Wäre Paris in Texas, hätte es weniger Tote gegeben.

Nehmen wir einmal kurz an, jener Bataclan-Konzertsaal, in dem jüngst unter lautem „Alluh-Akbar“-Gebrülle Terroristen ein Massaker angerichtet haben, wäre nicht in Paris gelegen, sondern zum Beispiel im texanischen Dallas.

Dort ist es – ganz anders als in Europa – durchaus üblich, dass Bürger auch im Alltag Schusswaffen bei sich tragen. Deshalb wären den drei Terroristen, die in Paris hunderte unbewaffnete Menschen zuerst als Geiseln nehmen konnten und danach in aller Ruhe abschlachteten, mit hoher Wahrscheinlichkeit in Dallas Dutzende von Bewaffneten und trainierten Schützen im Publikum gegenüber gestanden.

Es lässt sich naturgemäß nicht beweisen – aber allen Gesetzen der Logik und der Lebenserfahrung folgend hätten diese bewaffneten Bürger den drei Terroristen wohl ziemlich schnell das Lebenslicht ausgeblasen.

Das heisst: wäre im Publikum des Bataclan eine ausreichende Zahl bewaffneter Bürger gesessen, wäre die Anzahl der Toten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich niedriger gewesen, als sie es in der französischen Realität dann leider war.

Dergleichen Überlegungen anzustellen, gilt freilich in Europa noch immer als irgendwie anstößig, wo man sich längst damit abgefunden hat, dass der Staat seine Bürger entwaffnen darf, was die Mehrheit der US-Amerikaner nicht einmal im Traum akzeptieren würde.

So lange die europäischen Gesellschaften vergleichsweise friedvoll, gewaltfrei und durch eher niedrige Kriminalitätsraten charakterisiert waren, mag das ja auch noch halbwegs in Ordnung gegangen sein. So lange die Polizei tatsächlich im Stande ist, die Bürger zu schützen, wiegen möglicherweise die Nachteile privater Bewaffnung, wie sie in den USA ja auch zu studieren sind, möglicherweise schwerer als das Bedürfnis einzelner, sich selbst robust zu schützen.

Doch spätestens seit dem 13.November ist diese Fiktion vom Staat, der seine Bürger ausreichend gut beschützt, ziemlich zerzaust. Und gibt es in den nächsten Jahren, was wahrscheinlich ist, eine Welle islamischen Terrorismus in Europa, dann werden die Zustände immer mehr jenen in Israel gleichen, das ja seit seiner Gründung mit derartigen Terrorwellen leben muss.

Und damit unter anderem auch bis zu einem gewissen Grad zu leben gelernt hat, indem die Bewaffnung der Bürger längst ganz normal geworden ist und von der Politik sogar gutgeheissen wird.

In dem Ausmaß, in dem Europa wie Israel wird, wird sich wohl auch das Verhältnis der Europäer zu privaten Bewaffnung jenem der Israelis annähern.

Man mag das bedauern, aber davon verschwindet die Wirklichkeit ja bekanntlich nicht.

Um so bizarrer ist, dass die Europäische Union, offenbar in einem Zustand tiefster geistiger Umnachtung, als Reaktion auf den Terror von Paris eine weitere Einschränkung des privaten Waffenbesitzes beschlossen hat. Das ist insofern bemerkenswert, als sich die Pariser Terroristen ihre Waffen natürlich wie alle Terroristen dieser Welt schwarz und illegal organisiert hatten; in Brüssel kann man mit 500 Euro am Schwarzmarkt innerhalb einer halben Stunde eine AK-47 oder dergleichen erwerben. Privaten Waffenbesitz weiter einzuschränken oder gar zu verbieten kostet Terroristen deshalb höchstens ein müdes Lächeln, schränkt ihre Entfaltungsmöglichkeiten aber genau gar nicht ein.

Dass bis an die Zähne bewaffnete Terroristen auf eine Bevölkerung losgehen, der die eigene Regierung die letzte Spritzpistole weggenommen hat, ist für die Zukunft keine wirklich erbauliche Aussicht. Regierungen, die zu lassen, dass die Sicherheitslage Europas immer mehr jener Israels gleicht, werden tolerieren müssen, dass sich die Europäer wie die Israelis notfalls auch robust selbst verteidigen können.

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