Na sicher nicht für die vom Terrorismus Betroffenen! Diejenigen, die ihm zum Opfer fallen, sind fast immer Unschuldige, ahnungslos Überfallene. Wenn sie nicht sterben, sondern "nur" mehr oder weniger stark verletzt wurden, tragen sie alle das entstandene Trauma ihr Leben lang mit sich. Hinterbliebene denken wahrscheinlich täglich an die nie zu vergessende Katastrophe. Sie müssen und sollen auch immer wieder darüber reden mit Verwandten, Bekannten, in therapeutischer Beratung, mit Helfenden aber auch in vielen, vielen anderen Begegnungen. So ein Schock führt zu Phobien und strahlt auf ihr ganzes Umfeld aus. Auch das familiäre Gefüge wird für mindestens eine Generation schwerst belastet. Auch all jene, die einem Anschlag knapp entkommen sind, werden nachhaltig getroffen. Wir können nur erahnen, wie sehr diese psychische Dauer-Bürde sich einer Welle gleich fortsetzt und welche psychischen Kräfte dadurch verzehrt werden. Oder welche graduellen Auswirkungen so ein Erlebnis auf den Lebens-Radius, die Lebendigkeit, die Einschränkung der Begeisterungsfähigkeit, die Lebensfreude, Kreativität und Spontaneität hat.

Terrorismus ist also in keinem Fall gesund! Und was nicht gesund ist, wird als krank bezeichnet. Kann jemand, der in einem krank machenden System mitmacht, selbst o.k. sein? Gibt es "gesunde" Schlächter; Mordende, die innerlich gut drauf sind? Ist jemand, der/die sich selbst und möglichst viele andere "in die Luft sprengt" eine seelisch ausgeglichene Person?

Nahezu alle ExpertInnen in forensischer Psychiatrie und klinischer Psychologie behaupten jedoch, dass Terroristen psychisch nicht krank seien, sondern "nur" radikalisiert. Sie planten konsequent und intelligent ihre Todesfallen und Mordanschläge. Von welchem Gesundheitsbild reden wir da überhaupt? Ist die allgemeine Definition der WHO von 1948 noch zutreffend, die da lautet „Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen"? Mir erscheint dies eher eine Themenverfehlung zu sein, weil sie eher eine Glücksdefinition beschreibt.

Auch die vielen psychologischen Krankheits-Diagnosen - von Neurosen, Psychosen, Psychopathie, Depressionen, Paranoia, Schizophrenie etc. - sind irgendwie "out". Die Komplexität unserer Lebensumstände läßt ein klar umrissenes Krankheits-Label nicht mehr zu.

Aus der psychologischen Diagnostik kennen wir das Zusammenspiel von drei wichtigen Faktoren, welche die "psychische Konsistenz" von Menschen beschreiben: Belastbarkeit, Selbstsicherheit und Entspanntheit.Verhält sich eine Person stimmungslabil, leidet unter Minderwertigkeitsgefühlen und steht unter Hochspannung, dann kann man sie nicht wirklich als seelisch fit bezeichnen. Umso wenigsd je mehr alle drei Bedingungen zusammen treffen. Wer langfristig einen mörderischen Anschlag plant, muss wahrscheinlich stress-resistent sein, sonst gehen die Nerven vorzeitig durch. Dennoch ist eine verminderte Frustrationstoleranz vorhanden.

Die Selbstsicherheit ist bei Fanatisierten derart übersteigert, dass sie an Größenwahn grenzt. Omnipotenzvorstellungen überdecken immer ein Inferioritätsgefühl, die Vorstellung eine ohnmächtige Null zu sein. Dem entgegen zu wirken wird die Phantasie aufgebaut, die eigene Chancenlosigkeit in Überlegenheit umzuwandeln. Der mörderische Sieg über das Opfer gibt das Gefühl von Macht über andere und sei es auch nur kurz. Bis zum eigenen Tod durch fremde/eigene Hand oder bis zur Bedeutungslosigkeit im Gefängnis. Da sind sich der amerikanische Polizei-Killer, der Amokläufer, der islamistische Terrorist, die Stalker, ja selbst Witwen-Mörder ähnlich. Hans Magnus Enzenberger schreibt in seinem Büchlein "Schreckens-Männer" genau über den Islam insgesamt als Looser-System. Die Minderwertigkeitsgefühle der Moslime gegenüber den Ungläubigen fußt auf derer totaler Rückständigkeit: Dem Westen haben alle arabischen Gesellschaften von der Öl-Technologie bis hinunter zum Schraubenzieher technisch einfach alles zu verdanken. Ihre Bücherfeindlichkeit führte dazu, dass in der arabischen Welt seit 400 Jahren schlicht keine Erfindungen möglich waren und fast all ihre Wissenschaftler in Ausland emigrieren mussten.

Der dritte Faktor - die innere Spannung - erscheint mir die entscheidende Größe für die Definition von psychischer Gesundheit zu sein. Als Existenzial-Psychologe zählt für mich einzig und allein der Gradmesser innerer Entspanntheit. Selbst wenn jemand körperlich gebrechlich, ja körperlich leidet und er/sie nimmt es locker, dann ist das für mich eine gesunde Einstellung. Es gibt Leute, die auch soziale Katastrophen in familiärer Umgebung als "happy survivor" annehmen können. Die arme Alte "im Tröpferlbad" antwortet auf die Frage von Elisabeth Spira: "Haben sie noch einen Wunsch?" entrüstet: "Wos, an Wunsch? Na an Wunsch brauch in kaan!" Sie sieht ihre Armut als Vorteil! Ein Satz, den ich mir immer merken werde. Selbst wenn jemand phlegmatisch auf seine eigenen psychischen Probleme blickt, ist das doch cool. Der Dalai Lama - gefragt, was ihm im Leben abging - meinte: Er wäre gern einmal verliebt gewesen. Aber seine Heiligkeit nimmt es dennoch locker... Undenkbar, dass er radikalisiert werden könnte!

Damit steht für mich fest, dass das Level an innerer Spannung das einzige Kriterium für psychische Gesundheit ist. Terroristen sind voll verkrampft, durch ihren Fanatismus massiv geistig reduziert und daher schwerstens krank, ja meist irreparabel gestört. So wie der Terrorismus selbst. Es ist ganz wichtig, dass wir deren Defekt als Krankheit ansehen, sie bezeichnen und destruktive Grund-Haltungen ingesamt als katastrophalen Defekt diskreditieren.

Ein Fahrzeug etwa, dem das ganze Bremssystem ausgebaut wurde, wird durch diesen Eingriff zu einem gefährlichen Gerät. Es versagt in einer wichtigen Funktion, ist somit unbrauchbar. Kein Mensch würde so ein Auto als in Ordnung bezeichnen. Wenn dazu auch noch die Lichtanlage streikt, fehlt es an der Sicht bei Nacht und Nebel. Auch wenn man ihm von außen und unter Tags sein Manko nicht anmerkt.

Bei uns Menschen gibt es die Über-Ich-Schranke, die wir als Gewissen bezeichnen. Und die Lichtanlage ist unsere Reflexionsfähigkeit, die uns eigenes Verhalten hinterfragen läßt. Psychisch gesunde Personen wissen um die eigenen Problembereiche, thematisieren sie und holen sich auch kritisches Feedback von außen. Hier hat der Islamismus schweren Aufholbedarf, weil dort die westliche Aufklärung nicht stattgefunden hat. Daher ist ihnen die Relativierung eigener Ansichten unbekannt, relativierender Humor, Karrikaturen und Kabaret ein Greuel. Sie können all das nur als Beleidigung auffassen. Unterbelichtet und schrankenlos: Radikalisierten wurden jeder Respekt und alle mitmenschlichen Gefühle ausgetrieben, sozusagen die Bremsen ausgebaut. Ohne ihre Handlungen zu reflektieren schlagen sie ungebremst in den von ihnen verhassten Gesellschaften auf. Es fehlt ihnen die natürliche Bremse des Gewissens und auch die Erhellung durch Selbstkritik oder gar so was von Selbst-Ironie.

Es reicht bei weitem nicht aus, uns nur vor diesem auch von Papst Franziskus bezeichneten "Wahnsinns-Taten" zu schützen. Nur im tiefgreifenden Dialog mit der muslimischen Welt kann gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden. Die Institutionen des Islams vor Ort und auch hier im Westen müssen dialoghaft massiv unterstützt werden, um die destruktiv kranke Werte-Vorstellungen des Fanatismus' auszuhebeln, um einen gegenseitigen Werte-Konsens zu erarbeiten. Nur so könnte eine Art "Friedens-Abkommen" zwischen den beiden Weltanschauungen geschlossen werden. Friede lässt gesundem, während jeder Krieg krank ist und macht.

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Spinnchen

Spinnchen bewertete diesen Eintrag 25.12.2016 07:52:34

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