In den Fängen der Klugscheißer

Wer kennt es nicht: Wenn man kommuniziert, viel redet, sich austauscht, zu allem eine Meinung hat, gerne diskutiert, Ecken und Kanten hat, kann es schon ab und an vorkommen, dass man von Bekannten (Freunde denken es manchmal auch) oder von anonymen Formenmitgliedern manchmal als Klugscheißer bezeichnet wird.

Immer wieder habe ich in meinem täglichen Geschäftsleben, aber auch privat - Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen.Angesichts der heute anzutreffenden, immer hektischer werdenden Welt, spalten sich die Geister und Persönlichkeiten. Der eine (hektische Geschäftsmann/Frau) spricht davon, dass er wieder mal mit so einem ‘komischen’ Typen gesprochen hat, der irgendwie so relaxt war - so frei von jedem Stress! “Ich denk das ist so ein Yoga Guru, der vielleicht sonst noch was zu sich nimmt”Der andere (Entspannte - mit der Welt zufriedene) spricht davon, dass er wieder mal einen von hunderten gesehen hat, der mit breiten - nach unten gerichteten Mundwinkeln in der U-Bahn sitzt und vor sich her grübelt. Kaum berührt ihm ein Fahrgast ungewollt, gibt dieser Urlaute der Revolte von sich. Meiner Meinung nach denken die Menschen heutzutage viel zu sehr über Dinge nach, die sie unglücklich machen, anderer seits aber auch wieder zu wenig über Dinge, die für die Zukunft so wichtig wären.

© Reinhard HödlIn diesem Zusammenhang hat mir ein Artikel im geolitico Magazin irgendwie aus der Seele gesprochen:

Auszug dazu: In der Vielfalt der modernen Welt verlieren wir zunehmend den Boden unter den Füßen und suchen geradezu die Vereinfachungen, die uns die Rattenfänger anbieten – sei es in der Politik, beim Lebensstil oder sonstwo. Gerade deshalb wäre eine Einübung in ein differenzierendes, kritisches, skeptisches also kybernetisches Denken so wichtig. Früher bot die Lebenserfahrung noch ein Gegengewicht, aber auch die versagt zunehmend angesichts des Tempos der Veränderung und der Zunahme durch die Medien transportierter Klugscheißer.Also lassen wir uns weiter einreden, so sinnlose Dinge wie ein „Kopfkissenspray in zwei Duftrichtungen“ zu kaufen, weil es „ohne Konservierungsstoffe“ daherkommt. Wer will da angesichts dieses Gütesiegels noch darüber nachdenken, das Düfte aus dem Laboratorium zwangsläufig voller körperfremder Reizstoffe sind? August von Kotzebue kannte schon vor mehr als 200 Jahren das Phänomen als er formulierte: „Der Mensch ist mit nichts auf der Welt zufrieden, ausgenommen mit seinem Verstand. Je weniger er hat, desto zufriedener.“Unsere Zivilisation hat nur dann eine Überlebenschance, wenn wir lernen, die entscheidenden Fragen hinter den schnellen Antworten zu finden. Fragen sind die Bugwelle der Erkenntnis. Derzeit haben wir aber auf die drängendsten Probleme nicht nur keine angemessenen Antworten, sondern nicht einmal die richtigen Fragen.

http://www.geolitico.de/2014/04/06/in-den-faengen-der-klugscheisser/©Konrad Kustos

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fischundfleisch

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