Anfang der 2000er Jahre: In einem noblen Stadthaus in Manhattan gibt Jeffrey Epstein exklusive Abendessen für eine illustre Runde – Nobelpreisträger, Harvard-Professoren, die weltweit führenden Genetiker. Zwischen Wein und Konversation skizziert er seinen Plan: Auf seiner 7.500 Hektar großen Ranch in New Mexico will er 20 Frauen gleichzeitig mit seinem Sperma schwängern, eine neue Generation erschaffen, die seine DNA trägt. Die Gäste lachen, halten es für ein skurriles Gesprächsthema. Doch ein Wissenschaftler durchschaut bald die Absicht: „Es war kein lockeres Gespräch. Es waren Vorsprechen.“ Epstein suchte gezielt – schöne Frauen mit Doktortiteln, alles nach Plan.
Ein anderer Gast hört, wie Epstein von Kryonik spricht: Sein Kopf und bestimmte Körperteile sollen nach dem Tod eingefroren werden, für eine mögliche Auferstehung. Ein Harvard-Genetiker stellt ihn einem Arzt vor, der ihm exklusive Genbearbeitung per CRISPR anbietet: „Nur für Jeffrey.“
In den abgelegenen Weiten von New Mexico, fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit, entstand ein Ort, der nicht nur als privater Rückzugsort, sondern auch als Schauplatz ambitionierter und zugleich abgründiger Pläne diente. Hier, umgeben von karger Wüstenlandschaft und abgeschirmt von neugierigen Blicken, entwickelte ein einflussreicher Finanzier Visionen, die weit über persönliche Bereicherung hinausgingen. Sein Anwesen, eine Mischung aus Luxusresidenz und wissenschaftlichem Experimentierfeld, zog nicht nur Prominente und Wissenschaftler an, sondern diente auch als Ort, an dem Macht, Wissenschaft und ein tief verwurzelter Glaube an die Manipulation menschlicher Biologie aufeinander trafen.
Der Finanzier, dessen Name heute vor allem mit Skandalen und ungelösten Fragen verbunden wird, pflegte enge Kontakte zu führenden Wissenschaftlern und Intellektuellen. Sein Interesse galt dabei besonders der Idee der genetischen Determinierung – einem Konzept, das bis in die Zeit der Eugenik zurückreicht und in bestimmten Kreisen der Superreichen bis heute Anklang findet. Er träumte davon, eine Art „Zuchtstation“ zu errichten, auf der gezielt Kinder gezeugt und nach seinen Vorstellungen erzogen werden sollten. Diese Pläne, die an dystopische Science-Fiction erinnern, waren jedoch kein isoliertes Hirngespinst. Sie spiegelten vielmehr ein breiteres Phänomen wider: den Glauben einiger Eliten, dass menschliche Entwicklung durch gezielte Selektion und technologische Eingriffe gesteuert werden könne.
Doch hinter der Fassade wissenschaftlicher Neugier und philanthropischer Gesten verbarg sich ein System der Ausbeutung und des Schweigens. Das Anwesen war nicht nur ein Ort der Abgeschiedenheit, sondern auch ein Ort der Kontrolle. Opfer berichteten später von einer Atmosphäre der Überwachung und der ständigen Präsenz von Machtgefällen. Gleichzeitig nutzte der Finanzier seine Verbindungen, um sich mit einem Netzwerk aus Einfluss und Schutz zu umgeben. Wissenschaftler, die seine Unterstützung suchten, fanden sich in einem Umfeld wieder, in dem finanzielle Förderung mit moralischen Kompromissen einherging.
Bereits 1996 meldet die Schwester eines Mädchens, das auf der Ranch war, einen Vorfall beim FBI. Doch es passiert nichts. 2019 stirbt Epstein im Gefängnis. Das FBI durchsucht seine Häuser in Manhattan, auf seiner Insel, in Paris – doch die Ranch? Nie. Nicht ein einziges Mal.
Drei Monate später erreicht das FBI eine E-Mail: Jemand behauptet, konkrete Kenntnisse über die Ranch zu haben, über das, was unter der Wüste verborgen liegt. Das FBI notiert es – und legt es ad acta. Keine Grabung, keine Nachforschung.
Das Paar, das die Ranch zwei Jahrzehnte lang führte, verschwindet sofort nach Epsteins Tod. „Wir fürchten um unser Leben“, sagen sie noch. Oder sind sie schon tot? Und die Wissenschaftler? Sie lehren weiter, forschen weiter, bearbeiten Gene in Harvard.
Doch es gibt etwas, das die Jury hörte: Was Epstein 2014 einem Forscher über die medizinische Einrichtung auf der Ranch sagte. Und warum wird niemand dieses Grundstück je ausgraben?