... aber ich hab wohl keine Wahl. Ok, es ist schon wieder soweit, ich bin wütend und ich schreibe einen Blog. Somit Warnung: Das hier ist nicht ausgewogen, nicht durchdacht, nur meine Wut in Worte gefasst.

So große Empörung überall, die Social Medias sind überfüllt mit dem Thema Nummer 1. 1000de Männer aus Nordafrika (oder so) haben 80 Frauen vergewaltigt, oder waren es doch ein paar Hundert, die mit perversen Mitteln Diebstahl begangen haben? Wurscht. Das ist ekelhaft, das tut weh, das wollen wir hier (auf dieser Welt) nicht. Weder in Ägypten, noch in Köln, noch in Wien.

Und ich gehöre zu den glücklichen, die auch noch nie mit dem Problem sexuelle Erniedrigung zu tun hatte. Aber jetzt gerade ändert sich das. Ich gehe in die Tankstelle meines Vertrauens (bisherigen, als Erdgasfahrerin hab ich leider nicht soviel Auswahl) und werde zugedröhnt von einem überdimensionalen Bildschirm (der sonst überigens immer sowas wie "Big Bang Theorie" oder ähnliches zeigt) und vom Tankwart, der lauthals mitbrüllt (übrigens mit bemerkenswert deutschem Idiom), dass wir heutzutage überall damit rechnen müssen, vergewaltigt zu werden. Also wir Frauen halt. Wir deutschen!!! ganz besonders. Als oberösterreichische Wienerin müsste ich mich also eh nicht sehr betroffen fühlen. Aber seltsamerweise tue ich das doch: ich fühle mich betroffen, ich fühle mich attackiert. Nicht, von irgendwelchen bösen Männern aus Nordafrika, die mich vergewaltigen wollen, sondern von meinem Tankwart, der mich und die ältere Dame vor mir verängsten will. Ich lass mich aber nicht so leicht verängstigen und sage: "Na da freu ich mich aber, dass da endlich mal anders geredet wird. Früher hat es immer geheißen: na selber schuld, was rennt sie auch so herum." Große Augen beim deutschen Beschützer holder Weiblichkeit, weil: Aber 1.000 Männer, die Frauen vergewaltigen!! Das geht doch nicht!" (Fakten sind bei sowas bekanntlich eher hinderlich, also wurscht) Antwort von mir: "Ja, eh, geht das nicht. Auf keinen Fall. Und zum Glück gibt es jetzt bei uns sogar einen Grapsch-Paragraphen, der solche Übergriffe als kriminell qualifiziert." Wieder große Augen: "Also nein, der Grapschparagraf, der geht ja gar nicht, weil ich bin mal zu nahe bei einer Kollegin gestanden, die ist voll ausgezuckt, wenn es da den Paragraphen schon gegeben hätte, hätte ich womöglich eine Anzeige gekriegt!"

Soweit mein Erlebnis - ok, ich gebe zu, den Teil, in dem ich ihn fragte, ob es den nur deutschen Männer erlaubt sein, nachzuprüfen, ob das Popscherl hält, was es verspricht (co Herr Markus, würdiger ÖVP-Mandatar...) oder wie wir das denn jetzt in Zukunft halten werden, hab ich jetzt ausgelassen. Aber ich bin auch so wütend genug.

Muss ich mir jetzt im öffentlichen Raum, in Geschäften, auf Plätzen eine Gefahr um die Ohren hauen lassen, die real hier und jetzt nicht da ist, aber die Angst davor?

Himmelarschundzwirn. Ich will in einem Land leben, in dem mit Gefahr und Kriminellen ohne Unterscheidung von Geschlecht, Beruf, Protektion, Religion, Hautfarbe umgegangen wird. Und ich lebe in so einem Land. Und ja, es wird immer jemand geben, dem Unrecht widerfahren ist, der subjektiv oder objektiv erlebt, dass etwas ungerecht ist. Aber im Großen und Ganzen leben wir in so einem Land, in dem die Gewaltenteilung stimmt und juristisch faire Verfahren möglich sind.

Und ich will weder von fremden Männern betatscht werden (nicht, um beraubt zu werden, nicht um vergewaltigt zu werden, und nicht, um überprüft zu werden, ob haptisch hält, was optisch verspricht) - noch will ich von fremden Menschen und ihrer Angst überwältigt werden, weil ich gerade um 13,- Erdgas gekauft habe.

Herzlichst

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