Das jämmerliche Bild europäischer Politiker

Welch jämmerliches Bild geben zur Zeit europäische Politiker ab!

Ein Spielball der täglichen, veröffentlichten Befindlichkeiten, herumtorkelnd zwischen Angst und Aggression. 'Jessas na, was wird da kommen, um Gottes Willen!' Stumpfsinnig, verwirrt, ziellos, hilflos nach vermeintlich sicheren Ideen greifend. Irgendwer muss Schuld an dem ganzen Schlamassel sein. Wo sind die Sündböcke? Her damit! Wer sind die Feinde? Schlagt sie zurück!

Das Bollwerk Europa errichten.

Die Werte verteidigen.

Die eingedrungenen Feinde aus dem Land werfen.

Alles in Sekundenschnelle vergessen, was unzählige Millionen Menschen aufs Grausamste und Bitterste erfahren haben, wenn sich Menschen nicht mehr bereit erklären, mit anderen Menschen zusammen leben zu wollen. Wenn Menschen ihre eigene Kultur als die wertvollere erklären, also andere Menschen als minderwertig.

In Sekundenschnelle vergessen, dass diese Haltung ungeheuerliche Grausamkeiten hervorbrachte, von der Ausrottung indigener Bevölkerungen über den (atlantischen) Sklavenhandel bis zu den Kongo-Gräuel, von den Kreuzzügen über die Hugenottenkriege und den Dreißigjährigen Krieg bis zum Nationalsozialismus. Immer erhoben sich die Einen über die Anderen im Glauben, die minderwertigere andere Kultur zerstöre die eigene wertvollere oder berechtige gar, andere Menschen als Objekte zur Durchsetzung eigener Interessen zu missbrauchen.

In Sekundenschnelle vergessen, dass am Ende einer der größten Katastrophen der Menschheit, nämlich am Ende des Zweiten Weltkriegs, die überlebenden Menschen verschiedenen Glaubens und verschiedener Kulturen langsam, mühsam, schmerzvoll zueinander fanden. Man wollte, ja man musste es schaffen, alte historische Feindschaften zu überwinden. Und es musste die Flüchtlingsfrage neu überdacht werden: angesichts Millionen Vertriebener verschiedenster Länder und Kulturkreise wurde festgeschrieben, dass grundsätzlich jedem Menschen das Recht zusteht, Asyl zu beantragen und dass Asylgewährten der Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und Sozialleistungen verbürgt zusteht.

Alles vergessen. Die Politik erhebt das dumpfe Bauchgefühl zur Handlungsmaxime. Hechelt nervös hinter der gefährlichen Narretei verwirrter Bürgeransammlungen, die sich gemeinsam vor dem vermeintlich Bedrohlichem fürchten. Anstatt zu sagen: 'Fürchtet euch nicht', sagt sie: 'Der Feind steht vor den Toren'. Sie nimmt nicht Angst und Unsicherheit sondern signalisiert: 'Wir haben einen gemeinsamen Feind; und das macht und stark'. So absurd kann Politik sein. Und so vergesslich.

Irgend ein "Bollwerk" gegen andere Menschen zu errichten, ist dumm und gefährlich - für "drinnen" und für "draußen". Wie eine solche Idee in der Praxis abläuft, könnte jeder anhand des Römischen Limes, der chinesischen Mauer und des Eisernen Vorhangs studieren, alles beeindruckende Beispiele für kulturelle Überlegenheitsdünkel. Diese Idee aber in das heutige Europa zu übertragen, eine der dichtest besiedelten Regionen der Welt, wo täglich millionenfach Landes- und Kontinent-Grenzen überschritten werden, Güter millionenfach gehandelt und transportiert werden, wo milliardenfach Finanz-, Geschäfts- und private Informationen per Internet mit der ganzen Welt ausgetauscht werden, und das - "nebenbei" gesagt, rund 100.000 Kilometer Küstenlänge aufweist - lässt tief in die menschliche Psyche blicken - aber auch an der intellektuellen Kraft vieler europäischer Politiker zweifeln.

Und der Ausweg? Was wäre weise? Was zukunftsweisend? Wie geht Zukunft konkret? Wenn's Politiker nicht machen - wir sind auch das Volk, wir denken darüber nach - hoffentlich.

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G. Szekatsch

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fischundfleisch

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