Die "Krone" ist in Österreich traditionell Stachel im Fleisch des politisch-korrekten Erziehungsjournalismus in Österreich.

Sie ist die einzige Zeitung, die anders berichtet als der Rest der Systemmedien, die weitgehend einer rot-grünen Dominanz unterliegen.

Natürlich hat die "Krone" auch ihre problematischen Seiten: sie neigte (speziell unter dem "alten Dichand" ) dazu, ihre Macht zu mißbrauchen, z.B. in der Frage des Wasserkraftwerks Hainburg 1984, als die "Krone" ebenso wie alle anderen Medien konsequent verschwieg, dass die Alternative zu Wasserkraft aus Hainburg Atomstrom aus der Ukraine war (wegen Atomstromlieferverträgen, die Kreisky mit der Ukraine abgeschlossen hatte).

Oder als die "Krone" im Jahr 2000 versuchte, Schüssel (ÖVP) als Kanzler zu verhindern, wahrscheinlich weil Klima (SPÖ) der "Krone" TV-Lizenzen zu günstigeren Konditionen verschafft hätte, aber anders als in der Hainburg-Frage konnte sich die "Krone" trotz des massiven Kampagnenjournalismus, den sie im Jahr 2000 betrieb, nicht durchsetzen und Schüssel als Kanzler verhindern.

Ich hatte heute wieder Gelegenheit, eine "Krone" durchzublättern, und sie war in der Tat gut: Leute wie Woltron, Senger, Winklbauer schreiben gute Artikel, die man sonst nirgendwo lesen kann, was man auch von Walentin sagen kann.

Trotzdem gibt es auch heute Kritikpunkte, die man an der "Krone" über kann oder sogar soll: zum Beispiel hängt in der Zentrale, Muthgasse nur ein großes Bildnis vom "alten Dichand", während die andere Person, die bei der Gründung der "Krone" eine wesentliche Rolle gespielt hatte (namlich Franz Olah, ohne dessen Zuschuss aus Gewerkschaftsgeldern die "Krone" wahrscheinlich gar nicht existieren würde), nicht gewürdigt wird.

Und die Polizei- und Armeefeinde in dieser Republik, die in den Medien (oder in der Politik der linken bis linksextremen Parteien) besonders stark vertreten sind, ärgert natürlich, dass die "Krone" aufgrund ihrer Blattlinie einen bevorzugten Zugang zu Infos aus dem Sicherheitsapparat hat.

Aber ich habe damit kein besonders großes Problem, auch deswegen, weil die anderen Medien besseren Info-Zugang aus anderen Teilen des Staatsapparats haben: so gesehen ist die Kritik an der "Krone" eine hochgradig von Doppelmoral getragene.

Ebenfalls hochgradig doppelmoralgeprägt ist Armin Thurnher, der Chefredakteur des linken bis linksextremen Magazins "Falter", das selbst mit dem ORF zusammen eine Art Kartell bildet, sich aber wahnsinnig darüber beschwert, dass die "Krone" und der "Kurier" mit der "Mediaprint" eine Druck- und Vertriebsgemeinschaft haben, die sich aber nicht auf die Berichterstattung und die Redaktionen ausweitet. Die Mediaprint will Thurnher zerschlagen, das Falter-ORF-Kartell nicht.

Apropos Redaktionen: das Alleinstellungsmerkmal der "Krone" kann man auch an den Fluktuationen des journalistischen Personals ablesen: während ansonsten munter gewechselt wird, finden Wechsel von der "Krone" oder zur "Krone" kaum statt: eine Ausnahme von dieser Regel war Günther Nenning, der frühere Doyen des österreichischen Journalismus, der von SPÖ-nahen "Forum" bis hin zur in mancherlei Hinsicht "rechten" Krone so ziemlich überall gearbeitet hat, wo man als Journalist arbeiten kann; auch seine Club-2-Moderationen waren interessant, und ihm ist zu danken, dass der in Österreich massiv angefeindete Henry Kissinger auch im ORF seine Meinung äußern durfte.

D. Knoflach

Würdigendes Foto in der "Krone"-Zentrale Muthgasse für den "alten Dichand", Hans Dichand.

Heute ist sein Sohn Christoph Dichand Herausgeber.

Nicht gewürdigt wurde der zweite Gründer der Kronenzeitung, Franz Olah, dessen Parteiausschluss wegen der Abzweigung von Gewerkschaftsgeldern zur "Kronenzeitung"-Gründung" die österreichische Politik nachhaltig verändert hat. Olah hat sich dabei nicht selbst bereichert.

Austriaforum ? https://austria-forum.org/af/Biographien/Olah%2C_Franz

Die Nicht-Würdigung des zweiten Gründers der "Kronenzeitung", Franz Olah, im Krone-Gebäude Muthgasse, hat vielleicht auch den Hintergrund, den Kurswechsel der "Krone" in Sachen Vermögenssteuer zu verheimlichen.

Wegen des Naheverhältnisses zu Olah und der SPÖ in der Gründerzeit vermögenssteuerfreundlich, wurde die "Krone" nach der Entmachtung von Olah zunehmend vermögenssteuerkritisch.

Die Krone ist deswegen so erfolgreich, weil sie einzige Alternative zu den "Systemmedien" ist. Aus Sicht der Erziehungsjournalisten ist Wahrheitsjournalismus, der sich auch z.B. um die Negativseiten der Zuwanderung kümmert, natürlich zutiefst übel und abzulehnen. Die "Krone" hat Erfolg, weil sie eine USP hat, eine "unique selling proposition", ein einzigartiges Angebot.

Das spricht aber eher gegen den Erziehungsjournalismus und nicht gegen die "Krone".

Die Doyenne des österreichischen Journalismus, Anneliese Rohrer meinte kürzlich in einem ORF-Medienmagazin (doublecheck), es sei ein Riesenfehler fast des gesamten österreichischen Journalismus gewesen, die Missstände in den Schulen wegen Sprachproblemen und Paschamentalität von Zuwandererkindern (speziell Zuwandererbuben) nicht zu berichten, weil man Angst davor hatte, ins rechtsextreme Eck gestellt zu werden.

Und genau diese Missstände im österreichischen Journalismus sind der Grund, warum die "Kronenzeitung" einen Marktanteil hat, der größer ist als der jeder anderen Boulevardzeitung im Westen.

Allerdings gibt es bei der "Krone" ein ähnliches Phänomen wie bei der FPÖ: Millionen Stimmen bzw. Leser, aber in der Öffentlichkeit bekennt sich kaum jemand dazu, bzw. wenn man schon gar nicht vermeiden kann, zuzugeben, dass einem die "Krone" geliefert wird, sagt man, man würde die Sportseiten lesen und sie wegen der Sportseiten abonnieren.

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