Henryk Broder & David Berger - Wir basteln uns einen muslimischen Mörder

Am Dienstag wurde der Schüler Leon H. (14) von seinem Mitschüler Alex M. (15) auf einem Schulflur an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen erstochen. Das Opfer starb noch auf dem Schulgelände. Mein tiefes Mitgefühl gilt vor allem der Familie des Opfers, aber auch der des Täters. Der Täter wurde in Deutschland geboren und hat zusätzlich einen kasachischen Pass. Wahrscheinlich ist er ein Russlandeutscher und gehört zu einer Familie von Spätaussiedlern. Über die Religion des Täters ist nichts bekannt. Wahrscheinlich ist er Christ. Die Religionszugehörigkeit tut aber nichts zur Sache. Oder etwa doch?

"Ein Mensch ist ein fühlendes und denkendes Wesen mit Bedürfnissen, Sehnsüchten, Erinnerungen, Ängsten, Hoffnungen, Überzeugungen, Wertvorstellungen, einem Charakter. (...)

Ein Mensch ist, selbst wenn er einer Religionsgruppe angehört, nicht nur ein Christ oder Muslim, ein Buddhist, Hindu oder Jude, sondern auch Sohn/Tochter, Bruder/Schwester, Vater/Mutter, Freund(in), Handwerker/Krankenschwester/Arzt/Autor, Kollege, Bayern-/Kaiserslautern-/BVB-/HSV-Fan, Literatur-/Poesie-/Film-/ Tanz-Liebhaber, ein Kind der Aufklärung, ein Humanist usw. usf. Wenn man also einen Menschen auf seine Religion reduziert, so wird man ihm in keiner Weise gerecht." (Juergen Fritz, Januar 2015)

Dennoch verbreitet der bloggende Freund von Alice Weidel und Beatrix von StorchDavid Berger, in den sozialen Netzwerken die Behauptung, der Täter sei mit einer 70%-igen Wahrscheinlichkeit Muslim, da rund 70% aller Kasachen Muslime sind:

"Wer bei Kasachstan zuerst an Russland denkt, liegt nicht ganz falsch. Aber es kann ein falscher Eindruck enstehen. Kasachstan ist geprägt von dem dort in der Überzahl herrschenden Islam, der sich zunehmend radikalisiert."

Auf der "Achse des Guten" von Henryk Broder fragt ein Gastautor entsprechend:

"In was für einem ideologischen Umfeld wuchs der Täter auf? Welche Überzeugungen prägten sein Weltbild? Hatte er religiöse Prinzipien und wenn ja, wer hat ihn in dieser Form der Religionsausübung geprägt und unterstützt?

Ich frage, weil nicht selten religiöse und ideologische Verblendungen die Gründe für Gewalt sind. Wer Einigkeit und Recht und Freiheit nicht auf seiner Sprache versteht, der wird es auch nicht auf deutsch verstehen, bevor er nicht seinen oft religiös und ideologisch geprägten Fanatismus ablegt!"

Der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttman spricht auf Twitter vielen aus dem Herzen:

Islamfeindlichkeit

Laut dem britischen Soziologen Chris Allen schafft Islamfeindlichkeit eine Wirklichkeit, in der es als normal gilt, Muslime als grundsätzlich verschieden von Nichtmuslimen anzusehen und sie folglich auch ungleich zu behandeln. Islamfeindlichkeit verbreite einseitig negative Sichtweisen über dem Islam und ziele darauf ab, negative Wahrnehmungen von Muslimen und dem Islam als „Wissen“ zu etablieren, also als für objektiv wahr gehaltene Aussagen. Ein Muslim wird nicht als Individuum angesehen, sondern einseitig und negativ auf seinen Glauben reduziert. Islamfeindlichkeit unterstellt negative Stereotype pauschal der ganzen Kategorie, also dem Islam und den Muslimen. 

Wolfgang Benz vertritt den Standpunkt, gemeinsam sei antisemitischen wie islamophoben Vorurteilen „die Einteilung in Gut und Böse sowie das Phänomen der Ausgrenzung“. So wie es eine Methode „irgendwelcher ‚Experten‘“ gewesen sei, Judenfeindschaft mit Inhalten des Talmud und durch „jüdische“ Gene zu begründen, durch die Juden „zum Bösen geführt“ sein sollten, gebe es heute Experten, die ähnlich argumentierten: „Man stigmatisiert eine Minderheit als gefährlich, weil es ihr angeblich die Religion befiehlt“.

Henryk M. Broder meint, dass Antisemitismus „auf hysterischen Ängsten, Erfindungen, Projektionen und Neidgefühlen“ beruhe, während die Islamkritik „eine reale Basis“ habe. Dem widerspricht Mathias Brodkorb: Der nationalsozialistische Antisemitismus sei nicht in erster Linie „von mittelalterlich verbürgten Abstrusitäten wie der These von den ‚Brunnenvergiftern‘ oder ‚rituellen Kindstötern‘“ konstruiert, sondern aus verschiedenen „Erfahrungen, die er allerdings […] in abstruser und unzulässiger Weise im Rahmen einer Sündenbocktheorie verallgemeinerte“, weshalb ein Vergleich zulässig sei. Sowohl der antimuslimische als auch der antisemitische Rassismus scheinen also induktiv vorzugehen. Beide Rassismen verallgemeinern und schließen offenbar von einem oder mehreren auf alle Muslime bzw. Juden.

Chris Allen ist der Ansicht, der Islam habe einen ähnlichen Stellenwert wie die Hautfarbe schwarzer Menschen. Beide würden primär durch dieses äußere Zeichens als homogene Gruppe definiert. So dient der Hidschab im Kopftuchstreit dazu, seine Trägerinnen als unemanzipiert und ihre Ehemänner und Väter als frauenfeindlich bzw. die Frauen selbst als (potentielle) Terroristinnen darzustellen. Es folge die Diskriminierung: Während man schwarze Männer unter den Generalverdacht der Kriminalität stelle und so die Unschuldsvermutung missachte, würden Muslime als potentielle Terroristen gesehen und damit strengeren Sicherheitsvorkehrungen unterworfen als andere Menschen.

Wie verbreitet Islamfeindlichkeit ist, haben Zick et al. untersucht. In einer Vergleichsstudie haben diese in acht europäischen Ländern mit je 1000 Befragten repräsentative Stichproben von Bürgern ab 16 Jahren gezogen (Zick et al. 2011). Die Umfrage wurde in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Italien, Portugal, Polen und Ungarn durchgeführt. Islamfeindlichkeit wurde durch eine Skala erhoben, die aus drei Aussagen gebildet wurde. Insgesamt ist die Verbreitung der Islamfeindlichkeit in allen Ländern stark ausgeprägt. Die Abbildung zeigt die mittleren Zustimmungen in den Ländern, in denen die Erhebung stattfand:

Faktoren, die Islamfeindlichkeit begünstigen

Betrachtet man die westlichen Industriestaaten, dann fallen die relativ hohen Werte in Italien und Deutschland auf. Eher weniger Feindlichkeit gegenüber Muslimen wurden in Portugal und den Niederlanden gemessen. Winken der Faschismus in Deutschland und Italien hinterher? Sind Portugal und Niederlanden als ehemalige Kolonialmächte vor gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit besser geschützt als Deutschland und Italien, die weniger kolonialistisch unterwegs waren?

Wenig überraschend ist der Befund, dass die Islamfeindlichkeit umso größer wird, je rechter die politische Selbsteinstufung ist. Viele Studien zeigen, dass eine autoritäre Grundhaltung gegenüber abweichenden Normen, Werten und Verhaltensweisen mit Vorurteilen einhergeht (vgl. z. B. Zick/Henry 2009). Es zeigt sich, dass die Präferenz für eine Ideologie, die die Ungleichwertigkeit von Gruppen in einer Gesellschaft – einige oben, andere unten - richtig findet, mit einer höheren Islamfeindlichkeit und vielen anderen Vorurteilen zusammenhängt und auch die Gewaltbilligung erhöht (Küpper/Zick 2008). Zudem erhöht die Ablehnung von ethnischer und kultureller Diversität die Islamfeindlichkeit und viele andere Vorurteile (Zick et al. 2011).

Islamfeindliche Äußerungen finden auch bei Menschen aus schwächeren sozialen Schichten mehr Zuspruch. Hierzu paßt, dass die Islamfeindlichkeit in der vorgestellten Studie zwischen 2009 und 2010 signifikant nur unter denjenigen Befragten ansteigt, die ihre Ansichten als „links“ oder „Mitte“ verorten. Abstiegsängste nach der Finanzkrise 2008 scheinen eine "Sündenbockfunktion" der Muslime zu befeuern.

Propaganda gegen Muslime

Produziert und verbreitet wird Islamfeindlichkeit eher von Eliten, die über Bildung und Status verfügen. Dabei schrecken diese wie einige AfD-Politiker nicht einmal vor Fake News zurück. Zielgerichtete Versuche, politische Meinungen und öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und das Verhalten in eine erwünschte Richtung zu steuern, wird als Propaganda bezeichnet. Diese steht im Gegensatz zu pluralistischen und kritischen Sichtweisen, welche durch unterschiedliche Erfahrungen, Beobachtungen und Bewertungen sowie einen rationalen Diskurs geformt werden.

Anfang Januar wurde das "Handbuch für Medienguerillas" öffentlich. Unter anderem soll dieses auf "Reconquista Germanica" herumgereicht werden, einem Channel im Sozialen Netzwerk “Discord”, der von einem "Nikolai Alexander" gegründet wurde. Über den Discord-Channel werden Shitstorms gegen Medien oder Politiker organisiert, und im letzten Jahr versuchten Aktivisten des Kanals Einfluss auf die Bundestagswahl zu nehmen, natürlich im Sinne der AfD. 7.000 Mitglieder hat die Gruppe, dazu gehören unter anderem Yannick Noé, der Herausgeber des rechtsradikalen "Identitäre Bewegung"-nahen "Arcadi"-Magazins. In den Texten tauchen immer wieder Wörter auf, die in der Kriegsführung genutzt werden. Ein Ratschlag lautet:

"Folge/ Like die Accounts (bzw. infiltriere Foren) von allen Parteien, insbesondere den Grünen, bekannten Feministinnen, Regierungslakaien wie Till Schweiger oder Böhmermann und sämtlicher Propaganda-Regierungspresse, wie ARD, ZDF, Spiegel und dem Rest der Fake-News-Mischpoke. Und selbstverständlich den Zensur-Schreibtischtätern Correctiv und Amadeu-Antonio-Stiftung. Und sobald Du siehst, dass Sie wieder ihre Lügen und ihr Gift in die Welt verspritzen, sag ihnen die Meinung, verwickel sie in Diskussionen, markiere ihre Lügen als #fakenews und trolle den Fick aus ihnen heraus."

Alles, was der eigenen Meinung widerspricht, ist also eine Lüge. Wenn der patriotische Medienguerillero an jemanden gerät, der nicht auf Tricks aus der Internetmottenkiste reinfällt, dann gibt es nur noch eins:

"Beleidigen. Und da ziehe jedes Register. Lass nichts aus. Schwacher Punkt ist oftmals die Familie." Und etwas später: "Heb es Dir als Ultima Ratio auf, aber wenn jemand versucht sein Gift im Internet zu verbreiten, ist es erlaubt ihn fett oder hässlich zu nennen, wenn es so ist." (Quelle: belltower.news)

Hinter "Arcadi" steckt ein deutschlandweites Autoren-Netzwerk, das sich geschlossen am rechten Rand bewegt. Simon Kaupert etwa, Mitinitiator des Würzburger Pegida-Ablegers WüGIDA und Mitarbeiter bei "Ein Prozent", der selbsternannten patriotischen "Bürgerinitiative" und Aktionsplattform, in der Identitäre, AfD und Jürgen Elsässer zueinander finden. Oder Alina Spiegel, Frederic Höfer, Leon Stockmann, Luca Hart, Reimond Hoffmann und Robin Classen – allesamt AfD-Mitglieder. Hoffmann sitzt auch im Bundesvorstand der Jungen Alternative. Der Name von Spiegel findet sich unter einer Resolution von AfD-Mitgliedern, die sich gegen einen Ausschluss von Björn Höcke aus der AfD stellen. Chefredakteur Yannick Noé selbst ist Sprecher der AfD Leverkusen. (Quelle: vice.com)

Als Proponenten von Islamfeindlichkeit in Deutschland sieht Wolfgang Benz beispielsweise Thilo Sarrazin, dessen Aussagen zur genetischen Disposition von Juden und anderen Gruppen er als rassistisch kritisierte, und den Journalisten Udo Ulfkotte. Dieser beschwöre eine „muslimische Weltrevolution“ und einen „geheimen Plan zur Unterwanderung nichtmuslimischer Staaten“, was rein seiner Fantasie entspringe - wie bei den antisemitischen und gefälschten "Protokollen der Weisen von Zion". (Quelle: bpb.deAlice Weidel, Beatrix von Storch, Alexander Gauland und Jörg Meuthen haben übernommen:

Wie irrational diese Behauptung ist, zeigen drei wissenschaftliche Szenarien des rennommierten amerikanischen Pew-Instituts. Das erste Szenario fragt: Was wäre, wenn es keine Migration nach Europa mehr geben würde? In Deutschland waren 2016 etwa 6 % der Bevölkerung Muslime. Muslime haben eine höhere Geburtenrate als Nicht-Muslime. Und sie sind jünger. Dieses Szenario geht davon aus, dass im Jahre 2050 der Anteil der Muslime an der Bevölkerung in Deutschland auf 9 % wachsen würde.

Das zweite Szenario geht davon aus, dass es keine Asylsuchenden gibt, sondern nur reguläre Migranten, also Menschen, die einen Schul-, Studien- oder Arbeitsplatz in Deutschland haben. In diesem Szenario läge der Anteil von Muslimen an der Bevölkerung bei fast 11 %. Und das dritte Szenario fragt: Was würde passieren, wenn das aktuell hohe Niveau von Asylsuchenden kontinuierlich gehalten würde? In diesem Szenario betrüge der Anteil der Muslime 20 % im Jahre 2050. (Quelle: deutschlandfunk.de) Von einer "Islamisierung des Abendlandes" kann also aus rationaler Sicht keine Rede sein.

Als geschützte Werkstätte für antiislamische Propaganda  à la "Islamisierung des Abendlandes" profilierten sich zuletzt soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie rechtslastige Blogs wie die von Henryk BroderDavid Berger und Jürgen Fritz. Dort können Interessierte unter Berufung auf die Meinungsfreiheit jegliche Rassismen und Beleidigungen von sich geben. Selten schreitet die Administration ein und entfernt die Beiträge. Betrachtet man hingegen traditionelle Medien wie „SZ“, „FR“, „FAZ“ oder „Zeit“ stellt man fest: Rassistisches, Islamophobes, Antisemitisches wird unverzüglich entfernt, ebenso Diskriminierendes, Beleidigendes, Obszönes.

Propaganda gegen das NetzDG

Die Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein hohes Gut. Doch endet dieses Recht bei Beleidigungen und Schmähkritik - eben dort, wo Strafgesetze berührt werden, etwa bei Volksverhetzung. Diese Gesetze gelten seit vielen Jahren, und bisher hatte sich niemand darüber beschwert. Da soziale Netzwerke diese Gesetze im Gegensatz zu traditionellen Medien in der Vergangeheit zu wenig durchgesetzt hatten, wurde das NetzDG etabliert. Dieses hat die alten Gesetze nicht verändert, sondern fordert lediglich, klar strafbare Inhalte binnen 24 Stunden und in weniger eindeutigen Fällen binnen einer Woche nach einem Hinweis zu löschen. Sonst drohen den Betreibern der sozialen Netzwerke empfindliche Geldstrafen.

Seither betreiben insbesondere islamfeindliche Akteure Propaganda gegen das NetzDG. Führende AfD-Politiker wie Alexander Gauland, Jörg Meuthen, Alice Weidel oder Beatrix von Storch, AfD-nahe Anwälte wie Joachim Steinhöfel oder Dr. Christian Stahl sowie Blogger wie Henryk Broder, David Berger oder Jürgen Fritz sind Akteure der Agitation gegen die Einhaltung von bestehenden Gesetzen. Es gilt, Rassistisches, Islamophobes, Antisemitisches, Diskriminierendes, Beleidigendes und Obszönes gegen Muslime zu verteidigen. Längst haben sie sich radikalisiert.

Radikalisierung

Radikalisierung beschreibt den Prozess, in dem ein Indiviuum oder eine Gruppe extreme, d. h. einseitige politische, soziale oder religiöse Einstellungen entwickelt oder übernimmt und sich eine dementsprechende Ideologie zu Eigen macht. Es handelt sich dabei nicht um eine einmalige Entscheidung, sondern um eine graduelle Entwicklung, die in Befürwortung von oder sogar Beteiligung an verfassungsfeindlichen,revolutionären, kriegerischen oder terroristischen Akten münden kann. Eine bedeutsame Schwelle im Prozess der Radikalisierung ist die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt zur Umsetzung politischer Ziele.

Die AfD war 2013 als euroskeptische Partei angetreten. Laut dem Zeit-Journalisten Christian Bangel waren die Rufe der Pegida-Demonstranten und AfD-Anhänger jedoch schon vor zehn Jahren in Kommentaren des AfD-Mitgründers Konrad Adam zu lesen. Bereits vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 habe sich Adam mit distanzierter Skepsis zum Islam geäußert. Seither sei seine Sprache schärfer geworden.

Im Bundestagswahlprogramm 2017 fordert die AfD eine Rückkehr zum Abstammungsprinzip, wonach Neugeborene automatisch die Staatsangehörigkeit der Eltern übernehmen. Laut Grundsatzprogramm sollen Minarette und der Muezzin-Ruf verboten werden. Die Partei bleibt bei ihrer Aussage, "der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Die Forderung der einseitigen Einschränkung der Glaubens- und Glaubensausübungsfreiheit von Muslimen sind verfassungswidrig. (Quelle: noz.de)

Nicht Mal mit einer 2/3-Mehrheit wären diese Forderungen durchsetzbar, sondern lediglich durch eine komplette Abschaffung der Verfassung, da die Religionsfreiheit zu einem unveräußerlichen Recht, dem der Menschenwürde laut Artikel 1 des GG, gehört. Die AfD vertritt also in ihrem Wahl- und Grundsatzprogramm verfassungsfeindliche Positionen. (Quellen: sueddeutsche.despiegel.de) Anfang 2018 spricht Alexander Gauland schließlich sogar von "Krieg", nachdem Kandidaten der AfD auf demokratischen Wege nicht platziert werden konnten.

Relativ neu ist die Islam- und Verfassungsfeindlichkeit des AfD-nahen Bloggers Jürgen Fritz. Noch im Januar 2015 äußerte sich Fritz zum Kommentar des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff "Der Islam gehört zu Deutschland" wie eingangs zitiert. Bereits ein gutes Jahr später, im Frühjar 2017, klingt Fritz deutlich radikalisiert:

“Auch dass Mensch-sein nicht ein je schon Gegebenes ist, sondern ein zu Verwirklichendes, ist kaum verstanden. Dies ist aber die Voraussetzung, um sich klar zu machen, dass die oben Genannten (Afrikaner und Muslime) was ihre Seele anbelangt im Durchschnitt auf einem vollkommen anderen Level sind. (...)”

“(...) Fakt ist nun mal, dass es unabhängig von dieser IQ-Weltkarte riesige Unterschiede gibt sowohl in der intellektuellen als auch in der moralischen und charakterlichen sowie der gesamten kulturellen Entwicklung. (...)”

“ (...) es geht darum, die vielfach höher entwickelte Kultur (die Europäische) nicht zu zerstören, indem sie von innen heraus quasi entseelt wird, so dass sie früher oder später wie morsch geworden in sich zusammenbricht.” (Quelle: juergenfritz.com)

(...) Was sie jedoch sehr schnell rauskriegen, ist, wie sie hieraus Forderungen für sich selbst ableiten können. Wie sie daraus persönliches Kapital schlagen können. (...) Sie verhalten sich vielfach parasitär und damit natürlich nicht gerade moralisch einwandfrei.

Nicht wenige Muslime wollen dieses ganze System sogar zerstören, von dem sie selbst aber ungemein profitieren, und würden auf lange Sicht gerne ihre eigene Weltanschauung durchsetzen, in der für Aufklärung und kritisches Denken wenig Raum ist.” (Quelle: theeuropean.de)

Das klingt bereits so wie bei einer Rede auf einer NSDAP-Verantstaltung am 01. Mai 1923:

“Der Jude ist wohl Rasse, aber nicht Mensch. Er kann gar nicht Mensch im Sinne des Ebenbildes Gottes, des Ewigen sein. Der Jude ist das Ebenbild des Teufels. Das Judentum bedeutet Rassentuberkulose der Völker. (...)”

“Der Jude als Rasse hat eminente Selbsterhaltung, als Mensch aber besitzt er keine kulturelle Befähigung. Er ist ein Dämon der Völkerzersetzung, das Symbol der dauernden Zerstörung der Völker.”

Im Januar 2018 scheint sich Jürgen Fritz wie Alexander Gauland endgültig von demokratischen Gepflogenheiten verabschiedet zu haben. Sein Denken erstreckt sich nunmehr nur noch auf die Kategorien von gut und böse. Es gilt, den Feind, die Befürworter von Merkels Flüchtlingspolitik, zumindest "geistig-moralisch" zu zerstören:

"Zweitens gilt es, den Feind (geistig-moralisch) zu zerstören. Sein Narrativ und sein Selbstbild müssen zertrümmert (...) werden. (...) 

Es müssen beständig Selbstzweifel gesät und genährt werden, um den Gegner innerlich zu schwächen, so dass die Kampfmoral allmählich nachlässt, bis sie schließlich völlig erlischt. Dann fallen die gegnerischen Soldaten (grün-linke Gutmenschen = psychisch gestörte Heuchler, korrupte Politiker, korrupte Offiziere und Funktionäre der christlichen Kirchen und all deren gesteuerten, geistlosen, unmündigen Mit- und Hinterherläufer) massenweise ab, wechseln ins neutrale Lager oder zu uns. Sobald das passiert, ist der Krieg gewonnen." (...) 

Und immer dran denken: Wir sind die Guten. (Quelle: juergenfritz.com)

Aus Einstellungen werden Handlungen

Für die Studie "Diskriminierung am Arbeitsmarkt" haben Forscher fiktive Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz geschrieben. Sie wollten herausfinden, wer bei gleicher Qualifikation gewinnt: der Bewerber mit typisch deutschem oder der mit türkischem Namen? Das Ergebnis: Jugendliche mit ausländischen Wurzeln müssen deutlich mehr Bewerbungen schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Sie werden häufiger ignoriert, und sie müssen sich häufiger duzen lassen. "Wir haben es in Deutschland mit einem ernsthaften Diskriminierungsproblem zu tun", sagte der Studienleiter Jan Schneider.

Analysen legen nahe, dass die Ablehnung von Einwanderern überzufällig auch mit der Ablehnung der Integration von Muslimen, der einseitigen Forderung der Assimilation an eine Leitkultur oder der Separation von Muslimen einhergeht. (Zick, Küpper 2007). Mehr noch, AfD-Politiker wie Beatrix von Storch, Alice Weidel, Alexander Gauland und Jörg Meuthen tragen mit ihren nahezu täglichen islamfeindlichen Posts in sozialen Netzwerken zu einem integrationsfeindlichen Klima und zu Gewalt gegen Muslime bei, wie eine Studie von Forschern der britischen University of Warwick belegt.

Was tun gegen Islamfeindlichkeit?

Ein erster Schritt ist getan. Das NetzDG wirkt: Nachdem Alexander Gauland bereits im letzten Jahr wegen Volksverhetzung angezeigt wurde, gelang dies Beatrix von Storch und Alice Weidel kurz nach voll in Krafttreten des NetzDG Anfgang des Jahres. Damit liegt bereits gegen nahezu der gesamten Führungsriege der Verdacht wegen Volksverhetzung vor. Nach Einschätzung des Berliner Politikwissenschaftlers und Extremismus-Forschers Hajo Funke ist eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz „überfällig“.

Zweitens sind direkte, aber auch indirekte Beziehungen über Freunde, zu Muslimen schützend. Die von Zick et al. Befragten, die angeben über interkulturelle Kontakte zu verfügen, die evtl. sogar Freundschaftsbeziehungen aufweisen und Muslimen vertrauen, erweisen sich im Vergleich zu anderen als weniger anfällig für islamfeindliche Überzeugungen. Denkbar ist eine Quotenregelung für Arbeitgeber und Vermieter, muslimische Bewerber bei gleicher Qualifikation wie Nicht-Muslime ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechend "einzustellen".

Drittens schützt ein gesicherter sozialer Status davor, fremde Gruppen als Bedrohung zu empfinden und Minderheiten abzuwerten. In Deutschland sind Abstiegsängste besonders groß. Nirgends innerhalb der EU ist die Ungleichverteilung von Vermögen so groß wie in Deutschland. Wohlhabende investieren ihr Kapital lieber auf den lukrativeren Finanzmärkten statt in die Realwirtschaft und damit in Arbeitsplätze. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung endlich Maßnahmen wie z. B. die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Einführung einer Vermögenssteuer ergreift, um Abstiegsängste und Islamfeindlichkeit zu reduzieren.

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