Das monotheistische Bilderverbot zieht sich durch alle drei abrahamitischen Religionen. Im Koran selbst existiert zwar nicht explizit ein Bilderverbot, doch wird es im Islam mehr oder weniger gelebt. Die sakralen Stätten und Moscheen weisen keine Bilder auf und es sind uns auch Zerstörungen christlicher und buddhistischer Bilder und Statuen durch radikal-gläubige Muslime schmerzhaft in Erinnerung. (Palmyra und andere.) Die blindwütige Zerstörung von Kulturdenkmälern durch religionstrunkene Zeitgenossen ist ein immens hoher, historischer Verlust. Nicht alles kann und konnte man nachbauen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bilderverbot_im_Islam

Dann tritt ein Lehrer vor eine Klasse, der das hätte wissen müssen. Wie hätte er mit dieser mangelhaften Bildung ansonsten Lehrer werden können? Geschichtslehrer?

Dieser Lehrer zeigte vor einer Klasse, in der sich junge, rebellische Muslime befinden, Karikaturen von Mohammed und verletzte damit nicht nur das religiöse Bilderverbot des Islam, sondern auch das Ehrgefühl der Moslems.

Nur weil wir, die wir nur noch Gläubige auf dem Papier sind, uns nichts aus dem Abbildungsverbot (mehr) machen und nur weil wir so unmoralisch sind und unseren (vermeintlichen) Gott halbnackt und gedemütigt, mit einer Krone der Schande auf dem Kopf, blutend aus seinen Wunden, vor den Augen der Welt darstellen, brauchen wir uns nicht anzumaßen, alle anderen Menschen dächten und fühlten so wie wir. Die Welt hat längst erkannt, was wir sind: Unmoralisch und scheinheilig. Politisch leben wir eine Doppelmoral, die ihresgleichen sucht.

Was hat dieser Lehrer gedacht, geglaubt, gehofft, erwartet, als er mit Mohammed-Karikaturen vor eine Klasse unreifer, aufmüpfiger Muslime trat, die von ihren Eltern beeinflusst sind?

Wollte er kämpfen? Wofür? Wogegen? Für die Meinungsfreiheit? Für welche? Für unsere? Oder die der Muslime?

Oder wollte er provozieren? Hat er sich gedacht: Wartet nur! Euch Jungs werde ich zeigen, wer in Frankreich regiert!

Man weiß es nicht.

Man weiß nur, dass die Rache fürchterlich war.

Gutheissen kann man sie nicht, aber ihren Weg nachvollziehen kann man: Das Abbildungsverbot ist so alt wie die Bibel. Christen und Muslime haben es von den Juden übernommen.

Es hat seinen tieferen Sinn im Monotheismus: Gott, als der alleinige Schöpfer des Himmels und der Erde, darf Bilder anfertigen und ihnen anschließend Leben einhauchen.

Fertigt der Mensch Bilder an, so stellt er sich mit Gott auf eine Stufe, kann seinen Bildern jedoch nicht den göttlichen Lebensodem einhauchen. Die Bilder des menschlichen Schöpfers bleiben unbelebt, tot. Sein Versuch, sich mit dem göttlichen Schöpfer zu messen, schlug fehl, der Bildner wird verdammt.

Wer schon einmal ehrlichen Herzens ein Bild oder eine Statue von einem Lebewesen angefertigt hat, wird hinterher stets bedauert haben, dass er sein Bild, sein Werk nicht zum Leben erwecken konnte, dass es nur ein Bild blieb.

In den Köpfen alter Menschen existiert heute noch die Angst (Aberglaube), dass ein Mensch, dessen Bild man herzeigt, sterben könnte. Ich kenne einen solchen neunzigjährigen Mann. (Ich wüsste es sonst nicht.) Man war früher zurückhaltender mit dem Zeigen von Bildern (Fotos). Tausende von Fotos in der Google-Cloud stehen heute im krassen Gegensatz zum monotheistischen Abbildungsverbot - stumme Zeugen unserer Ungläubigkeit?

Es kommt letztlich nur auf die Kraft des Geistes an, ob ein totes Bild lebendig wird, ob das abgebildete Lebewesen aus dem "Rahmen" oder dem "Album" tritt und zu atmen beginnt. Das ist weder unmöglich noch unvorstellbar.

Doch bisher verfügt noch kein Mensch über diese geistigen Kräfte.

Jesus soll als Kind Lehmvögel zum Leben erweckt haben:

Im Alter von sechs Jahren (in leicht abweichenden Schriften ist er sieben) trifft sich Jesus mit anderen Knaben in einer verlassenen Lehmgrube. Die Kinder formen aus Lehm allerlei Vogelfiguren und erfreuen sich daran. Ein „alter Jude“ (bzw. ein alter Rabbiner) sieht dies und schimpft mit den Kindern, weil Sabbat ist und Handwerkskünste am Sabbat untersagt sind. Als Jesus dem Alten sagt, dass es diesem nicht zustünde, die Kinder so zu schelten, will der Rabbiner die Lehmfiguren zertreten. Geschwind klatscht Jesus in die Hände und ruft den Figuren zu, sie sollen davonfliegen. Da werden die Figuren lebendig und fliegen laut schreiend davon.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kindheitsevangelium_nach_Thomas

An anderer Stelle wird die Geschichte blumiger erzählt. Es soll sich bei den zum Leben erweckten Vögeln um zwölf Sperlinge gehandelt haben. Diese zwölf Sperlinge kann man als Vorwegnahme der Aussendung der zwölf Apostel betrachten.

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