Es gibt keine dummen Fragen? Zur Zeit macht eine gemeinsame Anfrage an die Fraktionen des deutschen Bundestages die Runde, die das Gegenteil beweist - gestellt von

Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Medizinische Mikrobiologie, Universität Mainz

Prof. Dr. Stefan Hockertz, Toxikologie/Immunologie, tpi consult GmbH, Bollschweil, ehem. Univ. Hamburg

Prof. Dr. Stefan Homburg, Volkswirtschaftslehre, Universität Hannover

Prof. Dr. Werner Müller, Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Mainz

Prof. Dr. Dr. Harald Walach, Psychologie, Universität Witten-Herdecke.

NickyPe/pixabay https://pixabay.com/de/photos/corona-maske-frau-person-virus-5008824/

Die komplette Anfrage ist hier nachzulesen.

Ja, beschämend, dass Professoren angesichts der erfolgreichen Corona-Maßnahmen überhaupt auf so etwas kommen können. Ich gehe hier auf einzelne Punkte ein. In dem Schreiben heißt es unter anderem:

Die sich in dieser Situation aufdrängende Problemlösung, über eine fortschreitende Infektion eines überwiegenden Teils der Bevölkerung eine Herdenimmunisierung zu erreichen, wurde anscheinend ohne jede Prüfung verworfen.“

Völliger Unsinn, da dieses Szenario selbstverständlich in mehreren Modellrechnungen längst überprüft worden ist, z.B. vom Imperial College in London. Das RKI hat erst vor ein paar Tagen wieder darauf hingewiesen, dass die Forderung nach einer kontrollierten Herdenimmunität „gefährlich“ und „naiv“ ist.

„Die psychischen Schäden lassen sich wirtschaftlich kaum quantifizieren. Die Schließung von Schulen, Kindertagesstätten und Spielplätzen schädigt unsere Kinder. Ihre Lernmotivation wird geschädigt und sie verlernen soziales Verhalten.“

Die getroffenen Maßnahmen sind für fast alle eine Belastung. Wären keine Maßnahmen getroffen worden, wären die Belastungen aber um ein Vielfaches höher gewesen - auch für Kinder, deren Lieblingslehrer womöglich auf der Intensivstation gelandet wäre oder die in ihrem Kindergarten den Tod einer Gruppenleiterin hätten betrauern müssen.

„Weil es mit der Herdenimmunisierung ein geeignetes und minder schweres Mittel gibt, wie Schweden, Südkorea oder Taiwan beweisen, sind die Maßnahmen der Regierung unzulässig.“

Schweden hat - gemessen an der Einwohnerzahl - mittlerweile die siebthöchste Sterberate und das Vereinigte Königreich ist ein weiteres Negativbeispiel dafür, was passiert, wenn man die Epidemie erstmal einfach so laufen lässt. Südkorea und Taiwan setzen in ihrem Kampf gegen die Pandemie weniger auf Herdenimmunisierung, sondern ebenfalls auf „soziale Distanz“ (Beschränkungen für Kirchen, Unterhaltungseinrichtungen, Sportveranstaltungen) sowie einem ausgeklügelten, sehr drastischen Kontroll- und Überwachungssystem, welches in Deutschland schon allein aus Datenschutzgründen völlig undenkbar ist.

Überhaupt lässt sich bereits jetzt überall auf der Welt verfolgen, welche katastrophalen Auswirkungen eine sogenannte Herdenimmunisierung auf die Übersterblichkeit haben könnte. Trotz eingeleiteter Schutzmaßnahmen sterben derzeit in Paris täglich doppelt so viele Menschen wie normalerweise, in New York gibt es inzwischen sogar 6 x so viele Tote.

„Wir zweifeln an, dass es überhaupt eine besondere Bedrohung der Bevölkerung und selbst der Risikogruppen gibt.“

Absurde Feststellung angesichts der dramatischen Zahlen aus Italien, Frankreich, Spanien, den USA und dem Vereinigten Königreich (Link siehe oben).

„In der Zeit vom 01.01. bis 04.03.2017 sind im zeitlichen Zusammenhang mit einer Grippewelle in der Altersgruppe ab 80 Jahren 25.243 Personen mehr gestorben als im gleichen Zeitraum des Jahres 2016, in dem vom Robert-Koch-Institut keine Grippewelle registriert wurde, wobei zur Vergleichbarkeit der 29.02.16 nicht berücksichtigt wurde.“

Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, denn bei den angeblichen Grippetoten handelte es sich um eine bloße Schätzung. Tatsächlich gemeldet waren nur 1.674 Grippe-Todesfälle. Wir haben aber lt. Johns Hopkins University bis heute bereits 6.736 Corona-Todesfälle in Deutschland zu verzeichnen.

„Wenn bei über 25.000 Toten überhaupt keine Bedrohung vorgelegen hat, dann wird eine besondere Bedrohung wohl frühestens bei der dreifachen Anzahl* vorliegen können.“

Siehe oben. Mittlerweile haben wir hier so gerechnet sogar schon die vierfache Anzahl an Toten und es werden täglich mehr.

„Die Verlängerung einer Sterbephase ist kein überragend wichtiges Gemeinschaftsinteresse! Sie widerspricht wahrscheinlich sogar dem Interesse der Sterbenden. Eine Lebensverlängerung um ein Jahr reicht nicht aus.“

Kein Arzt dieser Welt kann für sich beanspruchen, den Todeszeitpunkt eines Patienten bestimmen zu können. Die Idee, man könne bei alten oder vorerkrankten Menschen schon ein Jahr vor dem Tod eine Sterbephase feststellen und ihnen deshalb von vornherein ein weiteres Lebensrecht absprechen, da das Gemeinschaftsinteressse (eine florierende Wirtschaft) höher zu bewerten wäre als ihre „Lebensverlängerung“, ist nicht nur zutiefst menschenverachtend in Hinblick auf Alte und Vorerkrankte, sondern auch in Hinblick auf eine derartige Gemeinschaft an sich. Ich möchte jedenfalls nicht in einer Gesellschaft leben, in der wirtschaftliche Interessen höher stehen als das menschliche Leben.

„Bei einem wirtschaftlichen Schaden von 1.000 Mrd. € wären das 5.000 € pro gerettetem Lebenstag, und das wahrscheinlich bei stark eingeschränkter Lebensqualität. Diese hohen Kosten sind durch nichts zu rechtfertigen.“

Siehe oben. Mal ganz abgesehen davon, dass wir einen noch viel höheren wirtschaftlichen Schaden hätten, wenn reihenweise FacharbeiterInnen, Ärzte und Ärztinnen und andere Angestellte in systemrelevanten Berufen schwer erkranken und sterben werden.

Es folgen abschließend vier Fragen nach

- der Entscheidung gegen die Herdenimmunität

- der Sterblichkeit

- der Rechtfertigung für hohe wirtschaftliche Schäden

- der Schließung von Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und Hochschulen.

Die Professoren empfehlen, ihren unausgegorenen Text mit einem kurzen Satz wie „Ich schließe mich den Fragen der 5 Lockdown-kritischen Professoren an.“ an die Bundestagsfraktionen zu schicken. Nichts liegt mir ferner. Ich habe meine Antworten längst gefunden und es ist mir ein Rätsel, warum Prof. Bhakdi und Co. darauf noch nicht selbst gekommen sind.

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