Einen dümmeren Spruch hat wohl noch selten jemand auf einen Autokleber gedruckt. Den Gegenbeweis liefert der Kanton Genf, der seit 1974 ein Jagdverbot für Hobby-Jäger kennt. Seit über vierzig Jahren gibt es dort kein Halali mit Jagdhörnern, kein Jägerlatein am Feuer und keine Jagdtrophäen mehr – alles kein Verlust für die Menschheit. Vor allem aber auch keine von Amateurjägern angeschossenen und verletzten Wildtiere. Aufgrund des hohen Jagddrucks im umliegenden Frankreich und Kanton Waadt suchen Wildtiere manchmal Asyl in Genf und schwimmen dazu sogar über die Rhône. Nun gibt es natürlich auch in Genf Wildschweinschäden an den Kulturen, allerdings in bescheidenem Rahmen. 2014 beliefen sie sich auf 17’830 Franken. Für die Dezimierung der Wildschweine durch professionelle Wildhüter wird rund eine Vollzeitstelle aufgewendet. In den letzten 10 Jahren wurden durchschnittlich 327 Wildschweine pro Jahr geschossen, 2014 waren es 176 Exemplare.

Die Genfer leben gut mit dem Jagdverbot. 2004 sprachen sich in einer Umfrage in der Bevölkerung knapp 90 % gegen eine Aufhebung des Jagdverbots aus. 2009 kam es im Kantonsrat zu einem Vorstoss zur Wiedereinführung der Jagd. Mit 71 zu 5 Stimmen bei 6 Enthaltungen wurde dem Ansinnen eine klare Abfuhr erteilt. Genf ist punkto Ökologie ein Pionier-Kanton: 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen gelten als ökologische Ausgleichsflächen für mehr Biodiversität. Davon profitieren auch Rebhühner, Greifvögel und Beutegreifer wie Marder und Fuchs.

P.S. Im Schweizer Nationalpark im Engadin wird sogar seit 100 Jahren nicht mehr gejagt und dort ist z. B. der Gämsenbestand seit 1920 konstant um die 1350 Stück. Auch der Fuchs wird nicht gejagt und entgegen den Prognosen aus Jägerkreisen ist keines seiner Beutetiere ausgestorben. Der Wechsel von Kuh- und Schafweiden zur Hirschweide führte zu einer komplett neuen Artenzusammensetzung der Vegetation und einer Verdoppelung der Artenvielfalt. Auch ohne Jagd habe es nicht plötzlich zu viele Füchse, Hasen oder Vögel, sagt Nationalparkdirektor und Wildbiologe Heinrich Haller. Die Erfahrung zeige, dass man die Natur sich selber überlassen könne.

https://wildbeimwild.com/2015/08/18/genf/

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