liebe silvia - ein offener brief als antwort

liebe @Silvia Jelincic

was heisst, du bist kein „Gutmensch“?

was ist schlecht daran ein guter mensch zu sein?

bist du das gegenteil von gutmensch?

ein unmensch?

glaub ich nicht.

fällst du auf die meinungsmache von krone und co bzw. die vielen internetseiten mit rechter hetze herein? glaubst du, was da steht? lässt du dich in deiner meinung davon beeinflussen?

ich sag einmal mit vorbehalt ja, manchmal.

und weil du unseren apotheker zitiert hast – ich erinner mich an einen blog (? gelten 3 hingerotzte absätze schon als blog?) über die vergewaltigung einer 14jährigen in wiener neustadt und sein (darf ich) gestammel (schreiben?).

wie schaut diese story mit etwas abstand (etwa ein jahr danach) aus?

so

ich könnte dir noch so einige beispiele auch anderer postender anführen, bei denen sich im nachhinein herausstellt, dass da nix dran ist bzw falsch dargestellt wurde. so zb auch die pony-geschichte. du erinnerst dich?

ich habe auch schon desmanchen versucht, die parallelitäten der entwicklungen von vor 80 jahren darzustellen. es begann nicht mit gaskammern. es begann mit worten!

Die Feder (das Wort) ist mächtiger als das Schwert

(Edward George Bulwer-Lytton)

dir als journalistin muss ich wohl nicht erst argumentieren, warum das so ist und welchen einfluss die sprache und wörter auf unser denken und handeln haben.

aber jetzt zur beantwortung deiner frage – was ist heutzutage links?

derzeit scheint sich diese positionierung ausschliesslich durch die „migrationsfrage“ zu ergeben.

das ist so eindimensional wie unsinnig.

auch christliche konservative im besten sinne wären dann „links“.

und die handlungen und aussagen des papstes wären dann sowas wie die christliche abwandlung des kommunistischen manifests. links und rot bis in die knochen.

humanismus an sich ist noch nicht links.

links ist aber umgekehrt immer humanistisch.

richtig ist also: linke sind immer auf der seite der entrechteten, unterdrückten, ausgebeuteten, geknechteten MENSCHEN.

links heisst, sich für arme menschen einzusetzen.

und zwar egal, woher sie kommen, egal welches geschlecht oder sexuelle orientierung sie haben, welche hautfarbe oder welche nationalität oder religion sie haben.

aber bleiben wir vorerst beim offensichtlich grossen und einzigen thema – der migration.

da wird immer gefordert, recht muss recht bleiben.

ja.

aber ist es zb rechtens, wenn trotz noch nicht rechtskräftiger asylablehnungen abgeschoben wird?

ist es rechtens, wenn gut integrierte asylwerber abgeschoben werden?

es wird auch immer argumentiert, dass die meisten flüchtenden schlecht qualifiziert sind und dass sie kaum chancen haben auf dem ohnehin schwierigen arbeitsmarkt.

ein ebenfalls nicht aufrecht zu erhaltendes vorurteil.

„wir können nicht alle nehmen“ ist auch ein immer wieder gehörtes argument. ein falsches. weder werden wir alle nehmen, noch werden alle kommen wollen.

weltweit befinden sich 2016 lt. unhcr 65,5 mio menschen auf der flucht.

davon sind 189.300 (stand 2016) in österreich.

in der türkei sind das 2,9 mio, in pakistan 1,4 mio, im libanon 1,0 mio und im iran 979.000!

alles länder mit deutlich weniger wirtschaftlichen möglichkeiten als österreich.

die meisten dieser menschen haben weder die möglichkeit noch den willen nach europa zu kommen.

ein auch beliebtes argument – ja, jene die wirklich schutz brauchen – aber die wirtschaftsflüchtlinge!

jetzt könnte man vortrefflich darüber streiten, ob armut ein fluchtgrund ist. armut tötet sagt auch der papst.

wirtschaftsflüchtlinge zu verdammen heisst die eigene geschichte zu leugnen. der grossteil der in österreich lebenden migranten sind wirtschaftlüchtlinge. aus der türkei, aus dem ehemaligen jugoslawien oder aus deutschland.

etwa 50 mio us-amerikaner sind deutschstämmig. wirtschaftsflüchtlinge!

wie überhaupt geschichtsverdrängung ein offensichtliches merkmal rechter ist. was nicht sein darf, hat es nie gegeben, oder man mag nicht mehr darüber reden.

ist es schon links, diese tatsachen in seine gedanken einzubeziehen?

links heisst auch fair und gerecht in verteilungsfragen.

das heisst jetzt nicht, dass alle gleich viel bekommen sollen und müssen. aber das heisst, dass die verhältnismässigkeit gewahrt bleiben muss.

wenn 1 % der menschheit mehr als 50 % des gesamten weltweiten vermögens besitzen kann das nicht gerecht sein.

wenn vorstandschefs das x-fache gehalt der im gleichen unternehmen beschäftigten arbeiter*innen erhalten, ist das unverhältnismässig.

wenn finanzkonglomerate sich anschicken, die weltherrschaft zu übernehmen, dann kann das nicht im sinne der menschen sein.

wenn die lohnquote sinkt, die produktivitätsgewinne nicht fair verteilt werden und steuerliche massnahmen einseitig den besitzenden zugute kommen, dann ist es links, das aufzuzeigen und dagegen anzukämpfen.

und ich kann dabei keinen fehler erkennen.

jemanden den rassistischen spiegel vorzuhalten ist also noch nicht links, sondern anständig!

aber rassismus zu tolerieren oder gar zu fördern ist unmenschlich und rechtsextrem.

das hier ist für mich heutzutage links:

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