Ideale aus dem frühen 19. Jahrhundert

Biersöhne, Bierväter und Alte Herren genannte, junge und alte Männer treffen sich in von außen meist unscheinbar anmutenden Räumen, Buden genannt, fühlen sich einer Elite, nein, der Elite unserer Gesellschaft zugehörig und sehen sich gleichzeitig Idealen, die aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen, verpflichtet und sind fest entschlossen diese gegen die Multikultisierung der Gesellschaft mannhaft zu verteidigen.

Mädchen und Frauen sind ausgeschlossen

Manchmal geht es auf den Buden auch richtig lustig zu. Da wird getrunken bis zum Umfallen und werden gemeinsam Liedchen von einem einig deutschen Vaterland, von der noch zu schaffenden siebten Million oder so gesungen. Mädchen und Frauen sind ausgeschlossen, weshalb es manchmal vielleicht auch ein wenig derb zugeht, wenn mit vom Alkohol gelockerter Zunge der eine oder andere dann doch nicht so gemeinte Scherz erzählt wird. Worüber gelacht werden darf oder nicht, wollen sich aber die liberalen Burschis keinesfalls vorschreiben lassen. Sie verstehen sich ja als die Verfechter des Liberalismus. Und: Ein bisschen Spaß muss sein!

Je mehr Schmisse, desto männlicher

Wenn sie gerade nicht singen oder sich übergeben, dann säbeln sich viele der Burschis mit Begeisterung gegenseitig Narben, Schmisse genannt, ins Gesicht. Ein traditioneller Initiationsritus: Mensur, statt Beschneidung. Je mehr Schmisse, desto männlicher. Sagen sie! Man sagt aber auch beschnittene Männer können besser. Wer weiß das schon so genau?

I bin a Deitscha und i bleib a Deitscha!

Und allen diesen geheimnisumwitterten Zirkeln ist eines gemein: Das uneingeschränkte Bekenntnis zur deutschen Nation. Auch wenn gerade in Österreich das biologische Deutschtum nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Burschis heißen zwar Udo, Odo oder so irgendwie germanisch klingend, aber auch Pospisil, Kolaritsch oder Golobcik. Wuascht! „I bin a Deitscha und i bleib a Deitscha!“

Sublimierung

Wonach suchen Jugendliche und junge Männer, die sich einer dieser anachronistisch anmutenden Gemeinschaften meist auf Lebenszeit anschließen? Protektion? Gemeinschaft? Sicherheit? Rhetorikseminare? Alles, was nicht logisch ist, ist psychologisch. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen Akt der Sublimierung handelt. Hierbei werden starke, nicht erfüllte sexuelle oder destruktive Triebkräfte vom ursprünglichen Ziel des egoistischen Lustgewinns auf von einer Gemeinschaft anerkannte Leistungen umgeleitet, wodurch sie befriedigt werden.

Danke, jetzt ist mir klar.

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