Liebe Linke,

ihr enttäuscht - und erfüllt offenbar nicht einmal im Ansatz eure eigenen Erwartungen. Nachdem ihr uns jahrelang erzählt habt wie gerade ihr, wenn ihr nur damals gelebt hättet, mit feingeistigen Argumenten und zivilem Ungehorsam eine krasse revolutionäre Bewegung gestartet hättet, die 1933 alles Böse (und die damals leider sehr realen, grauenhaften Schrecken einer antimenschlichen Diktatur) verhindert und Mittleuropa stattdessen zu einem bunten Hort der Liebe und Demokratie gemacht hättet, bringt nun eine eurer eigenen Parteien einen Lockdown für Ungeimpfte aufs Tapet - und setzt diesen entgegen unser aller Freiheit und ungeachtet aller Kritik rigoros durch. Da fragt man sich doch: Wie passt denn das bitte zusammen?

Anmerkung: So schlimm wie 1933 ist es heute freilich nicht, das will ich in aller Deutlichkeit und Entschiedenheit festhalten. dennoch gibt es viele Menschen in den sozialen Netzen, die befürchten das wir auch heute wieder den Fehler machen durch Massenhysterie und Mißachtung von Menschenrechten und Menschenwürde unbewusst in eine Richtung zu gehen, die wir uns - sowie unseren Kindern und Kindeskindern - doch bitte lieber ersparen sollten. Nämlich eine Gesellschaft und Kultur, die aus Gründen der Pandemiebegrenzung wieder in totalitärere, striktere Strukturen gefallen ist - und wir so viele der Errungenschaften des 20ten Jahrhunderts im Bereich individueller Freiheit und qualitativ hochwertiger Demokratie durch eine plumpe Anlassgesetzgebung wieder verlieren würden.

Wir haben uns doch die letzten Jahrzehnte permanent anhören dürfen, wie gerade ihr - liebe Linke - der Widerstand gegen das Böse und gegen jedes Unrecht seid, sodass wo immer "ihr" regiert kein Mensch illegal wäre, niemand in seiner Freiheit eingeschränkt oder diskriminiert würde und ein Paradies der Liebe und Toleranz ganz natürlich entstehen und euren zarten und lieblichen Schritten auf samtenen Pfoten folgen würde.

Da wäre die aktuelle Entwicklung in der wieder einmal über 2 Millionen Menschen in unserem Land diskriminiert werden, doch eure große und einmalige Chance zu beweisen wie sehr ihr euch wirklich für Verfolgte und Diskriminierte einsetzen wollt.

Doch auf einmal seid ihr es, die Einschränkungen und Lockdowns bejubeln, solange sie nur die "Richtigen" treffen? Nämlich die Demokraten und Unbeugsamen - sowie all jene, die eben aus eigenen Stücken den bedingt zugelassenen Impfstoffen aufgrund fehlender Langzeitdaten und des politischen Drucks skeptisch gegenüberstehen. Man darf sich doch bitte nicht wundern, das Menschen skeptisch werden, wenn Sie durch politische - und somit äußere - Zwangsmaßnahmen zu ihrem angeblichen Glück genötigt werden sollen. Verschlimmert wird diese Lage für Betroffene noch dadurch, dass selbst der wissenschaftliche Diskurs derzeit hinten an gestellt wird und von außen (Medien und Politik) Druck auf kritische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen erzeugt wird. Normal ist so eine Entwicklung in einer westlichen Demokratie nämlich in keiner Weise.

Zustände in denen mehrere Millionen Menschen - und in krassem Gegensatz zur allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - einfach weggesperrt werden sollen, haben offensichtlich nicht mehr viel zu tun mit eurer Vision einer glizarosanen inklusiven Zukunft der Liebe und Omnitoleranz. Und auch nicht mit den Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten, die einzuhalten die österreichische Bundesregierung und der Nationalrat meines Wissens eigentlich verpflichtet wären.

Ein wertneutrales Beispiel der jüngeren Vergangenheit

Rekapitulieren wir doch einmal die Situation an der Grenze 2015. Wer für geschlossene Grenzen war - um die Bevölkerung vor einem unkalkulierbaren Risiko durch damals de facto bekannt gewordene Terrordrohungen zu schützen - der war in euren Augen doch ein Nazi und Faschist (wie auf zahlreichen "Gegendemos" zu konservativen Demos immer wieder skandiert wurde). Für Behörden, Medien und den Staat galt damals: Alterskontrollen zu machen und Identitäten an der Grenze festzustellen war ein Unding und eine absolute Verletzung der Menschenrechte und selbst in großer Stückzahl verlorene Ausweise waren kein Hinderungsgrund einzureisen. Personen mit Asylhintergrund durften nicht mit Ausgangskontrollen daran gehindert werden rund um die Uhr aus (oder in) entsprechenden Unterbringungen zu gehen und alles andere war ein Skandal der in eklatantem Widerspruch zu Menschenrechten und natürlich der Menschenwürde stand. Selbstverständlich musste diesen Menschen auch alles offen stehen, was der heimischen Bevölkerung ebenfalls zur Verfügung stand - inklusive aller Restaurants, Diskotheken, Geschäftsflächen und jeglicher öffentlicher Infrastruktur.

"Kein Mensch ist illegal" vs. "Ungeimpfte müssen bestraft werden"

Springen wir dann ins Jahr 2021 - denn nur sechs Jahre später, ist natürlich alles anders. Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte werden von zahlreichen Personen aus dem linken Lager frenetisch bejubelt, teilweise sogar aktiv eingefordert. Andersdenkende werden beschimpft. Personen die auf wissenschaftlicher Basis alternatives Vorgehen vorschlagen werden denunziert und medial der Lächerlichkeit preisgegeben. Jeder Bürger muss Impfnachweise und Gesundheitszertifikate bei sich führen - und kann selbstvertsändlich überall im öffentlichen Raum kontrolliert werden. Menschen wird aufgrund ihres Impfstatus der Aufenthalt in Gastronomien, Geschäften, Post, dem Elektrohandel, vielleicht auch Bank-Fillialen - und offenbar schon auf öffentlichen Plätzen - untersagt. Ungeimpfte müssen Eingriffe in ihre körperliche Unversehrtheit durch Testungen oder Impfungen über sich ergehen lassen - und nunmehr ist auf einmal (im Gegensatz zu 2015) jeder ein Nazi und Faschist, der es wagt diese Zustände zu kritisieren.

Liebe Linke,

lernt endlich einmal Geschichte. Man muss kein großer Historiker sein, um das absolute Unrecht der aktuellen Gesetzeslage zu erkennen. Parteien die darin involviert waren, sollten entweder ihre Minister zur Räson rufen - oder eben für alle Demokraten zu allen Zeiten unwählbar sein und bleiben. Denn Gesetze zu erlassen, die 2 Millionen Menschen de facto ihrer Grundrechte berauben, ist kein Kavaliersdelikt! Zumal die Politik inzwischen all das umsetzt, was ihr 2015 selbst abgelehnt habt. Jetzt wäre die Zeit, dass auch ihr euren Mut sammelt - und die aktuellen Zustände kritisiert. Denn ansonsten, wird euch euren "Widerstand" kein Mensch mehr glauben können.

Wer schweigt wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden, der ist kein mutiger Impfheld, sondern macht sich unter Umständen mitschuldig, an Zuständen die er vorgeblich abzulehnen behauptet.

Um so wichtiger, dass wir alle lernen uns für die gemeinsame Sache der Menschenwürde und Freiheit einzusetzen - und zwar ohne dass irgendein Mensch für seine Überzeugung oder seine medizinische Vorgeschichte diskriminiert wird. Denn das sind wir nicht nur unserer Generation, sondern auch allen Generationen nach uns schuldig. Wir müssen an einer gemeinsamen, dauerhaften Problemlösung arbeiten. Zwangsweise Eingliederung in derzeit durchgeführte Post-Marketingstudien experimenteller Impfplattformen, ist indessen eine solche nicht - da sie die Menschenrechte und auch die Menschenwürde hinten an stellt und wir gesamtgesellschaftlich somit von der anderen Seite vom Pferd fallen würden. Und das gilt es aus heutiger Sicht, einmal mehr zu vermeiden. Denn gehen uns Demokratie und Menschenrechte einmal verloren, sind diese unter Umständen dauerhaft nicht mehr so einfach wiederherstellbar - und ich denke, das will niemand. Weder in unserem Land, noch sonstwo in Mitteleuropa.

Mitteleuropa im Jahre des Herrn 2021, geschrieben im Lockdown für Ungeimpftem, von einem Ungeimpften.

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