Friedrich Merz sagt nun selbst, dass die bisherigen Maßnahmen der Regierung der Wirtschaft nichts gebracht haben.

Das ist eine bemerkenswerte Feststellung – nicht, weil sie mutig wäre, sondern weil sie spät kommt. Sehr spät. Und weil sie etwas offenlegt, das von Anfang an sichtbar war: Diese Politik ist gescheitert, weil sie am Kern vorbeigedacht wurde.

Denn die Warnungen waren da.

Ökonomen, Sozialverbände, Praktiker, Kommunen, selbst Teile der Wirtschaft haben es gesagt: Wer Kaufkraft schwächt, wer soziale Sicherheit abbaut, wer Menschen gegeneinander ausspielt, stärkt keine Wirtschaft. Er trocknet sie aus. Trotzdem wurde genau dieser Weg beschritten.

Statt struktureller Reformen gab es Schuldzuweisungen.

Statt Investitionen in Stabilität gab es Symbolpolitik.

Statt Verantwortung gab es Sündenböcke.

Erst waren es die Migranten.

Dann die Bürgergeldempfänger.

Dann die Alleinerziehenden.

Dann die Rentner.

Dann die Kranken.

Immer war die Erzählung dieselbe: Diese Gruppen kosten zu viel. Diese Gruppen bremsen. Diese Gruppen stehen dem Aufschwung im Weg.

Und immer wieder wurde suggeriert: Wenn wir nur dort kürzen, wenn wir nur dort Druck machen, dann wird die Wirtschaft schon anspringen.

Sie ist nicht angesprungen.

Warum?

Weil Wirtschaft kein Naturereignis ist. Sie entsteht nicht durch Härte nach unten, sondern durch Stabilität in der Mitte. Durch Menschen, die sich etwas leisten können. Durch Familien, die planen können. Durch Arbeitnehmer, die nicht permanent Angst haben müssen. Durch Rentner, die nicht jeden Euro umdrehen. Durch Alleinerziehende, die nicht zwischen Kind und Job zerrieben werden.

Eine Wirtschaftspolitik, die Menschen nur als Kostenfaktor betrachtet, zerstört ihre eigene Grundlage.

Wenn Friedrich Merz nun feststellt, dass all das nichts gebracht hat, stellt sich eine einfache, aber unbequeme Frage:

Wer ist jetzt dran?

Wem will man als Nächstes ein paar Euro aus der Tasche ziehen?

Welche Gruppe wird als nächste zur Belastung erklärt?

Wo wird noch gekürzt, noch gestrichen, noch verschärft – um eine Politik zu retten, die von Beginn an falsch aufgesetzt war?

Denn eines ist klar:

Das Problem war nie der Migrant.

Nicht die Rentnerin.

Nicht der Kranke.

Nicht der Alleinerziehende.

Nicht der Mensch, der Unterstützung braucht.

Das Problem war eine Prioritätensetzung, die Wirtschaft vom Menschen entkoppelt hat.

Wirtschaft ist kein Selbstzweck.

Sie ist ein Werkzeug.

Und ein Werkzeug, das gegen die Hand geführt wird, die es hält, zerbricht irgendwann.

Ein Staat, der glaubt, er könne Wachstum erzeugen, indem er Schutz abbaut, verspielt Vertrauen.

Ein Staat, der glaubt, er müsse zuerst sparen, bevor er stabilisiert, produziert Unsicherheit.

Und Unsicherheit ist Gift für jede Volkswirtschaft.

Was Deutschland gebraucht hätte – und immer noch braucht – ist eine klare Umkehr:

Menschen zuerst.

Ihr Auskommen zuerst.

Ihre Sicherheit zuerst.

Ihre Familien zuerst.

Ihre Kinder zuerst.

Nicht als moralische Floskel, sondern als ökonomische Vernunft.

Denn stabile Gesellschaften tragen stabile Wirtschaften.

Nicht umgekehrt.

Wenn nun das Eingeständnis kommt, dass der eingeschlagene Weg nichts gebracht hat, dann reicht es nicht, einfach neue Maßnahmen anzukündigen. Dann braucht es Ehrlichkeit. Dann braucht es die Bereitschaft zu sagen: Wir haben falsch priorisiert. Wir haben zugehört – aber nicht gehandelt. Wir haben gewarnt bekommen – und es ignoriert.

Und dann braucht es etwas, das in der aktuellen Debatte fast völlig fehlt: Verantwortung nach oben, nicht nach unten.

Guten Morgen, Deutschland.

Die Frage ist nicht, wer jetzt noch schuld ist.

Die Frage ist, ob wir endlich bereit sind, Politik wieder vom Menschen her zu denken – bevor wir auch das letzte Vertrauen verspielen.

Und bevor jetzt wieder jemand schreit: „Dann eben AfD.“

Nein.

AfD- und CDU-Politik sind in zentralen Punkten zu rund 65 % deckungsgleich.

gegen Menschen, gegen soziale Absicherung, für Konzerne, für Umverteilung nach oben.

Wer glaubt, er wählt mit der AfD einen Gegenentwurf, wählt in Wahrheit dieselbe Politik – nur brutaler formuliert.

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