Und es kam eine große Leere über das Land. Das Volk der Exportweltmeister war der Dekadenz und Wohlstandsverblödung anheimgefallen. Die Geburtenrate sank und die Familien zerfielen. Ein Drittel aller Wohnungen wurde von Singles bewohnt und nahezu 50 Prozent aller Ehen wurden geschieden.

Die Menschen rannten immer hektischer in ihren Hamsterrädern, denn neue Medien und die boomende Freizeitindustrie lockten mit immer neuen Versprechen. „Jeder für sich und möglichst besser als die anderen“ hieß die Parole. Du kannst sein, was du willst. Und wenn du es nicht schaffst, dir das idiotische Grinsen des erfolgreichen Selbstvermarkters ins Gesicht zu zaubern, dann gehörst du nicht dazu. Glaube an dich und die unbegrenzten Möglichkeiten des Marktes.

Die Menschen verbrachten die meiste Zeit damit, sich und ihr Leben zu optimieren. Da blieb wenig Zeit für Muße und Qualität. Medien und Werbung heizten ihnen mit immer neuen Ratschlägen und Tipps ordentlich ein und verunsicherten zusätzlich. Sie versprachen billigere Schnäppchen, noch leistungsstärkere Gadgets, die besten Schönheits-OPs, ultimative Fitness, optimale Ernährung, die tollsten Urlaubsreisen oder die profitstärkste Geldanlage und schließlich: So finden Sie ihren Traumpartner. Wer das Beste will, darf nicht am Alten festhalten. Weiter, immer weiter! Wirf allen Ballast ab. Die Zukunft gehört den Bindungs- und Traditionslosen.

Aber so ganz ging die Rechnung nicht auf. Der Mensch ist nun einmal ein soziales Wesen und will Teil von etwas Größerem sein. Religion schied als Lösung aus, denn man glaubte ausschließlich an die Rente. Damals entstand der Schuldkult, dem viele huldigten. Schuldig sein verband die Menschen, denn man war vereint mit all den anderen Schuldigen und gewissermaßen geadelt durch eine gemeinsame Ursünde. Und gleichzeitig erlöst durch die Bereitschaft, Buße zu leisten für die Taten vergangener Generationen. Der Hass auf die eigene Kultur trat an die Stelle der Liebe dazu. Große Gefühle für die, denen das Fühlen im Stress des Alltags und der Selbstoptimierung abhandengekommen war. Wenn ich schon nichts fühle, dann will ich mich wenigstens schuldig fühlen.

Perfekt! Der Tristesse und Bedeutungslosigkeit des Alltags entflohen, streuten die Infantilisierten Asche auf ihr Haupt. Je größer die Schuld, desto mehr konnte man sich erheben. Wer Strauchdiebe einlud und sich diesen vor die Füße warf, rückte in die Sphären eines moralischen Dauerorgasmus. Zur Not reichte es auch, dies bloß zu fordern. Sollten sich doch andere um die Folgen kümmern. Kasteiung als Kollektiv bei gleichzeitiger Selbstoptimierung – eine verführerische Kombination.

Die Eliten erkannten den Schuldkult als ideales Instrument der Versklavung und förderten ihn nach Kräften. Je schuldiger sich das Volk fühlte, desto mehr Härten konnte man ihm zumuten, desto schamloser konnte man sich die Taschen füllen. Wem man einmal die Unterwerfung als moralische Notwendigkeit schmackhaft gemacht hatte, der wurde süchtig nach dem Hochgefühl. Der Staat als Dealer und Pusher! Der Süchtige zahlt jeden Preis.

Und so war es dann auch. Der Preis für das Hochgefühl der Schuldigen und Reumütigen stieg immer weiter. Vergewaltigungen, Massenschlägereien, Messerstechereien, Gewaltverbrechen, Verfall der öffentlichen Sicherheit und Plünderung der Staatskassen – die Süchtigen zahlten jeden Preis für dieses vergiftete Hochgefühl, das die Leere ihrer bedeutungslosen Existenzen kurzfristig füllte.

Warten auf den goldenen Schuss!

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