Düster-melancholisch liegt in diesen Tagen die Landschaft da. Hätte man mich im Vorjahr noch vom Klimawandel überzeugen können, als im November bunte Blümchen auf der Philosophenwiese blühten, so fühle ich mich diesen Herbst vom Klimawandel im Stich gelassen, ja - im Stich gelassen. Das sind die richtigen Worte. Denn niemand wünscht sich mehr als ich, dass es in unseren Breitegraden wärmer wird, dass Kälte, Schnee und Eis ausbleiben. Aber was sehe und fühle ich, wenn ich vor die Türe trete?

Feuchte Kühle streicht um meine nackten Unterarme, die wegen des Glaubens an den Klimawandel noch gerne unbedeckt sind. Auf dem Gartenzaun hocken die Krähen, zehn, zwölf, und starren mich an. Was sie wohl denken? Sie sind ziemlich menschenbezogen, wenn sie einen Menschen erst einmal kennen. Dann fliegen sie über strecken von mehreren hundert Metern mit ihm mit. Sie geben ihm Geleit bis zum Ende ihres Reviers.

Ich muss mir eine Jacke holen. Der Nebel hüllt Haus und Garten ein. Ich trete auf die Straße und mache ein Foto, um es missmutig "meinen Männern" zu schicken, garniert mit dem Satz: "Bei DEM Wetter kann ich nicht einkaufen fahren, ich sehe keine fünf Meter weit!" Erboster Smiley!

Der Oktober mit seinen fallenden Blättern hat mich fest im Griff. Ich gehe hinein und drehe laut die Musik auf - Musik aus wärmeren Gefilden.

Was war passiert? Vor wenigen Tagen musste ich am Auto Eis kratzen und nun verschwindet seit Tagen dieser Nebel nicht. Erst am frühen Nachmittag wird die Sonne durch die Nebeldecke kriechen wie ein verschlafenes Wesen, das den morgendlichen Weckruf nicht gehört hat.

Aber dann! Wenn sie die graue Decke abgeworfen hat, scheint sie wärmer als sie jemals zuvor in einem Oktober geschienen hat. Das gibt Hoffnung, dass es doch noch nicht vorbei ist.

Gelb fallen die Blätter vom Baum und rieseln zu Boden, begraben ihn unter sich. Ich werde wohl kehren müssen, damit der Boden wieder sichtbar wird?

Bald wird der Garten wieder kahl sein bis auf die immergrüne Hecke und ein paar andere Gehölze, die nie ihr Nadel- und Blätterkleid abwerfen. Vereinzelt rankt sich der Efeu hoch, er blüht um diese Zeit. Wenn die Sonne scheint, kommen die Königinnen den Nektar trinken.

Auch eine Hornissenkönigin ist dabei.

Vom immergrünen Liguster und dem immergrünen Kirschlorbeer habe ich mir diesen Sommer viele Stecklinge gezogen, sie treiben gerade jetzt schön aus. Über diesen Zuwachs an Immergrün freue ich mich. Jedes grüne Blatt im Winter trägt ein Stück Traurigkeit aus dem Garten fort.

An den feuchten Abenden, wenn es dämmrig wird, hüpft noch meine Hauskröte fit und neugierig durch den Garten. Sie verlässt ihn nie, ist ein Weibchen und will wohl im März die Erste am Wasser sein? Ihr habe ich eine geschützte Winterwohnung unter einem riesigen, umgestülpten Pflanzentopf geschaffen, eingerichtet mit Laub, Heu und Geäst, falls sie sich einmal nicht in der Erde eingraben will. Man weiß schließlich nie, was den Kröten und anderen Amphibien einfallen wird. Sie sind enorm angepasst an sämtliche Klimaeinflüsse, sonst wären sie schon ausgestorben. Amphibien sind aber die ältesten Landwirbeltiere der Erde. Sie könnten uns viel von wiederkehrenden Klimaveränderungen erzählen. Sie haben bis jetzt noch jeden Klimawechsel gut überstanden. Von daher ist mir meine Hauskröte heilig! Das nette, chillige Tier steht stellvertretend für alle anderen Landwirbeltiere (Kennzeichen vier Gliedmaßen), eben auch den Menschen. Geht es meiner Kröte gut, geht es mir auch gut!

Und so zieht der Herbst ins Land und erfüllt seine natürlichen Pflichten. Nebel ist ein typisches Herbstphänomen in meinen Breitegraden. Feuchte Luft kühlt ab und erzeugt eine "Wolke" in Bodennähe. Für viele Pflanzen ist das herrlich. Sie blühen in dieser Feuchtigkeit auf. Dass es dabei ein paar Grad kälter ist, scheint sie nicht zu stören.

In diesen Tagen beschleicht mich das Gefühl, dass der Klimawandel nur dort stattfindet, wo an ihn geglaubt wird. Denn wie steht schon seit langer Zeit geschrieben: Der Glaube versetzt Berge!

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