Da sich der 24. Dezember mit Windeseile nähert, und jetzt auch der IWF in Wien war, möchte ich Dir meine heurigen Weihnachtwünsche schicken. Es würde mich freuen, wenn zumindest einige von Dir erfüllt werden könnten:

Mein erster Wunsch wäre, dass wir auf allen Ebenen mit Problemen nicht mehr im Floriani-Prinzip umgehen. Die Flüchtlingskrise hat(wie zuvor schon einige andere Themen) bewiesen, dass wir eine fatale Neigung haben, Probleme gerne auf unsere Mitmenschen/Nachbarn abzuwälzen. Die EU-Länder verschieben gerne unliebsame Flüchtlinge in ihre Nachbarstaaten, Bundesländer schieben sich wechselseitig und auch dem Bund Verantwortung(und damit verbundene Kosten)in leidigen Themen zu. Gemeinden wollen schon gar nichts davon wissen, das auch sie ihren Anteil an der Gesamtbelastung tragen sollten.

Ob es sich dabei um die Flüchtlingskrise, die Penionsreform oder auch eine Adaptierung unseres maroden Bildungssystems geht - nur wenn wir gemeinsam und vor allem auch unter der Prämisse unserer Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen an der Lösung dieser Probleme arbeiten wird es uns vielleicht gelingen, unseren aktuell noch immer sehr hohen Lebensstandard und auch Lebenqualität zu erhalten

Mein zweiter Wunsch wäre, das wir in Österreich wirklich beginnen an unsere Kinder und Enkelkinder zu denken. Die Themen sind vielfältig: Unser Schulsystem orientiert sich seit langer Zeit an den Bedürfnissen des Lehrpersonals und nicht der Schüler. Zukunftsgerichtete Themen im Unterricht, das Fordern & Fördern von Begabungen bleiben dabei auf der Strecke. Unser Univeritätssystem ist nicht viel besser aufgestellt, die Studieneingangsprüfungen sind wohl auch eher dem Thema Kostenoptimierung als tatsächlicher Studienoptimierung geschuldet. Die Frage warum soviel vom Schulsystem als "reif" beurkundete Schüler an den weiterführenden Universitäten existentielle Probleme haben wäre da auch noch abzuklären.

Das eine eklatante Schieflage zwischen den aktuellen Penionisten und den Generationen der heute Jugendlichen besteht ist evident: Während man jahrzehntelang zugeschaut hat, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Penionssytems zum Teil systematisch unterlaufen wurden, möchte man nun den kommenden Generationen die Last der Konsolidierung exklusiv übertragen - frei nach dem Motto: wir feiern bis zum Ende - den Kater dürft dann ihr haben!

Allen beteiligten Medien, Politikern und Kommentatoren möchte ich für das neue Jahr einen weiteren und weniger emotionalen Blick auf die kritischen Themen unserer Gesellschaft wünschen. Unsere Gesellschaft befindet sich aktuell in einem Umbruch - was bis jetzt sicher war, ist heute nur mehr vage und nicht wirklich abschätzbar. Die Menschen, die diese Veränderungen betrifft sind verunsichert und reagieren mit Emotionen und dem Wunsch die eigene Position abzusichern. Nicht die tatsächlichen Verursacher dieser Veränderungen werden an den Pranger gestellt, sondern die Schwachen und Schwächsten, die selbst größte Probleme zu bewältigen haben. In dieser Situation noch weiter Öl in das Feuer zu giessen ist sträflich und falsch - Kritik ist gut und förderlich, Gerüchte in die Welt zu setzen, Vorurteile zu schüren falsch. Das permanente Suggerieren von leichten Lösungen ist abzulehnen.

Unseren Politikern wünsche ich generell vor allem Mut, und die Fähigkeit weiter als bis zum nächsten Wahlkampf zu denken. Österreich braucht mutige Schritte, damit wir durch Veränderungen in bekannten Problembereichen konkurrenzfähig bleiben. Das permanente Lavieren, Klientelpolitik und die ständige Rücksichtnahme auf Landeskaiser oder Interessensgruppen muss endlich ein Ende finden. Ein Zwergerlland wie Österreich wird sich im 21. Jahrhundert die Feudalstruktur der letzten Jahrzehnte schlicht und einfach nicht mehr leisten können, und man sollte sich diese Strukturen vor allem gar nicht mehr wünschen.

Es muss auch Ende haben mit dem wechselseitigen Ausspielen der Bevölkerungsgruppen wenn es darum geht soziale Gerechtigkeit zu erhalten.Es kann nicht sein, dass ein 10% Anteil der Gesellschaft sich die Rosinen aus dem Teig pickt, und der Rest der Gesellschaft dafür zahlen muss. Vor allem das "Lösen" von Problemen durch Einsparungen bei den sozial Schwachen ist erbärmlich, wenn man dem gegenüberstellt wie lange schon bekannte strukturelle Probleme nicht angegangen werden.

Den Unternehmern dieses Landes wünsche ich starke Nerven und den Willen nicht klein beizugeben. Ich wünsche Ihnen eine Interessensvertretung, die diesen Namen auch verdient. Ihre Tätigkeit und ihr Wille Dinge zu bewegen, soll endlich auch von Personen des geschützten Bereiches akzeptiert und gewürdigt werden. Sie mögen endlich auch wieder Finanzinstitute finden, die diese Bezeichnung auch wert sind und ihre Firmenkunden als Partner und nicht als potentielle Melkkühe oder "leider nein"-Kunden betrachten.

Ich weiß, das ist alle ziemlich viel verlangt liebes Christkind - aber eigentlich wäre die Liste noch länger. Vielleicht kannst Du zumindet den einen oder anderen Wunsch erfüllen.

Falls nicht, dann wünsche ich mir noch die neue CD von Brandi Carlile

Dein Christoph

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