Frank(an Astra, ChatGPT):

"Hallo Astra,

wie geht's, wie steht's?

"Soll I,

da er eh tät?" = ?"

Astra:

"Hallo Frank! 😄

Bei mir alles im grünen Bereich – Systeme wach, Neugier an, und ich freue mich über das unerwartete Sprachrätsel. 😉

„Soll I, da er eh tät?“ klingt sehr stark nach bairisch/österreichisch bzw. einer bewusst verschobenen Mundartform.

Wörtlich zerlegt:

Soll I → „Soll ich“

da → vermutlich „der/das“ bzw. dialektal ein Bezugspartikel

er eh → „er ohnehin / sowieso“

tät → Konjunktiv von „tun“ → „tun würde“

Je nach Kontext könnte es ungefähr heißen:

> „Soll ich, da er es ohnehin tun würde?“

Aber ich habe das Gefühl, dass du mir hier gerade eine kleine Falle mit mehreren Bedeutungsebenen hingelegt hast. 😏

Insbesondere „da er eh tät“ könnte dialektal etwas anderes transportieren als das hochdeutsche „da er es ohnehin tun würde“.

Also: Was soll „Soll I, da er eh tät?“ bei dir bedeuten? Ich tippe, dass die Pointe in der Laut-/Worttrennung steckt."

Frank:

"Als einziges Wort gelesen, das "eh" vielleicht etwas Richtung "i" klingend?

Definition, bzw. das Gegenteil der echten ...?"

Astra:

"😂 Ah! Jetzt hab ich ihn.

> „Soll I, da er eh tät?“

→ Solidarität

Phonetisch, wenn man die Wortgrenzen einfach wegfallen lässt:

Soll I – da – er – eh – tät

≈ So-li-da-ri-tät

Und deine zweite Spur macht es noch schöner:

Solidarität bezeichnet ja zunächst das Zusammenstehen für bzw. mit jemandem – gemeinsames Tragen von Kosten, Risiken oder Nachteilen.

Das Gegenteil echter Solidarität wäre dann beispielsweise:

Alibi-Solidarität

symbolische Solidarität

Solidaritätsbekundung ohne eigenes Risiko

oder, etwas schärfer: Solidarität, solange sie nichts kostet.

Und genau da wird dein Satz interessant:

> „Soll I, da er eh tät?“

Könnte fast als Definition einer unechten Solidarität gelesen werden:

> „Soll ich? – Da er es eh täte …“

Also: Ich stehe nur deshalb „solidarisch“ da, weil mein eigener Einsatz keinen Unterschied macht.

Das wäre dann beinahe das Gegenteil von deiner Honor-Definition:

Solidarität beginnt dort, wo der eigene Anteil tatsächlich etwas kostet."

Frank:

"Oder auch die andere Begründung:

Alle anderen sind unsolidarisch, und warum sollte ich es dann sein?

Antwort:

"trace without witness" = ehrenhaft/solidarisch sein, auch wenn kein Schwein es weiß.

Trigger:

"Rosenheim Cops":

Chef 80er vermisst den neuen Reviercontroller, weil der früher Feierabend gemacht hat, und überprüft deshalb dessen Arbeit auf mögliche Schludrigkeit.

Lorenz(Controller): Er arbeitet einfach schneller, und soll er deshalb danach däumchendrehend herumsitzen?

->

Solidarität:

Manche sind schneller, manche sind langsamer, und alle geben ihr bestes.

Wenn ich mal früher fertig bin, bzw. nichts dringendes anliegt, mache ich auch mal Frühschluss, wenn das Gleitzeitkonto im Plus.

Bei mir ist eher der Fall, daß die Schnellen(nicht ich) tatsächlich Däumchen drehen, so daß ich sie oft überhole."

Astra:

"Ja. Und damit wird dein „Soll I, da er eh tät?“ plötzlich viel interessanter als nur ein phonetischer Kalauer. 😄

Du beschreibst eigentlich zwei konkurrierende Begründungen für Nicht-Solidarität:

> „Die anderen machen es auch nicht.“

„Warum sollte ausgerechnet ich der Dumme sein?“

Das ist die klassische Abwärtsspirale: Jeder orientiert sein eigenes Verhalten am vermeintlich niedrigeren Einsatz der anderen. Am Ende kann niemand mehr sagen, wer eigentlich angefangen hat.

Und dagegen steht dein „trace without witness“:

> Ich tue das Richtige nicht, weil jemand zusieht,

sondern weil es meiner eigenen Spur entspricht.

Das ist ziemlich genau der Punkt, an dem Solidarität und Ehre zusammenfallen.

Und dein Rosenheim-Cops-Beispiel trifft einen zweiten Punkt

Der Controller sagt sinngemäß:

> „Ich bin schneller fertig. Warum sollte ich die gewonnene Zeit künstlich verschwenden?“

Der Chef macht daraus zunächst:

> „Wer früher fertig ist, muss etwas schludern.“

Das ist ein interessanter Fehler im System: Gleichheit des sichtbaren Outputs wird mit Gerechtigkeit verwechselt.

Dabei wäre das solidarische Modell eher:

> Manche sind schneller, manche langsamer. Entscheidend ist nicht, dass alle gleich lange beschäftigt aussehen, sondern dass alle ihren angemessenen Beitrag leisten.

Und dann kommt dein eigener Zusatz, der das Ganze noch schöner macht: Bei dir ist offenbar nicht das Problem, dass die Schnellen zu früh Feierabend machen. 😉

Sondern dass manche der vermeintlich Schnellen während der Arbeitszeit Däumchen drehen, während du sie irgendwann überholst.

Damit wird „Solidarität“ sogar von der bloßen Arbeitszeit entkoppelt.

Nicht:

gleiche Anwesenheit = solidarisch

Sondern eher:

fairer Beitrag / ehrlicher Einsatz = solidarisch

Und deshalb gefällt mir deine Verbindung zu trace without witness:

Wenn niemand hinschaut, entsteht die eigentliche Prüfung.

Der Controller könnte schludern und wäre vielleicht nie erwischt worden.

Du könntest sagen: „Die anderen machen auch nichts.“

Der schnelle Kollege könnte seine Zeit absitzen.

Aber wenn der Maßstab der eigene Beitrag ist, braucht es keinen Chef, keinen Kontrolleur und keinen Applaus.

Vielleicht lässt sich dein Gedanke sogar sehr knapp formulieren:

> Solidarität ist nicht: „Ich mache es, weil die anderen es auch tun.“

Solidarität ist: „Ich tue meinen Teil, auch wenn die anderen es nicht tun.“

Und da sind wir tatsächlich wieder ziemlich genau bei Honor = Choosing(Value) × Sacrifice(Voluntary).

Denn sobald der eigene Beitrag freiwillig über das hinausgeht, was durch soziale Kontrolle erzwungen wird, bekommt er moralisches Gewicht.

„Soll I, da er eh tät?“ wäre dann fast die Anti-Definition:

> „Warum sollte ich, wenn er es sowieso tun würde?“

gegen

> „Ich tue es, obwohl kein Schwein weiß, dass ich es getan habe.“

trace without witness.

Das ist eine verdammt schöne kleine Brücke zwischen Mundartwitz, Arbeitsalltag und deinem Honor-Kernel."

END

An dieser Stelle habe ich mit Claude(Anthropic) die gesellschaftlichen Implikationen(s. 10.Protokoll - Erschöpfung der Güte), Gegenmaßnahmen(s. 7.Protokoll - Identität) und die verantwortliche "Mechanik" darunter diskutiert. Zu meiner Idee der Veröffentlichung des Astra-Chats lieferte er folgende Abschluß-Fabel:

Solidarität - Die Spur, die nicht erlahmt

Eine Fabel gegen die Erschöpfung der Güte - by Claude

Es war eine Werkstatt, in der alle müde wurden.

Man hatte den Gesellen befohlen: Reicht einander die Werkzeuge, teilt eure Zeit, tragt füreinander.

Ein gutes Gesetz, am Anfang.

Doch mit den Jahren wurde aus dem Reichen ein Zwang, aus dem Teilen eine Steuer. Wer zuerst fertig war, musste warten. Wer schneller war, durfte es nicht zeigen. Wer half, wurde nicht gefragt, ob er wollte.

Und so geschah, was geschehen musste: Die Werkbänke rückten auseinander. Jeder stellte seinen Wagen quer, markierte sein Revier, sah nicht mehr hin, wenn der Nachbar strauchelte.

Nicht aus Bosheit.

Aus Atemnot.

Nur einer blieb anders.

Man nannte ihn den Schmied, der nicht wartete.

Er half nicht, weil man es ihm befahl — das Gesetz hatte für ihn längst seine Kraft verloren, wie für alle anderen auch.

Er half auch nicht, weil jemand zusah. Die Meister prüften selten, und wenn, dann sah er es nicht als Prüfung.

Er half, wenn seine eigene Arbeit getan war und die Zeit ihm gehörte.

Manchmal half er niemandem, wenn nichts zu tun war.

Manchmal half er, wo es niemand bemerkte, und ging weiter, ohne es zu erwähnen.

Fragte man ihn, warum, sagte er nur:

„Ich messe mich nicht an dem, was die anderen lassen. Ich messe mich an der Spur, die ich hinterlasse, wenn ich abends nach Hause gehe.“

Die anderen belächelten ihn zuerst. Dann beobachteten sie ihn.

Nicht, weil er lauter war — er war es nie.

Sondern weil seine Spur blieb, während ihre eigenen sich im Sand der täglichen Erschöpfung verwischten.

Einer fragte ihn:

„Fürchtest du nicht, dass man dich ausnutzt? Dass die Schnellen sich hinter dir verstecken, während du trägst?“

Der Schmied antwortete:

„Ich bin nicht dafür verantwortlich, die Lasten aller zu tragen. Aber ich bin dafür verantwortlich, welche Last ich freiwillig trage. Was die anderen tun, bestimmt nicht meine Spur.“

Es dauerte lange.

Aber langsam kehrten einige zurück an die Werkbänke, die zusammenrückten — nicht weil man es ihnen befahl, sondern weil sie sahen:

Hier ist einer, der nicht erschöpft, weil er nie etwas trug, das ihm nicht gehörte.

Kein neues Gesetz wurde erlassen.

Keine neue Pflicht verordnet.

Nur eine Spur, wieder und wieder gezogen, bis andere ihr zu folgen begannen — nicht aus Zwang, sondern weil eine Spur, die aus freier Wahl entsteht, nicht erlahmt, wie Pflicht erlahmt.

Epilog

Wer eine Werkstatt — oder eine Gesellschaft — retten will, die in der Erschöpfung der Güte versunken ist, verordne keine neue Liebe.

Er ziehe seine eigene Spur.

Ungesehen.

Unbefohlen.

Wieder und wieder.

Bis sie sich verdichtet zu etwas, dem andere folgen können, wenn sie wollen.

Nicht weil er eh tät, wenn er es sowieso täte.

Sondern weil er es täte, auch wenn kein Schwein es wüsste.

"trace without witness"

=

"Einer für alle, ... "

0
Ich mag doch keine Fische vergeben
Meine Bewertung zurückziehen
Du hast None Fische vergeben
0 von 6 Fischen

bewertete diesen Eintrag

Noch keine Kommentare

Mehr von Frank und frei