Per Mausklick zum Welpen – Ramschware Hundebabys

Shutterstock/Sue McDonald

Ich habe als Hundecoach schon mehrfach über die mafiösen Machenschaften mit der "Ware Hund" berichtet. Nun wurde ich wieder mit zwei bedauernswerten Fällen konfrontiert - einem Beagle- und einem Chihuahua-Mix-Welpen. Bedauerlicherweise verstarb einer dieser Welpen letzte Nacht und die Hundebesitzerin rief mich in Tränen aufgelöst an, was mich dazu veranlaßt, erneut Aufklärungsarbeit zu betreiben - in der Hoffnung, dass dieses elende Fass ohne Boden irgendwann ein Ende nehmen möge!

Ein paar Zahlen zur Info:

In Deutschland werden schätzungsweise 500 000(!) Hundewelpen jährlich verkauft, in Österreich sind es an die 180 000. Der Handel mit Welpen ist lukrativ, weswegen auch jede Menge kriminelle Energie in ihm steckt. Besonders im Internet werden die Hundebabys mittels niedlichster Fotos beworben. Was die Kunden aber nicht wissen (oder nicht wahrhaben wollen): Fast alle dieser Tiere stammen aus skrupellosen "Vermehrungsstationen" in Osteuropa. Führend sind hier vor allem Tschechien, Polen und Rumänien. Die Welpen sind häufig unterernährt, dehydriert, todkrank und verhaltensauffällig.

Was man wissen muss: Für den Händler solcher Welpen ergibt sich - z.B. für einen "Rassehund", der "bloß" sagen wir mal 250 - 300 Euro kostet, ein Reingewinn von eben diesen 250 - 300 Euro. Die "Züchter" sind bestrebt, dass die Hündinnen so oft wie möglich (also STÄNDIG) Welpen werfen. Deswegen werden die Kleinen der Mutter oft schon nach nur zwei Wochen entzogen und am Markt verhökert. Was das für die Hündin bedeutet, ist fatal: Durch ihre Funktion als ewige Gebärmaschine ist sie im Dauerstress. Ihr Gesäuge darf sich nie erholen, es bildet sich nie zurück. Die Hündinnen verlieren durch den Gebärstress oftmals ihr Fell und an Gewicht, sind matt und durch Unterernährung auch nicht imstande, die Kleinen optimal mit wichtigen Nähr- und Mineralstoffen zu versorgen. Gebären müssen sie ihre Kinder oft unter unfassbar elenden Zuständen, wie enge und feuchte Zwinger, die selten bis nie gereinigt werden. Mann nennt sie deswegen auch "Welpenfabriken"

Für die Welpen ist die Situation noch viel fataler, denn sie verlieren alles – ihre Mutter. Ihre Wurfgeschwister. Sie dürfen sich nie sozialisieren, dürfen von der Mutter und den Geschwistern nie lernen, was Hund lernen muss, was es BEDEUTET, Hund zu sein und wie man sich verhalten sollte/müsste. Sie kennen keine Nähe und Wärme, was sich später sehr häufig in schlechtem Sozialverhalten ausprägt. Artgenossenunverträglichkeit ist bei solchen Hunden keine Seltenheit und auch der Mensch hat mit diesen Mankos zu kämpfen. Mir wurde nicht nur einmal geschildert, der Welpe sei "aggressiv", auch gegen seine Besitzer - was nicht verwundert, denn die "Aggressivität", wird - wenn es so läuft, wie es sein sollte - von der Mutter und den Wurfgeschwistern gesteuert. Der Welpe lernt für gewöhnlich früh, sich unterzuordnen, lernt, Dominanz und Unterwürfigkeit in richtigem Maße anzuwenden.

Wie gesagt kennen viele dieser Welpen keine Nähe und Wärme, was sich später in schlechtem Sozialverhalten ausprägt. Ein SPÄTER gibt es aber für viele dieser armen Geschöpfe gar nicht. Sie sterben meistens schon vorher an Krankheiten wie der meist tödlich verlaufenden Parvovirose, Giardiose, Wurmbefall, Unterernährung und/oder Dehydrierung. Für den entsetzten Hundebesitzer bedeutet dies einen oftmals aussichtslosen Kampf gegen den Tod - sehr aufwendig, immens teuer und trotzdem allzu häufig mit dem Tod des Welpen endend. Der vermeintlich billig gekaufte Hund erweist sich somit als finanzielles und emotionales Fass ohne Boden. Dem Hundehändler indessen ist das völlig egal. Wo Nachfrage, da Angebot und an Nachfrage gibt es wahrlich keinen Mangel!

Wie in jeder mafiös geführten Organisation gibt es auch in Sachen Welpenhandel die typische Pyramidenstruktur eines Oberbosses; er produziert die Welpen, oder läßt produzieren. Unter ihm steht der Großverteiler, dieser heuert die Kleinverteiler an - meist solche Menschen, die bei ihm in der Kreide stehen, oder irgendwie an Geld kommen möchten. Der Großverteiler sorgt auch für die Schläger, die unangenehme Menschen bedrohen, wie z.B. Hundetrainer, die sich dem Kampf gegen den Welpenhandel verschrieben haben (Menschen wie ich eben), oder auch Mitarbeiter von Tierschutzorganisationen (Mitarbeiter von PETA & Co können auch ein Lied davon singen).

Der Welpenkauf beginnt meist mit einem harmlosen Mausklick. Ebay, oder auch Facebook bieten diesen skrupellosen Ramschhunde-Erzeugern den idealen Nährboden für ihre kriminellen Machenschaften. Ramschhunde deswegen, weil ihnen das Leben eines Welpen nicht mehr bedeutet, als den Ramsch, den sie sonst verhökern. Ob der Welpe ÜBERlebt, ist völlig egal. Er muss nur solange am Leben erhalten werden, bis der Deal perfekt ist. Diese Dreckskreaturen arbeiten hier mit den zwei wichtigsten Faktoren überhaupt: Dem Wunsch des Kunden, einen Hund möglichst billig erwerben zu können UND - was besonders fatal ist - dem Kindchenschema. Niemand! Wirklich absolut NIEMAND kann einem Welpen widerstehen, denn sie sind so süß, so klein, so hilflos....

Und selbst WENN der Kunde WÜSSTE, dass es sich bei diesen Hunden um das Ergebnis einer Welpenfabrik handelt, würde er sie kaufen, DENN "Jedes Leben ist es Wert, gerettet zu werden", "die Kleinen können nix dafür, dass sie geboren wurden", etc, pp, blabla.... Und genau letzterwähnte Einstellung des mitleidbehafteten Westeuropäers führt zu eben jenem Umstand, dass den Hunden ein nie enden wollendes Leid angetan wird!

Für die Tierheime z.B. bedeuten diese Welpen eine unglaubliche Belastung. Sie alleine tragen die Kosten für die extrem aufwendige und extrem teure Behandlung. Sie werden überschwemmt von Welpen, die bei Razzien abgenommen werden, oder solchen von Hundebesitzern, die sich die Behandlung nicht mehr leisten können.

Aufklärungsarbeit:

Was kann der geneigte Leser tun, um diesem Elend entgegen zu wirken?

Zum Ersten: Kaufen Sie NIEMALS, NIEMALS Hundebabys aus dem Kofferraum eines Autos, und seien sie auch noch so süß! Kaufen Sie NIEMALS, NIEMALS einen Hund in den diversen Asia-Märkten z.B. an den Grenzen Deutschland-Tschechien, Deutschland-Polen, Österreich -Tschechien, usw!

Bei Internetkauf: Beachten Sie die Fotos! Ich habe kürzlich bei Ebay ein Foto gesehen, in dem ein viel zu junger Chihuahua-Welpe zum Kauf angeboten wurde. Das Kleine saß auf einem Polster, der Raum war offensichtlich ein trister Keller. Keine Fotos von den Geschwistern, keine Fotos von den Eltern. Keine tierärztlichen, oder sonstigen Angaben.

Bei Internetkauf: Achten sie auf die Infos! Ein seriöser Züchter wird nicht nur das Datum und Anzahl des Wurfs bekannt geben, sondern auch den Namen der Eltern (Fotos beigefügt), den Zwinger (Geburtsort), meist auch die Ahnentafel, e-Mail-Adresse, Website, Preise, etc.... ein seriöser Züchter wird auch Fotos beifügen, in denen die Welpen mit ihren Wurfgeschwistern und den Elterntieren in ihrer Umgebung gezeigt werden. Ein seriöser Züchter gibt auch bekannt, wann demnächst Welpen zu erwarten sind (Mit Namen der Elterntiere)

Bei Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer: Bestehen sie IMMER darauf, auch die Elterntiere sehen zu dürfen! Wenn er ihnen dies ermöglicht (was bei Fabrikswelpen ziemlich unwahrscheinlich ist), achten Sie auf den Zustand und die Umgebung, in der Eltern und Welpen leben.

Erstbesichtigung der Welpen: Tätigen Sie den Kauf möglichst nicht alleine. Idealerweise haben Sie eine kompetente Person bei sich, die sie berät und Aufschluß über das Verhalten des Welpen gibt, den sie möchten.

Der Welpe sollte:

Aufgeschlossen und neugierig sein. Nicht kopf- oder berührungsscheuscheu. Merke: Welpen erkunden in den ersten Lebensmonaten alles mit dem Maul, es gibt jedoch einen erheblichen Unterschied, zwischen normalem, welpentypischen "Kauverhalten" und solchem, das es nicht ist. Im Normalfall würde ein Welpe, der lange genug bei seiner Mutter und seinen Wurfgeschwistern bleiben durfte, beim ersten Kennenlernen zuerst versuchen, die Hand und/oder das Gesicht abzulecken, um normale (welpentypische) Unterwürfigkeit zu zeigen. Achten Sie auf den physischen Zustand des Welpen! Der Nabel sollte gut verheilt und nicht offen sein. Der Bauch sollte nicht hart und aufgebläht sein. Das Kleine sollte lebhaft sein, aber andere Welpen nicht mobben. Matte Welpen, die teilnahmslos irgendwo in einer Ecke liegen, oder Zeichen von Angst zeigen, geben Anlass zur Sorge.

Achten Sie auf die Papiere! Ein seriöser Züchter impft und chipt seine Welpen mit den vorgeschriebenen (hiesigen) Impfmitteln. Kontrollieren Sie den Impfpass! Achten Sie darauf, dass es sich keinesfalls um einen ausländischen Pass handelt; ist dem so, können Sie mit fast 100%er Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, das Pass und Papiere gefälscht sind. Der Zuchtnachweis auf den Papieren muss nachvollzogen werden können.

Und letztendlich.....:

Sorry, Leute, aber es ist tatsächlich denkbar unwahrscheinlich, dass ein Rassehund wie Chihuahua, Beagle, Jack Russel & Co lediglich 200-300 Euro kostet. Es hat schon seinen Grund, warum es die Welpen eben NICHT zu einem Spottpreis gibt. Dem (seriösen) Züchter obliegt der Aufwand, seinen Welpen den bestmöglichsten Start ins Leben zu bieten. Kein (seriöser) Züchter würde seinen Welpen vor der Zeit an seine Kunden vergeben. Er würde niemals einen Welpen unsozialisiert, oder krank und unterernährt abgeben. Viele Züchter bieten nebenbei auch einen Welpenkurs und individuelle Beratung und Betreuung an.

Da unsere Tierschutzgesetze als mehr als lasch und zahnlos zu bewerten sind, die Täter - wenn sie denn überhaupt gefasst werden, meist mit lächerlichen Strafen davonkommen, weil der Hund vor dem Gesetz eben noch immer NUR als eine Sache ohne Seele gilt, obliegt es UNSERER Verantwortung, das Leid unserer ältesten Gefährten zu beenden, indem wir mit Hausverstand und Herz agieren, aber ohne fehlgeleitetem Mitleid, oder Geldgier.

Bedenken Sie: Welpenkauf ist nicht nur Vertrauenssache, sondern vor allem Verantwortungssache.

Ihr Hundecoach, Altmann Sabine

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