wie der knödel aus der küche ausbrach

oder auch: auf dass Stefan nicht dumm sterben muß.

eine geschichte, die, wäre sie nicht wahr, womöglich in teilen gut erfunden wäre. und eine geschichte, die ich nicht aufgeschrieben hätte, wenn Hugoline, meine treueste gästin, mich dazu nicht immer und immer wieder ermutigt hätte. danke Hugoline!

nun also, hajo haja, es war einmal...

ein junger, wenn auch nicht mehr ganz so junger aber immerhin doch jünger als ich mann /mensch, männlich (mal so von außen betrachtet), und der schlug mir das nasenbein zu bruch.

wie kam’s? - in einem *frauenhaus* saß ich als dort wohnende und guckte glotze im gemeinschaftsraum, so eine art wohnzimmer/salon für alle. die tür öffnete sich, kurz erschien ein kopf und verschwand, die tür schloss sich. ich ging gucken, welcher kopf denn da so kurz aufgetaucht war, denn ich hatte auf die schnelle diesen kopf keinem der mir bekannten frauen-köpfe zuordnen können. ein junger mann war’s. einer, der bei einer der mitbewohnerinnen nicht nur zu besuch war, sondern dort regelrecht (wenn auch regelwidrig) lebte - wie ich später erfuhr. ich war doch leicht verwundert, denn zu den regeln gehörte, dass besucher of all three+x sexes nicht allein durchs haus wackeln und auch nicht mit dem schlüssel in der hand sich hier (dusche) oder da (salon) selbständig die tür öffnen können. diese regeln hatten und haben gute gründe - aber sie sind nur am rande gegenstand meiner geschichte.

nun, ich blickte ihm hinterher, er spürte(?) meinen blick im rücken, drehte um, kam zurück. es gab einen kleinen wortwechsel, was ich wolle, ob das haus mir gehöre oder meinem vater. das alles mit dieser sich immer weiter vorschiebenden brust - weshalb der wortwechsel mit meiner erklärung endete, ich könnte ihn auch durch die polizei aus dem haus befördern lassen und das werde ich auch tun. daraufhin deutete sich handgreifliches an, weshalb ich einen brüller losließ, rein vorsorglich. türen öffneten sich, andere frauen erschienen, fragten, was denn los sei.

nach einem stoß vor meine brust verschwand der junge mann im zimmer der mitbewohnerin. ich ging und rief (in ausübung meiner deutungsmacht) die polizei, welche bat, dass ich doch der etwas komplizierten schließanlage am haus wegen an der eingangstür warten möge. tat ich, zusammen mit einer anderen mitbewohnerin. beim warten und rauchen wurden mir die bloßen füsse kalt, also ging ich, mir wärmendes schuhwerk überzuziehen.

auf der treppe begegnete mir der junge mann, mit dem hündchen der mitbewohnerin im arm (und dem schlüssel in der hand - was jedoch in dem moment nicht zu sehen war), ich fragte ihn, ob er etwa freiwillig ginge, erhielt einen schlag ins gesicht, brüllte, und schlug meinerseits auch zu. so kam es zu einer schlägerei, in welche die von der haustür her hinzueilende mitbewohnerin ebenfalls eingriff, wir bewegten uns richtung haustür, erhielten schläge, faustschläge, ins gesicht… der junge mann entkam durch die geöffnete tür unter zurücklassung von hund und schlüssel. tür zu. blut. polizei und feuerwehr, anzeige und abtransport ins krankenhaus. ein gebrochenes nasenbein. ein in trümmer gebrochenes jochbein - dieser und jener sei dank! begann die mitbewohnerin so rechtzeitig zu kotzen, dass sie zur beobachtung im krankenhaus blieb - sie wurde gleich am nächsten tag operiert, sie hätte sonst womöglich ein auge verloren. ich kehrte mit meinem gebrochenen nasenbein in das *frauenhaus* zurück und fand die andere mitbewohnerin am fenster wartend. sie fragte nichts, weder nach der anderen noch nach mir. nach gar nichts. sie wartete auf ihren …

ja, und da entstand die frage, wie ich denn einen mann, welcher prügelt und sich bei einer mitbewohnerin eingenistet hat, noch als *freund* bezeichnen kann. in dieser meiner Verlegenheit bezeichnete ich ihn als *knödel*.

und meine verlegenheit war groß, denn der junge mann war auch noch ausländer, migrant, türke, entsprach also mehr oder weniger dem bild des testosteronstrotzenden türkischen macho-jungmannes. und er hatte, wie ich später erfuhr, auch noch ein beein-druckendes vorstrafenregister, gehörte also zu den *intensivtäter*. das erfuhr ich jedoch alles erst später, nachdem...

nun, mein/unser verfahren sollte mangels öffentlichem interesse (deutungmacht!) eingestellt werden, aber: dieser *knödel* hatte eine knappe woche später auf der x-berger Wiener Straße einem jungen mann ein recht langes messer in den leib gerammt. irgendwie mal so eben, im vorbeigehen im morgengrauen. da war *schluß mit lustig* und es wurde ein versuchter totschlag angeklagt. um den eventual-vorsatz begründen zu können, brauchte die strafkammer mein/unser verfahren, welches deshalb aus der versenkung („…steht Ihnen der Weg der Privatklage offen…“ -> deutungsmacht!), in welche eine andere abteilung der staatsanwaltschaft es hatte absenken wollen, wieder herausgeholt wurde. ich erhielt eine zeuginnenladung, freute mich (ich hatte nicht so genau aufs aktenzeichen geguckt) und ging am nämlichen tage, meine aussage als zeugin zu machen.

erst danach erfuhr ich, was da eigentlich angeklagt war - ich hatte mich allerdings schon etwas gewundert, denn nach einzelrichter-veranstaltung hatte die besetzung nicht ausgesehen!

erst mal antwortete ich allerdings auf die fragen der vorsitzenden, was denn nach meinem erleben und nach meiner einschätzung den jungen mann zu seiner gewalttätigkeit bewegt haben könnte, dass ich mir dazu eine menge denken könne, jedoch letztlich nicht wisse, was in diesem *knödel* vorgegangen sei. wozu die vorsitzende freundlich lächelnd nickte. vielleicht sogar verständnis-innig nickte.

so also entstand der *knödel+, eine verlegenheitslösung auf dem weg dazu, etwas, vielleicht einen zustand von in-sich-verwickelt-sein und an alten mustern von in-sich-verwickelt-sein-festhalten, etwas anders zu benennen. so richtig gelungen war es nicht, weshalb ich es nach wie vor eine verlegenheitslösung nenne. aber es erst mal gebrauche, bis sich was treffenderes findet.

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ach ja, der *knödel* fuhr für acht jahre ein. was ich einerseits mit genugtuung zur kenntnis nahm, aber andererseits mit skepsis. entwickelt sich doch der strafvollzug gegenwärtig in eine richtung, die mit dem, was ich während meines jura-studiums in den 70-ger jahren über resozialisierung gelernt habe, stellen-weise nur noch wenig zu tun hat. aber das ist eine andere geschichte.

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