Karl Lagerfeld zählt zweifelsohne zu den wohl bekanntesten Modeschöpfern Europas. Auch politisch äußert er sich gerne scharfzüngig. Nach seiner Aussage zum Abschneiden der AfD bei der vergangenen Bundestagswahl, sorgte er kürzlich im französischen TV mit einer Aussage zum importierten Antisemitismus aus der arabischen Welt für Furore.

Christopher William Adach - http://www.flickr.com/photos/adach/14071166986/

Laut dem 84-Jährigen habe Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Million Einwanderer nach Deutschland einreisen lassen, um das "Stiefmutterimage" loszuwerden, das ihr ihr Verhalten in der Griechenlandkrise eingebracht habe. Dies sei nicht notwendig gewesen, weil bereits Millionen gut integrierter Migranten im Land lebten.

Für Zündstoff sorgte sein Satz, man könne nicht Millionen von Juden töten, um später Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land zu holen. Lagerfeld spielt unmissverständlich auf die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundesregierung an. Er fügte seiner Aussage hinzu, er kenne jemanden, der einen jungen Syrer aufnahm, welcher den Holocaust als "die beste Erfindung Deutschlands" bezeichnet habe. So gibt es die Le Monde Juif wieder, die bereits am Sonntagabend darüber berichtete.

Wie zu erwarten war, verurteilen ihn jetzt einige Chefideologen für seine Worte. Die üblichen Verdächtigen belegen ihn mit den üblichen, stereotypen Vorwürfen, er würde "hetzen", sei "fremdenfeindlich", "rechtspopulistisch", "rassistisch", usw.

Man kennt diesen Beißreflex nach jeder Kritik an Negativerscheinungen der Einwanderung aus einem bestimmten Kulturkreis mittlerweile zu genüge.

Daher weiß man auch, dass Vertreter und Anhänger bestimmten politischen Richtung genannte Vorwürfe inflationär verwenden, und sie zu ihren Kampfbegriffen auserkoren haben. Folglich muss man sie nur noch in den seltensten Fällen überhaupt ernst nehmen.

Des Weiteren dürfen, wie man es ebenfalls kennt, persönliche Angriffe auf Lagerfeld nicht fehlen. Ihm wird unterstellt, er habe keine Ahnung, solle sich nicht einmischen, sei senil, etc.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall!

Nach der Bundestagswahl hat derselbe Karl Lagerfeld sich betroffen geäußert, als die AfD in den Bundestag eingezogen ist. Damals sagte er, sich deshalb für Deutschland zu schämen, und setzte die künftigen Abgeordneten der Partei pauschal mit "Nazis" gleich.

Nun sorgt er gut einen Monat später wieder für Furore, weil er allen Flüchtlingen pauschal Judenhass unterstellt.

Er weiß mit Sicherheit, sowohl dass die AfD nicht ausschließlich aus Nazis besteht, als auch dass nicht alle Flüchtlinge per se Judenhasser sind. Er weiß aber auch, dass man in Deutschland bisweilen übertreiben und pauschalisieren muss, um politisch überhaupt gehört zu werden.

Es ist nicht zu bestreiten, dass es innerhalb der AfD einige Rechtsaußen gibt, deren Machtfülle hoffentlich nicht allzu groß wird.

Ebenso ist es nicht zu bestreiten, dass im Schutz der Flüchtlingsbewegung und damit verbundenen, vorübergehenden Grenzöffnung eine bedrohlich hohe Zahl gewaltbereiter, islamistischer Antisemiten ins Land gekommen ist.

Das prangert Lagerfeld durch bewusste Überspitzungen und Übertreibungen an. Die erwartbaren Reaktionen hat er wahrscheinlich ebenfalls einkalkuliert.

Diejenigen, die ihn für sein Statement zur AfD nach der Bundestagswahl gefeiert haben, verurteilen ihn nun für sein Statement zum importierten islamistischen Antisemitismus, und umgekehrt.

So hält er der Gesellschaft einen Spiegel vor.

Vor lauter Empörung merkt sie das aber noch nicht einmal!

Lagerfeld stößt auf diese Weise wichtige Debatten an, an die sich andere nicht heran trauen.

Allein das breite mediale Echo gibt ihm bereits Recht!

Aus didaktischer Sicht ist das brilliant!

Chapeau, Monsieur Lagerfeld!

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