Wie Armin Assinger mich herausforderte

Ich bin jetzt – so wie mit Niki Lauda – auch mit Armin Assinger per du. Und das kam so: Zwischen Islamisten-Hysterie, Schmuse-Empörung und dem ganz normalen Redaktions-Wahnsinn inklusive Nullnummernproduktion poppte ein Mail des ecowin-Verlags bei mir auf. Mit Sperrfrist 18. 1. 2015 erscheine ein Buch des ORF-Publikumsjokers, das sich wie eine Motivationsspritze für das neue Jahr anfühle. Titel: „Bergab und doch Bergauf." Klingt irgendwie nach Mission Impossible. Nachdem die Prückel-Wirtin kniff und Claudia Bandion Ortner noch nicht zurückgetreten war, begann ich, mich innerlich auf ein Gespräch mit Armin Assinger zu freuen. Ganz wichtig - das war schon das Geheimnis von Kardinal König: Der Mensch, zu dem du sprichst, ist der einzige und wichtigste Mensch in dem Moment, er verdient all dein Interesse, deine Empathie, deine Zeit. Für mich gilt das schon im Vorfeld. Wenn ich weiß, dass ich ein Interview mit Armin Assinger führen werde, gehört meine Zeit schon vorher ihm. Ich lese natürlich sein Buch. Ich denke - ob in der "Krone", U-Bahn, beim Kochen oder auf der Zugfahrt nach Kärnten - über Themen nach, die meine  Leserinnen und Leser - Fans und Kritiker - interessieren könnten. Ich frage meine Kinder und Freundinnen, was sie schon immer über Armin Assinger wissen wollten. Die "Nix eigentlich!"-Antworten blende ich aus, für mich ist er der spannendste Mensch des Universums.

Kurz vor dem Termin habe ich einen Fragekatalog  im Kopf und auf Papierblättern, der einfach perfekt ist. Das brauche ich, um mich auf alle Unabwägbarkeiten, die so ein Gespräch mit sich bringt, einlassen zu können. Während Wirtschaftskapitäne gerne distinguierte Distanz wahren, überwältigen Menschen wie Armin Assinger dich mit Kumpelhaftigkeit und Charme. Motto: Sympathie ist die subtilste Form von Bestechung. Das funktioniert, auch wenn ich weiß, dass seine Sympathie in Wahrheit der Reichweite meiner Zeitung gilt.

Unser Interview legt der Profi an wie ein Motivationstraining, dabei duzt er mich, obwohl ich "Sie" zu ihm sage. Mein Über-Ich ermahnt mich: Lass dich von der Souveränität deines Gegenübers nicht davontragen! Du bist nicht persönlich gemeint. Du fragst für dein Publikum!

Und so entwickelt sich das Ringen um Authentizität, um Substanz, um menschliche Botschaften unterschwellig zu einem kleinen Duell. Wer gibt früher nach? Wer kommt dem andern ein Stück entgegen? Der Punkt, den Psychologen als "paradoxe Intervention" bezeichnen, geht jedenfalls an ihn. Denn mitten im Gespräch schaltet Armin Assinger einfach meinen Voice Recorder aus und sagt: "Jetzt amol off records!" So deutlich hat das vor ihm noch keiner gesagt. Ganz zu schweigen von seinem Navigationssystem im Umgang mit uns Journalisten. Es lautet: GPS! Assinger  spricht die drei Buchstaben langsam und siegessicher aus. Tschii! Pii! Ess! Über Geld, Politik und Sex spricht er nicht. Seine Antworten auf mein Warum sind aber ohnehin viel interessanter.

Irgendwann im letzten Drittel unseres Gesprächs hab' ich seinem "Schau amol..." kein "Sie" mehr entgegengesetzt. Ich habe früher nachgegeben. Ich bin jetzt mit Armin Assinger per du. Dafür wissen "Krone"-Leser nun, dass er in 13 Jahren "Millionenshow" keinen Millimeter klüger geworden ist. Dass er als Kind "der klane Naz" war, dass er gelernt hat, Anfeindungen wie "dumme Bauernsau" in positive Motivation umzuwandeln, und wie er es schafft, seinen inneren Schweinehund ständig zu besiegen. Dafür gönne ich ihm auch gerne, dass jetzt vielleicht ein paar Tausend sein Buch kaufen.

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