oliver krammer

Das neue Jahr fängt also damit an, sich deklarieren zu müssen. Für oder Wider? Entweder – Oder? Und die Grautöne, auf die der Nikowitz eine so treffende Hommage geschrieben hat, ducken sich fürchtend immer mehr in die Schatten von Schwarz oder Weiß.

Da schreibt dann im selben Blatt die Schwaiger irgendwas von Attraktivität Europas verringern und Gelder kürzen. Und im Netz spielt sich der Sturm im Wasserglas wieder ab, weil die Rechten natürlich mit Begeisterung sagen: Hurra, wir haben es immer schon gesagt. Schauts nur wie staatstragend der HC ist (welch Überraschung, Frau Schwaiger). Und die Linken mit nicht minderer Begeisterung auf die Hetze reinfallen und schreien: Pfui, wie kann man nur.

Und ich frage mich:

1. Warum kapieren die Konservativen nicht, dass sie die Diktion der Rechten übernehmen und dadurch eine sachliche Auseinandersetzung fast verunmöglichen? (Wirtschaftsflüchtlinge, Asyl a la Carte...)

2. Warum wird letztendlich immer übers Geld geredet? Warum sollte jemand, der zum Glück einen Teil seines Reichtums mitnehmen konnte, nicht Asyl bekommen - ohne finanziell unterstützt zu werden? (Würde des Menschen, Selbstbestimmung.. gilt das für Flüchtlinge nicht mehr?)

3. Warum können wir nicht ganz klar darüber reden, dass die Praxis, jene, die sich unter die Kriegsflüchtlinge geschummelt haben, wieder zurückzuschicken, a) eh funktioniert und b) gut so ist?

Statt dessen ist die SPÖ noch immer zerrissen zwischen Haltung zeigen und blau-anbandeln. Die ÖVP zwischen ganz offen und noch ein bisserl verschämt blau-anbandeln. Die Grünen gefangen im Versuch, einerseits der Sache treu zu bleiben, andererseits im Scharmützel, sich mit popolistischen Hetzern zu zerfleddern.

Entweder - oder

Entweder du kapierst, dass alle, die da kommen, Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Drittstaaten sind

- oder du bist ein linker Vollpfosten.

Entweder du kapierst, dass auf jeden Fall die richtige Diktion verwendet wird, und alle Flüchtlinge gut und wenn schlimm, dann ganz erklärbar schlimm sind

-oder du bist ein Nazi.

Entweder du kapierst, dass jeder Versuch, den Verkehr in der Stadt zu beschränken eine erzkommunistische Bosheit ist - oder du bist ein linker Depp.

Entweder du verbietest auch im Parkfest das Rauchen und Schweinsbratl, - oder du bist ein Reaktionärer, der hier nichts zu suchen hat.

Entweder du kapierst, dass jeder Muslim ein potentieller Attentäter und Vergewaltiger ist - oder du bist ein naives Gutmenscherl, dass hoffentlich als erstes drankommt.

Entweder du akzeptierst, dass jeder, der zu uns kommt, eine kulurelle Bereicherung ist und seine Gepflogenheiten in jedem Fall zu respektieren sind - oder du bist ein ungebildeter Nazi-Volldepp.

Echt jetzt?

Glauben wir wirklich, dass wir so weiter kommen?

Ich suche das UND, Freunde. Das "Wir helfen Menschen in Not" UND das "wir geben darauf acht, dass wir unsere Werte bewahren".

"Stadt ist Lebensraum für Menschen, nicht Parkplatz für alle" UND "Wir brauchen auch Lebensadern für die Wirtschaft, die wir ermöglichen wollen". "Ich esse gerne Schweinsbratl" UND "ich liebe Soja-Lattemacchiato".

Mein Vorsatz für 2016: mehr UND, weniger entweder/oder.

Herzlichst.

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