Während der serbischen Belagerung von Sarajevo 1992 bis 1995 haben ausländische Jäger regelrechte "Menschensafaris" gemacht: Sie kamen gemeinsam mit der serbischen Armee, dann schossen sie von den Höhen über der Stadt auf wehrlose Menschen: Erwachsene, alte Menschen und Kinder. Es wurde sogar ein Begriff für solche Menschenjagden geschaffen: "Dunkler Tourismus".
Ein Verdächtiger wurde nun in der italienischen Region Friaul gefunden, er steht unter Mordverdacht. Gefunden wurde der inzwischen 80-jährige Mann, weil er offenbar schon länger öffentlich mit seiner mörderischen "Jagden" regelrecht geprahlt hatte – doch erst jetzt beginnen offizielle Untersuchungen der Staatsanwaltschaft.
Der Verdächtige ist auch ideologisch einschlägig bekannt. Laut italienischen Medien ist der Mann ein stadtbekannter Faschist. Personen, die ihn kennen, beschreiben ihn laut der italienischen Zeitung "Il Gazzettino" als "verabscheuungswürdig, extrem bösartig und sehr ängstlich: ein rechtsextremer Katholik, der es liebte, öffentlich zu verkünden, dass er das schwarze Hemd [der Faschisten] wie eine Flagge trug."
Doch es muss noch viel mehr Täter geben. Aufgedeckt hatte den Fall der Schriftsteller Ezio Gavazzeni. Laut dem Mailänder beteiligten sich auch Bürger aus Österreich und Deutschland an den "Menschen-Safaris" in Sarajevo. "Jedes Land, auch Österreich, sollte Ermittlungen einleiten, wie wir es in Italien getan haben. Jedes Land sollte seine Hausaufgaben machen", so Gavazzeni zur APA.
Und niemand sollte sich wundern, wenn auch in Österreich, Deutschland oder der Schweiz bekannte Faschisten und Nazis unter den Tätern sind. Denn diese brutalen Morde sind kein Ausnahmefall. Genau das ist der menschenverachtende Faschismus.