Wird die Welt besser, wenn Konzerne mehr Steuern zahlen?

Das ist ja wohl eine Riesensauerei! Weltkonzerne, die nur ein paar Prozent Steuern auf ihre Milliardengewinne zahlen, und wir, die Kleinen, die es sich halt nicht richten können, wir zahlen Länge mal Breite!

Mit solchen Sprüchen kann man schnell jeden Stammtisch auf seine Seite ziehen. Nur, wie so oft, bedeutet Mehrheitsmeinung nicht, dass es stimmt. Der Empörung liegen zwei falsche Annahmen zugrunde:Erstens, dass dem Staat Mittel fehlen, die er beispielsweise für Bildung und Soziales gut gebrauchen könnte, und zweitens, dass sich der gemeine Steuerzahler direkt mit einem Großkonzern vergleicht.

Dem Staat fehlen die Mittel nicht. In Österreich hat er noch nie so viel eingenommen wie heute. Dass Papa-Staat trotzdem nicht in der Lage ist, mit seinen Steuereinnahmen auszukommen, muss also andere Gründe haben. Er verhält sich wie ein Alkoholiker, der, wenn er mal einen guten Scotch geschenkt bekommt, den Tropfen nicht etwa für besondere Anlässe aufbewahrt, sondern schleunigst selbst leert. Je mehr er bekommt, desto durstiger wird er. Das einzige Heilmittel wäre der Entzug. Aber, wie gesagt, bei uns das genaue Gegenteil. Mehr Einnahmen führen nicht etwa zu ausgeglichenen Budgets, sondern zu mehr Ausgaben!

Aber zweitens kann es doch nicht gerecht sein, wenn Konzerne durch das Verschieben der Steuerlast in diesbezügliche Oasen weniger Steuern zahlen, und unsereins sieht sich mit einer Steuer- und Abgabenquote von 45 Prozent konfrontiert?

Der Vergleich ist schon falsch. Konzerne verhalten sich beim Steuernzahlen so wie du und ich. Sie wollen möglichst wenig blechen. Ist das nicht zutiefst menschlich? Ich kann dem Konzern ja nicht vorwerfen, dass er nur die Steuern zahlt, die er zahlen muss. Allerdings ist die Vorstellung weit verbreitet, Gewinnmargen würden sich so unmoralischerweise in astronomische Höhen drehen lassen. Doch in Wahrheit ist das einzige Regulativ für zu raffgieriges Absahnen der Wettbewerb, nicht die Steuerlast.

Die Steuern, die ein Unternehmen zu zahlen hat, finden sich ja auch in der Kalkulation der Produkte wieder. Steigt die Steuer, steigt also auch der Preis der Waren, die wir Konsumenten dann kaufen. Also, dem gemeinen Stammtischopportunisten kann’s am Ende eigentlich Wurst sein, welche Gewinnsteuern ein Konzern zahlt. Er trägt’s am Ende immer. Entweder bleibt ihm weniger netto, oder er zahlt mehr für die Kartoffelchips. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass gut die Hälfte der Personalkosten jedes noch so turbokapitalistischen Blutsaugerbetriebes aus Steuern und Sozialversicherungsbeträgen bestehen.

Wenn sich jemand mit Fug und Recht über die geringe Steuerlast von Großkonzernen auskotzen darf, dann deren kleine und mittelständische Konkurrenten, die aber unfairerweise ihre Steuern tatsächlich Länge mal Breite zahlen müssen.

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Herbert Erregger

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