Verkündete Dunaway absichtlich falschen Oscar-Gewinner, und warum ?

Da ich keinen Fernseher besitze, hatte ich erst verspätet die Möglichkeit, Auszüge aus der Oscar-Gala zu betrachten und etwas darüber und die Sekundärberichterstattung zu lesen.

Da es sich bei dem gegenständlichen Ereignis (der angeblichen Verwechslung von Kuverts, "Envelopegate" ) um ein meines Wissens nach einmaliges Ereignis handelt, sollte man sich ernsthaft die Frage stellen, ob es sich - anders als behauptet - nicht um ein unabsichtliches Versehen gehandelt haben könnte, sondern um eine absichtliche, subversive "Tat" von jemandem (das kann auch eine Personengruppe sein), der/die mit Trump sympathisiert oder dem/der die Kritik zahlreicher Hollywood-Größen an Trump zu weit geht.

Die beabsichtigte Logik könnte sein: Wenn "Hollywood" sich bei Kuverts irrt, dann könnte es sich ja auch bei politischen Einschätzungen irren.

Für die zurückgegangenen Seherzahlen der letzten Jahre bedeutet das "geliebte Feindbild Trump" natürlich einen Segen.

Die angekündigte Repolitisierung könnte wie so oft eine Scheinpolitisierung sein. Man kann durchaus manchmal den Eindruck haben, dass Hollywood die besten Stories über sich selbst erzählt, oder über naheliegende Themen.

Dass es nur einen Auslands-Oscar gibt, aber zahlreiche sozusagen US-interne Oscars, passt eigentlich nicht zu einem weltweit anerkannten Ereignis. Die Entertainmentbranche ist so gesehen US-dominiert, was politische US-Hegemonie und Unilateralismus beflügeln könnte.

Andere Sichtweisen als die US-amerikanische werden allzuoft ausgeblendet, was zu zahlreichen Fehlern in der realen Politik beitragen kann. Für eine angebliche "Führungsmacht der Welt" sehr bedenklich.

Doch nun zu den Oscar-Kuverts, die angeblich verwechselt wurden. Wenn ich das recht verstanden habe, läuft das so: bei Personenoskars (bester Darsteller, beste Darstellerin) wird zuerst die Person und dann der Film auf den Karten genannt, bei den Oskars für "Bester Film" etc. wird erst der Name des Films, dann die Namen der Darsteller und des Produktionsteams genannt.

Nun ist Faye Dunaway tatsächlich eine erfahrene Schauspielerin, die schon an unzähligen Oskar-Verleihungen teilgenommen hat. So gesehen erscheint es extrem unwahrscheinlich, dass Warren Beatty ihr eine Karte mit der Aufschrift "EMMA STONE / LaLa Land" reichte und sie das für die richtige Karte für den "Bester Film"-Oskar hielt. Außerdem macht Faye Dunaway in Interviews einen intelligenten Eindruck.

Zu Faye Dunaway gibt es einige in bezug auf Trump interessante Punkte zu sagen:

1.) ihr Vater war Mitglied der US Army. Ob nun als Sergeant oder als non-commissioned-officer, wie die verschiedenen Berichte behaupten, sei nun einmal dahingestellt. Darin ähnelt ihr Vater Trump, der auch eine Militärakademie absolviert hat. Wie nahe das Verhältnis zwischen Dunaway und ihrem Vater war, konnte ich nicht ermitteln, aber es gibt keine Berichte über Zerwürfnisse zwischen den beiden.

2.) sie ist genauso wie Trump von zumindest teilweise deutscher Abstammung.

3.) sie hat ein pragmatisches Verhältnis zur Gewalt und ist keine Pazifistin. Deshalb erhielt sie auch die Rolle im Film "Bonnie und Clyde", in dem sie eine Räuberin spielte, eine damals hollywood-untypische Rolle für eine Frau.

4.) sie ist ein Fan von Marlon Brando, einem Mann, der in seinem regelbrecherischen und machistischen Verhalten Trump ("If you´re a star, you can grab them by the pu__y. They let you do it." ) ähnelt. Sie spielte in dem selben Stück "Streetcar named desire", in dem auch 20 Jahre vorher Marlon Brando einen Vergewaltiger spielte.

Damit will ich nicht behaupten, dass Dunaway eine Trump-Wählerin ist, sondern dass sie zumindest neutral ist, und ihr die Kritik zahlreicher Schauspieler-Kollegen an Trump zu weit geht. Inwieweit man das offen äußern kann, möchte ich dahingestellt lassen: Hegemonie und Elisabeth Noelle-Neumann´sche Schweigespirale gehen oft Hand in Hand. Es ist möglicherweise kein Zufall, dass die Schweigespirale-Theorie von einer Frau entdeckt bzw. publiziert wurde. Möglicherweise können Frauen tendenziell nicht nur besser "schweigen", sondern auch vielsagendes Schweigen besser erkennen; das eigene Schweigen zuzugeben, hätte zur gesellschaftlichen Rolle eines mannes nicht gepasst.

Und jetzt zum zweiten mir seltsam erscheinenden Fehler:

Hillary Clinton und ihr "Basket of deplorables"-Sager. Hillary Clinton mag alles mögliche sein, vielleicht unredlich, vielleicht machtversessen, vielleicht bis zu einem gewissen Grad skrupellos und zynisch, aber zwei Eigenschaften hat Hillary Clinton eher nicht: Unerfahrenheit und Dummheit.

Für eine Frau von Hillary Clintons Erfahrung und Intelligenz erscheint es mir unsicher, dass ihr der möglicherweise wahlentscheidende Sager, mit dem sie einen großen Teil der eigenen potenziellen Wählerschaft ins Trump-Lager trieb, nämlich der "basket of deplorables"-Sager einfach so rausgerutscht ist.

Jetzt einmal angenommen, Hillary Clinton habe absichtlich die Wahlen rund um die US-Präsidentschaft verloren, was könnten die Motive sein?:

1.) Die US-Demokraten-Administration Obama hatte sich außenpolitisch in mehrere Sackgassen verrannt, darunter die nicht-funktionierenden Sanktionen gegen Russland, das entgleisende Verhältnis zur Türkei (die US-Unterstützung in Syrien war Erdogan zuwenig gewesen), das kontroversielle Abkommen mit dem Iran, das kaum realistische Inspektionen vorsieht.

2.) Der von früheren US-Demokraten-Regierungen (Bill Clinton , 1990er Jahre) aufgesetzte Dayton-"Friede" bzgl. Bosnien-Herzegowina war ins Stocken geraten. In dem Zusammenhang ist interessant, dass Bill Clinton auch zur Wahlniederlage seiner Frau beitrug (und das möglicherweise absichtlich) durch seinen "Obamacare crazy system"-Sager mitten in der heissen Wahlkampfphase, mit dem er das, was die US-Demokraten während der 8 Jahre der Präsidentschaft Obama als sozialpolitischen Durchbruch gefeiert hatten, scharf kritisiert hatte. Faye Dunaway hatte 1993 den Film "Arizona Dream" gedreht mit dem Regisseur Emir Kusturica, dem wegen seines 2 Jahre später produzierten Films "Underground" pro-serbische bzw. pro-Milosevic-Propaganda vorgeworfen wurde.

Der springende Punkt ist: Parteien können nicht einfach Fehler zugeben und dann das Gegenteil machen, weil sie dann einen großen Teil der Wählerschaft verlieren, die dann unter Umständen zu einer wesentlich schlechter geführten und wesentlich inkompetenteren Partei (u.A. einer völlig neuen) abwandern.

Dass die US-Demokraten einen wesentlich höheren Moslem-Anteil haben als die Republikaner, hat eine gewisse Logik und stimmt mit den europäischen Links-Rechts-Schemata überein. Das passt allerdings auch gut zusammen mit einer gewissen Arbeitsteilung der Demokraten und der Republikaner in der Aussenpolitik: die Republikaner machen die gewaltsamen Regime Changes und Truppenaufstockungen (Surges), die Demokraten die kontroversiellen Friedensverträge (wie z.B. den mit dem Iran) und die Truppenabzüge.

Vielleicht gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, was Meinungsäußerung betrifft: Männer neigen eher zu offener Meinungsäußerung, Frauen eher zu einer zurückhaltenderen, weniger direkten, weniger durchschaubaren Sprache. Und vielleicht ist das auch genau das, was der größte Teil der Gesellschaft erwartet. Vielleicht war das eines der Handicaps von Hillary Clinton, dass sie für eine Frau zu direkt und angriffig war. Rauten-Mutti Merkel ist erfolgreicher (zumindest an vergangenen Wahlergebnissen gemessen), sie entspricht eher dem zurückhaltenden Modell Frau. Explizit und erfolgreich war als eine der wenigen Frauen Margaret Thatcher (allerdings auf eine Art und Weise, die zu einer Linkspartei nicht gepasst hätte).

Zugegeben: die Hillary Clinton-These ist gewagt und meiner Einschätzung nach die mit der geringsten Absichtlichkeits-Wahrscheinlichkeit (die Dunaway-These und die Bill-Clinton-These erscheinen wahrscheinlicher).

Links:

http://www.telegraph.co.uk/news/2017/02/27/faye-dunaway-oscars-blunder-wasnt-warrens-fault/

http://edition.cnn.com/2016/10/04/politics/bill-clinton-obamacare-craziest-thing/

http://time.com/4486502/hillary-clinton-basket-of-deplorables-transcript/

https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Noelle-Neumann

(Faye Dunaway 2011; copyright: wikipedia if any)

Faye Dunaway war 1999 Richard Lugners Gast beim Opernball, und Richard Lugner ist vom Typ her in mancherlei Hinsicht ein Politiker, der Donald Trump ähnelt.

Man kann daher davon ausgehen, dass Faye Dunaway durchaus Sympathien für Deutschland und Österreich hat.

So gesehen kann ihr Akt mit der Verlesung des falschen Oskar-Preis-Träger auch ein Österreich-Freundlicher Akt gewesen sein, denn der Film der deutschen Filmemacherin Maren Ade .

Nämlich, dass sie damit zum Ausdruck bringen wollte, dass Österreich, das als Hitler-Geburtsland und als kleines Land ohnehin einen schweren Stand hat, eigentlich den Auslandsoskar verdient hätte, und nicht der durchaus respektable Farhadi-Beitrag.

Der Iran mit seinen mehr als 80 Millionen Bürgern ist ein viel bedeutenderes Land als das kleine Österreich, das vielfach die Rolle des Prügelknaben spielt. So wurde beispielsweise Kurt Waldheim durch die Entscheidung der US-Behörden, ihn nicht einreisen zu lassen und ihn auf die Kriegsverbrecher-Watchlist zu setzen, quasi als Ersatzhandlung dafür bestraft, dass US-Präsident Ronald Reagan und der deutsche Bundeskanzler Kohl den SS-Friedhof in Bitburg besucht hatten, was einige jüdische Pressure Groups extrem aufgebracht hatte.

Ashgar Farhadi, der künstlerisch und politisch durchaus zu würdigen ist, erhält den Oskar nun schon zum zweiten Mal, während sowohl Ade als auch der österreichische Hauptdarsteller Peter Simonischek leer ausgehen.

So gesehen kann das Verlesen des falschen Oskarpreisträgers auch als feministischer Akt betrachtet werden, als Akt der Frauensolidarität.

Aber in Zeiten der Trump-Präsidentschaft haben Deutsche und Österreicher wegen Trumps deutschen Vorfahren offensichtlich einen Malus, der mit dem traditionellen Nazi-Malus zusammenpasst. Offene Kritik daran, dass Farhadi als iranischer Mann mehrere Oskars bekommt, hingegen Maren Erdmann als deutsche Frau keinen einzigen, kann in Hollywood offensichtlich gar nicht geübt werden. Auch ein offenes Warnsystem in Anbetracht der sich ankündigenden Vergewaltigung im Rahmen des Filmes "Letzter Tango von Paris" unter Frauen gab es nicht.

Der Film "Toni Erdmann" hat auch einen Bezug zu Bukarest, wo er teilweise spielt und ist somit ein gesamteuropäischer Film. Und gerade die Österreicher sind ja diejenigen Europäer, die dem sogenannten Balkan und seinen christlich-orthodox geprägten Bewohnern am nächsten sind.

Die anti-kontinental-europäische bzw. anti-deutsche Politik, die vielfach aus den USA kommt, passt auch zur Ernennung der US-Nationalistischen Wonder Woman mit ihrem aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Anti-Achsenmächte-Drall.

Es scheint sich in Hollywood schon eine Art Iran-Bonus entwickelt zu haben, der mit der offensichtlichen Gefährlichkeit des iran zusammenhängt.

Um die politischen Beziehungen zum Iran zu normalisieren, bekommt ein iranischer Regisseur mehrere Oskars praktisch nachgeschmissen. Was man auch als eine Art Appeasement-Politik betrachten kann.

Um Adolf Hitler zu besänftigen, lieferten Großbritannien und Frankreich (mit den Regierungschefs Chamberlain und Daladier) 1938 das Sudetenland an Nazideutschland aus.

Was aber bekanntlicherweise Hitlers Appetit nicht besänftigte.

Die russische Version und Sicht des Münchner Abkommens von 1938 ist folgendes: Chamberlain und Daladier versuchten, durch Überlassung des Sudetenlands Hitlers Aggression auf die Sowjetunion zu richten. Diese Version hat eine gewisse Plausibilität und steht im Widerspruch zu der Friedens-Rhetorik, die Chamberlain und Daladier von sich gaben. Laut dieser Theorie wollten Chamberlain und Daladier den britisch-französisch-deutschen Frieden sichern, indem sie einen deutsch-russischen Krieg auslösen. Der Hitler-Stalin-Pakt ist so gesehen eine Konsequenz auf die unehrliche Art und Weise, wie Frankreich und England Politik machten. Wie schon der Schriftsteller George Orwell in seinem Buch "1984" skizzierte, haben dreipolige Konflikte etwas sehr instabiles.

Diese Version ist im Westen kaum erhältlich. Obwohl ich mich selbst schon seit ca. 35 Jahren mit Zeitgeschichte beschäftigte, habe ich erst vor ca. 3 Jahren im Zuge einer gründlichen Neuaufrollung aller Ereignisse im Zusammenhang mit der Krim von dieser Theorie und Sicht erfahren.

https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchner_Abkommen

Laut Medienberichten war es Brian Cullinan, der die Kuverts unabsichtlich verwechselte oder absichtlich vertauschte. Er ist Mitarbeiter bei Price Waterhouse Coopers, einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Ich halte es für möglich, dass Cullinan diesen Beruf wählte, weil er eine gewisse Affinität zu Wirtschaftsthemen hat und dass er deswegen auch gewisse Sympathien für Trump bzw. die Republikaner haben könnte. Aber auch das ist eine Ferndiagnose; jedenfalls gibt es Indizien dafür, dass Cullinan absichtlich handelte.

http://www.oe24.at/kultur/oscars/Dieser-Mann-vermasselte-die-Oscars/270832021

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