Wenn Werner Faymann absagt, obwohl es nun wirklich jede Menge zu sagen gäbe und Franz Voves ausrichten lässt, sein Rücktritt sei der letzte offizielle Auftritt gewesen, wenn also aktuell nichts geht, dann heißt es, erfinderisch sein. Wer hat bald einen runden Geburtstag, wer steht schon 40 Jahre am Fließband oder auf der Bühne, gibt es ein Glückskind oder vielleicht sogar einen Pechvogel der Woche? Und dann fällt mir ein: Diesen Sonntag ist ja Vatertag!

Ich lasse alle Väter-Interviews meines journalistischen Lebens Revue passieren. Unfassbar traurig das Gespräch mit jenem jungen Vater aus Hernals, dessen Sohn Kevin vom Lebensgefährten der Mutter zu Tode geprügelt wurde. Malerfürst Ernst Fuchs, der 16 Kinder von sieben Frauen hat, erzählte mir, dass ihn seine Kinder „Mapa“ nennen. Hannes Androsch outete sich im Interview mit mir als späten Vater (Gregor kam auf die Welt, als er 60 war). Highlight: Der damals 15jährige Sohn erklärte ausführlich, warum er lieber nicht Androsch heißen möchte...

Also, sage ich zu meinen Kolleginnen M. und I., wen machen wir? Wenn es besonders brenzlig für eine von uns dreien wird, sprechen wir als Zeichen der Solidarität in der „Wir“-Form und eine von uns legt der Ärmsten von uns am Freitagvormittag ein Trostweckerl auf den Schreibtisch.

Also ein Vatertags-Interview mit Niki Lauda könnte ich sogar schreiben, ohne noch mehr als 10 Minuten mit ihm zu telefonieren. Aber das war erst 2012 ein Renner – damals waren die Zwillinge Max und Mia noch drei. Jungdaddy Marco Arnautovic wär‘ nicht schlecht, aber der ist in Moskau und sicher nicht für Privates zu haben vor dem Ländermatch. Hermann Maier vielleicht? Sein Manager winkt ab – es laufen da ein paar Prozesse, und solange das nicht ausgestanden ist, wären persönliche Statements kontraproduktiv.

Und so bin ich auf Papa Alaba gekommen. Nigerianischer Einwanderer, erster Schwarzer beim österreichischen Bundesheer. Vater des Rekordnationalspielers David Alaba. Meine wunderbaren Kollegen vom Sport (danke, Bobby!) organisieren ein Treffen am Samstag um 10 Uhr in der Seestadt Aspern. Das ist ungefähr der letzte überhaupt noch denkbare Termin, wenn die „Krone“-Abendausgabe pünktlich auf die Straße kommen soll. In einem Festzelt wuseln George und seine Frau Gina, eine ehemalige philippinische Schönheitskönigin, herum. Ihre Tochter Rose wird in wenigen Stunden dort auftreten – und die Eltern sind dementsprechend aufgeregt.

George schüttelt mir die Hand und sagt, wie sehr er sich freut. Er hat funkelnde schwarze Augen und lacht die ganze Zeit. Was für ein positiver Mensch!

Berührend seine Erinnerungen an den kleinen David, der immer nur sprinten und Ball spielen wollte und darüber sogar das Mittagessen vergaß. Der Rat des Vaters, nicht traurig zu sein, wenn er für das Spiel gegen Russland noch nicht fit genug sein sollte. „Das wird da oben entschieden“, sagt George, der wie alle Alabas den bibeltreuen „Siebenten-Tags-Adventisten“; einer Christenkirche, angehört, und deutet hinauf zum Himmel.

Und dann kam der Moment, wo ich ihm die eine, wichtige Frage stellen musste: Was empfinden Sie beim Anblick der Bootsflüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Europa kommen wollen und hier in Zelten landen, weil sich die Länder nicht über die Verteilung einigen können? George Alaba, der es gewöhnt ist, den Erfolg des Ausnahmekickers David Alaba in allen Facetten zu erklären, hielt inne. Dann sagte er, das sei erschreckend, nicht zu begreifen, und erinnere ihn daran, wieviel Glück er 1984 gehabt habe. Und dass nicht alle Einwanderer so viel Glück haben, und deshalb müsse man ihnen nach Kräften helfen (die Alabas spenden an verschiedene Hilfsorganisationen, George meinte aber, damit wolle er nicht in der „Krone“ prahlen).

Es tat gut zu sehen, wie David Alabas Vater mir auf eine andere Ebene des Gesprächs gefolgt war. Ob es ihn störe, in Österreich auch von der Politik als „Vorzeige-Migranten“ vorgeführt zu werden? George schüttelte den Kopf. Seine Meinung wird vielen nicht gefallen und hilft den Bootsflüchtlingen kein bisschen, aber sie zeugt von großer Demut: „Nein, das stört uns nicht. Ich glaube, dass wir ein Beispiel dafür sind, dass Anpassung und Einsatz sich lohnen. Integrationsminister Sebastian Kurz hat mich einmal gefragt, was meine Strategie damals war. Ich habe ihm gesagt, dass ich erst mal Deutsch gelernt habe. Mein Rat an Einwanderer: Schaut nicht, was ihr vom Land bekommen könnt, sondern was ihr ihm geben könnt.“

Übrigens: Ich war um punkt 12 in der Redaktion, um 13 Uhr hatten meine Studenten Krystian und Max das Interview transkribiert, um 14 Uhr war das Layout fertig, um 15 Uhr der unautorisierte Text. Danke, Krone, dass ich bis 15.40 Uhr überziehen durfte. Und: Es geht ja doch immer irgendwie, vor allem wenn Vatertag ist.

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