100 %, das ist die Angabe die den Grad meiner Behinderung bezeichnet. Ich bin nicht in meiner Bewegung eingeschränkt, jedoch in meiner Nahrungsaufnahme.Durch eine überstandene Krebserkrankung in der Mundhöhle kann ich nicht mehr richtig kauen und schlucken. Was im normalen Alltag schon eine große Herausforderung ist, erweist sich auf Reisen oft als Hindernislauf. Speiselokale reserviere ich oft schon im Voraus , indem ich die Menükarten vorher studiere und bei der Reservierung auf meine Problematik hinweise. Das ist dann öfter mit einem Mailverkehr verbunden, um ein Menü abzuklären, wenn es sich um ein hochwertiges Restaurant handelt.

Dazu muss ich erklären, dass ich Reis, Nudeln, Salate, festes Gemüse und Obst und fasriges Fleisch, um einiges zu erwähnen, nicht essen kann.Das schränkt die Auswahl wirklich sehr ein. Vor allem kann ich auch kein Brot essen, was die Option Sandwich, Burger und sonstige Snacks von vornherein ausschließt. Und das sind genau Speisen die man auf Reisen als schnellen Snack zu sich nimmt. Manchmal finde ich sogar Speisekarten auf denen rein gar nichts für mich passend ist. Natürlich kann man sich diverse Speisen pürieren lassen, über den Geschmack möchte ich mich dazu nicht äußern. Selbst das ist nicht immer möglich, nämlich dann, wenn der Wirt sich schlicht weigert. Dann bleibt der Weg in ein Lebensmittelgeschäft, um ein Joghurt oder einen Aufstrich zu kaufen. Ja, so etwas ist mir auch schon passiert, trotz bester Vorausplanung.

Längere Zugsfahrten überbrücke ich mit mitgebrachter Jause. Das ist oft Joghurt, Pudding oder auch eine dicke Suppe in einem Trinkgefäß. Meist habe ich auch Smoothies in der Handtasche. Und Schokolade, als Energiespender. Über den Gesundheitsaspekt möchte ich hier auch nicht diskutieren.

AUTO- UND ZUGSREISEN MIT ESSBEHINDERUNG

Autofahrten über eine längere Strecke sind das geringste Problem, die funktionieren mit einem kleinen Snack, oder einem Stop in einer Raststation,denn dort bekommt man zur äußersten Not auch Babykostgläschen.

Die wohl größte Herausforderung sind aber Flugreisen. Selbst innerhalb von Europa. Ich muss dazu erwähnen, dass ich nur sehr kleine Mengen zu mir nehme und auch sehr lange zum Essen benötige. Das bedeutet, dass ich mehrmals täglich essen muss. Oft habe ich nach zwei Stunden oder auch früher schon wieder richtig Hunger. Auf Kurzstrecken gibt es für mich nichts, denn die angebotenen Snacks sind einfach nicht passend. Zu bröselig, zu hart, zu fest, wie auch immer. Das große Problem ist schlicht, dass ich nichts in flüssiger oder breiiger Form mit an Bord nehmen kann, so wie etwa in den Zug. Kein Johgurt, kein hochkalorisches Getränk, keine Smoothies und auch keine dicke Suppe.Selbst Babygläschen sind Passagieren unter drei Jahren vorbehalten. Medizinische Attests gelten normalerweise nur für Kost aus der Apotheke. Wer sich jemals davon ernähren musste, wird verstehen, dass ich gerne darauf verzichte. Es ist sogar auf vielen Flughäfen äußerst schwierig eine passende Mahlzeit zu finden, denn auch dort findet man fast nur Snacks vor, die für mich nicht essbar sind.

FERNREISEN MIT ESSEINSCHRÄNKUNGEN

Nun mache ich mich bald auf zu meine erste großen Fernreise seit meiner Erkrankung vor fast fünf Jahren. Es geht nach Singapur. Und seit vielen Tagen bin ich mit der Planung beschäftigt, obwohl die Reise selber durch Singapore Tourism bereits für mich in allen Details vorbereitet wurde. Bei meiner Planunghabe ich glücklicherweise festgestellt, dass der Carrier Singapore Airlines tatsächlich zwei verschiedene Menüs für Dysphagie-Patienten als Sonderkost anbietet. Einmal dickflüssig und als zweite Variante breiig. Ich war nämlich schon geneigt, Babykost zu bestellen, denn 13 Stunden ohne Essen ist nun wirklich nicht möglich. Ich bin sehr erstaunt welche Sonderkostformen noch angeboten werden. Selbst Fluggäste mit Magenproblemen finden dort eine eigene Schonkost. Das ist wirklich sehr vorbildlich. Ich habe auch noch einige andere Fluflinien mit derartigen Angeboten gefunden.

Alle Lokalbesuche in Singapur wurden bereits im Vorfeld abgeklärt und ich bin schon sehr gespannt, was ich da alles auf meinen Tellern vorfinden werde. Einiges weiß ich bereits, weil mir von den jeweiligen Lokalen vorab eigene Menüfolgen zugesandt wurden.Das bedeutet natürlich auch für die Lokale einen erheblichen Mehraufwand.

Man kann erkennen, wie aufwändig es ist, mit Behinderung, in welcher Form auch immer, zu verreisen. Mit Esseinschränkungen auf Reisen zu gehen, muss genauso geplant werden, wie mit einer Mobilitätseinschränkung.

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G. Szekatsch

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