniger Tage vertrieben worden. Die Berichte der fliehenden Familien, die, teils unter Beschuss, im Spätwinter 1993 über eine verschneite Passstraße entkommen mussten, klingen grausam. Nun sinnen die siegreichen Machthaber in Baku auf Geschichtsbereinigung und Revanche.

Quelle: Spiegel

Während man am Balkan klar Partei für die vertriebenen Muslime ergriffen hatte, übt sich der Spiegel bei Bergkarabach in kühler Äquidistanz. Die Verachtung des Spiegels für die schlechten armenischen Verlierer, die aus lauter Hass auf die siegreichen Rächer aus Baku ihre eigenen Häuser angezündet hätten, ist kaum zu übersehen.

Als Schuldige für die arminische Niederlage werden die treulosen Russen genannt. Dass sich Armenien 2018 die EU als vermeintliche Schutzmacht erwählt hatte, wird vom Spiegel hingegen mit keinem Wort erwähnt. Auch wenn es nicht für Putins Charakter spricht, dass er die Armenier von Bergkarabach wegen der prowestlichen Politik in Jerewan abstrafte, ist es schäbig von der EU und ihren Systemmedien, sich so aus der eigenen Verantwortung gegenüber den EU-orientierten Armeniern zu stehlen.

Während die schlechten christlichen Verlierer aus Bergkarabach für den Spiegel natürlich keinen Grund für eine westliche Intervention darstellen, stimmt sich der Spiegel erwartungsvoll auf eine Verlängerung des unter Obama begonnenen Kriegs diverser Jihadisten gegen das "System Assad" durch Biden ein.

Das System Assad

Seit einem halben Jahrhundert herrscht die Dynastie der Assads über den Wüstenstaat. Wie konnte sie ihr Volk so lange unterjochen?

Quelle: Spiegel

Dann könnte man den USA nach den mageren Trump-Jahren wieder mit schonungsloser Kritik an ihren Interventionen zur Seite stehen und die Welt wäre für das „System deutscher Journalismus“ wieder in Ördnung.

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