Seit gut zwei Jahren ist das Thema Flüchtlinge und Asyl hier auf FuF allgegenwärtig. Es gibt in diesem Zusammenhang auch Beiträge und Kommentare zu lesen, die einen oft nur mehr den Kopf schütteln lassen.

Auch ich habe einige Artikel rund um meine Erfahrungen mit Flüchtlingen hier geschrieben. Irgendwann hatte ich beschlossen, mich dazu nicht mehr öffentlich zu äußern, weil die Reaktionen darauf oft in eine Richtung gingen, die mich eigentlich dazu veranlassen hätten sollen, rechtliche Schritte gegen User einzuleiten. So wurde mir auch schon empfohlen *Mich von einem Eselficker einmal richtig durchvöglen zu lassen* und weiters wurde mir auch unterstellt, ich würde junge Mädchen für Flüchltinge suchen, weil ich selber nicht mehr in der Lage sei, mich von ihnen ficken zu lassen. Ja, so konnte man es im Originalton lesen.

Heute möchte ich trotzdem noch einmal Stellung nehmen. Es geht nicht darum, wie ich zu dieser Gesamtsituation rund um Asyl und Flucht stehe, die ist durchaus kritisch. Ich möchte viel mehr einen kleinen Einblick in meine persönlich, momentane Gefühlswelt in diesem Zusammenhang gewähren.

Ein Jahr lang habe ich trotz meiner Spracheinschränkung in einem Flüchltingsquartier hier in Salzburg, das inzwischen einer großen Baustelle gewichen ist, einmal wöchentlich ein zweistündiges Sprachtraining geleitet. Viele Männer habe ich kommen und gehen gesehen. Ich habe versucht, mir wenig Gedanken zu machen, was mit jenen geschehen ist, die nicht mehr erschienen sind. Es war schnell zu erkennen, wer persönlich an Integration interssiert ist und wer gar nicht. Interessanterweise waren jene, die eigentlich kein Recht auf Asyl haben, am wenigsten bis gar nicht beim Sprachtraining präsent. Jene Nordafrikaner, die gerne als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet werden, aber von ihren Heimatländern nicht retourgenommen werden.

Natürlich gab es auch Asylwerber zu denen ein engerer Kontakt enstand. Aus den vielen Trainees sind fünf geblieben, die auch nach der Schließung des Hauses relativ regelmässig zu mir zum Konversationstatraining gekommen sind. Alle sprechen inzwischen fließend Deutsch und haben einen B2 Sprachlevel erreicht. Zwei davon haben einen Status als anerkannter Flüchlting und haben auch Arbeit gefunden. Einer wartet nach mehr als zwei Jahren immer noch auf ein Interview. Zwei haben ihr Interview hinter sich.

Und nun ist für mich das erste Mal die Ablehnung eines Antrages greifbar geworden. Der Betreffende ist ein junger Afghane, einer verfolgten Minderheit zugehörig und arbeitete als Soldat auch mit der deutschen Bundeswehr zusammen. Mehr Details möchte ich hier nicht preisgeben. Sollte er tatsächlich abgeschoben werden, dann ist das ein sicheres Todesurteil.

Ja, ich weiß, solche Geschichten liest man täglich. Ich möchte hier auch keine Lobpreisungen auf den jungen Mann loslassen, obwohl ich das tun könnte. Ich bin nur fassungslos, wortlos und erschüttert, weil das Thema Abschiebeung plötzlich in meine Leben getreten und ganz nahe gekommen ist. Wird man in den Medien damit konfrontiert, dann ist das so weit weg und nicht spürbar.

Es macht mich ziemlich hilflos, weil ich in dieser Vorgehensweise keinerlei Gerechtigkeit erkennen kann. Wie ist es möglich, dass ein Beamter willkürlich, ohne wichtige Zeugen zu hören, was hier der Fall war, einen Bescheid negativ beurteilt?

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Ereignishorizont

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Pipa

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G. Szekatsch

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