Ein Insektenleben ist es nicht wert - ein Menschenleben auch nicht....

Sabine Altmann

Das Lobbyistentum hat wieder einmal seinen Willen durchgesetzt! Gegen den Willen der europäischen Bevölkerung hat die EU die Lizensierung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen - was wenig überrascht, denn schließlich steckt hinter diesem Mittelchen eine gigantische Wirtschaftsarmada, die naturgemäß so gar kein Interesse daran hat, dass das Glyphosat alsbaldigst von der Bildfläche verschwindet. Einen ähnlich gelagerten Widerstand gab es zuletzt, als das Insektizid DDT verboten wurde.

Was am meisten irritiert, ist der alleinig angeführte Grund WARUM Glyphosat verboten werden sollte/müßte: Weil es - laut mundtotgemachter Studien - beim Menschen Krebs erregen KÖNNTE. KÖNNTE, wohlgemerkt. Fakt ist: Es gibt ebensoviele Studien, die beweisen, dass der Unkrautvernichter Krebs hervorruft wie es Studien gibt, die das Gegenteil "beweisen". Dass es aber ebenfalls unzählige Studien darüber gibt, dass sich Glyphosat massivst negativ auf sämtliche ökologische Bereiche auswirkt, wird tunlichst unter den Tisch gekehrt oder als "Verschwörung", "Nonsens" und "Übertrieben" abgetan.

Kein Wort wird an offiziellen Stellen darüber verloren, dass dieses Breitbandherbizid jede Pflanze abtötet, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie die Ausbringung überlebt.

Kein Wort wird darüber verloren, dass dieses Herbizid nicht nur ein sehr wirksames Pflanzengift ist, sondern auch ein hochwirksames Antibiotikum, was zur Folge hat, dass auch Bodenbakterien absterben (sehr zur Freude der Düngemittelindustrie, die kräftig Reibach macht)

Die Folgen sind enorm. Die negativen Auswirkungen von Glyphosat auf die Ökosysteme werden auch von der europäischen Behörde EFSA beschrieben. Als Totalherbizid tötet Glyphosat jede nicht gentechnisch veränderte Pflanze auf dem gespritzten Feld ab. Forschungen an der Universität für Bodenkultur haben auch eine Schädigung der Fortpflanzung von Regenwürmern durch glyphosathaltige Produkte festgestellt. Nicht zuletzt wird Glyphosat als eine der maßgeblichen Ursachen für das weltweit zu beobachtende Amphibiensterben angesehen. Aus diesen Gründen sind die negativen Auswirkungen des meist eingesetzten Ackergifts auf Ackerflora- und Fauna fatal. Die biologische Vielfalt nimmt mit dem vermehrten Einsatz von Glyphosat mehr und mehr ab. Regenwürmer und Bodenbakterien werden dezimiert und wichtige Funktionen eines gesunden Bodens gehen damit verloren. Da Glyphosat alle Pflanzen tötet, die nicht dagegen resistent sind, wird vielen Tieren ihr Lebensraum entzogen. Weniger Wildpflanzen auf und neben den Ackerflächen bieten weniger Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten, die in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle spielen.

Sabine Altmann

Es gibt alleine unter den Bestäuberinsekten weit über 20 000 Arten, die JÄHRLICH(!) einen ökonomischen Wert von über 150 Milliarden Euro "erwirtschaften". Das ist eine Dienstleistung, die die Insekten einfach mal so nebenher erbringen. Und das völlig unentgeltlich. Man stelle sich vor, der HomSap müßte die Aufgabe des Bestäubens übernehmen - die Kosten wären dermaßen eklatant, dass wir uns nicht einmal mehr das Butterbrot leisten könnten!

Erschreckend ist, dass sich alleine in den letzten 120 Jahren die Anzahl der bestäubenden Insektenarten um über die Hälfte reduziert hat und wir sprechen hier keineswegs bloß vom Sterben der Honigbiene, die mitnichten den wichtigsten Bestäuber unserer Nutzpflanzen darstellt, sondern vor allem von Wildbienenarten, Schmetterlingen und bestäubenden Fliegen. Die Bestäubungsrate ist auf ein Viertel gesunken, und die Qualität der Bestäubung hat drastisch abgenommen. Durch das Insektensterben läßt sich auch ein trauriger Rückgang unserer Wildvogelpopulationen beobachten. Mittlerweile gibt es in Europa schon Gegenden, in denen sogar ein Allerweltsvogel wie der Feldsperling als stark gefährdet gilt.

Forscher prophezeien, dass Insekten, Vögel und andere Lebewesen nur mehr in naturbelassenen Gärten und Parkanlagen Rückzugsmöglichkeiten finden könnten, was sich weltweit - salopp gesagt - ziemlich böse auf die Nahrungsmittelproduktion auswirken dürfte.

Die einzig richtige Lösung wäre ein radikaler Schwenk hin zur biologischen Anbauweise, was - zugegebenermaßen - nicht unbedingt gleich erfolgreich sein dürfte, da viele der Lebensräume schon zerstört sind. Trockenmauern, Blühstreifen, Hecken und Regionen mit Gestrüpp müßten wieder Einzug in unsere Ackerkultur halten dürfen und selbst dann würde es natürlich noch einige Zeit dauern, bis sich Insekten, Vögel und all die anderen für uns so wichtigen Lebewesen wieder ansiedeln.

Sabine Altmann

Der Aufwand lohnt sich aber. Und zwar in jeder Hinsicht. Nicht nur, weil der Mensch in Punkto Nahrungsmittelproduktion ganz einfach abhängig von einer gesunden Ökologie ist, sondern weil es auch unsere Seele erfreut, wenn wir Bienen, Schmetterlinge, Vögel & Co in großer Zahl auf unseren Feldern, Wiesen und Gärten beobachten dürfen.

Offenbar ist es aber doch so, dass der momentane Profit wichtiger ist als ein Insektenleben; oder Menschenleben..... Dazu fällt mir nur mehr noch die beühmte Weissagung der Cree ein, die besagt: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, das letzte Insekt gestorben ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.....

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